Gastkolumne

Prosecco kalt gestellt, Ferien in Sicht!

Sommer ist Ferienzeit.

Sommer ist Ferienzeit.

Seit knapp einer Stunde klingelt der Wecker alle 6 Minuten im Snooze-Modus – das Aufstehen am Morgen ging schon besser. Die grosse Diskussion über das richtige Outfit während der Sommermonate ist im vollen Gang: Was ist erlaubt, wie kurz darf der Rock ausfallen, wie breit sollen die Träger des Oberteils sein? Ach was soll’s – eigentlich habe ich Lust auf bequem und Flip-Flops.

Die Wahl der Garderobe war schon besser durchdacht, aber es wird schon gehen, sage ich mir. Und dann noch das: Die tägliche Radio-Verkehrsmeldung über den stockenden Verkehr zwischen Egerkingen und der Verzweigung Luterbach lässt meinen Puls höherschlagen. Nicht aufregen, dies generiert Zeit, die zu erledigenden Pendenzen im Haushalt und im Job nochmals abzuspulen. Dann der nicht mehr ganz so dynamische Gang ins Büro – noch 5 Mal schlafen, dann ist sie da, die schönste Zeit des Jahres.

Die Sommerferien stehen vor der Türe. Die Zeit für Erholung und die Freude, den Tag in all seinen Facetten vollkommen ohne Verpflichtungen zu geniessen. Zeit für das Zwischenmenschliche, die Pflege von Beziehungen, Familie, Garten und Sport. Wir haben sie uns verdient – die Ferien. Die physischen und elektronischen Pendenzen sind hoffentlich alle erledigt, der Haushalt im Zustand wie nach einem Frühlingsputz, der Garten am besten unkrautfrei.

Die vier oder fünf Wochen Ferien im Jahr sind idealerweise generalstabsmässig optimal geplant. Die Auszeit soll doch wunderbar gelingen. Arbeitsrechtlich ist schliesslich vorgeschrieben, dass Ferien der Erholung zu dienen haben – Ferienfähigkeit als Voraussetzung für die Arbeitsfähigkeit sozusagen.

Doch kurz vor dem süssen Nichtstun steht noch die Abgabe einer Kolumne auf dem Programm. Über was schreibt Wirtschaftsförderin kurz vor Ferienbeginn? Vielleicht über die neue Steuervorlage mit 16 Prozent? Fühlt sich an wie ein Minenfeld. Besser über die 135 600 Solothurnerinnen und Solothurner, die täglich zur Arbeit pendeln und ihre Brötchen zu einem grossen Teil ausserhalb des Kantons verdienen? Könnte bestimmt etwas hergeben. Ich könnte die Pendlerthematik anreichern mit der Zahl der Babyboomer-Jahrgänge, welche in den nächsten Jahren in Pension gehen und das Fachkräftethema massiv verstärken werden. Auch die neue App «Too Good To Go», welche inzwischen zahlreiche Gewerbebetriebe aus Solothurn, Olten, Dornach oder etwa Biberist verwenden, um dem Thema Foodwaste zu begegnen, ist eine Botschaft wert! Neue nachhaltige Geschäftsideen, welche den Detailhandel unterstützen, neue Arbeitsplätze generieren und für die Umwelt und Gesellschaft einen Mehrwert bieten, sollen unbedingt entsprechende Aufmerksamkeit erhalten. Die Weitsicht jener Betriebe verdient Wertschätzung. Tolles Engagement!

Warum aber lange lamentieren und argumentieren? Wie man ein ganzes Leben in sechs Worte fasst, wusste schliesslich schon Ernest Hemingway. Als er mit einem Schriftstellerkollegen im Restaurant sass, sprachen sie irgendwann über die ideale Länge eines guten Romans: Sechs Worte genügen, war sich Hemingway sicher. Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze.
Im Zeichen der verkürzten Sprache von Social Media, der 140-Zeichen-Twitter-Logik, der zwanghaften Knackigkeit von Texten vermittle auch ich meine Botschaft in sechs Worten: «Prosecco kalt gestellt, Ferien in Sicht». Gute Erholung wünsche ich Ihnen und verabschiede mich in den Offline-Modus.

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