Informatische Bildung

Programmieren im Klassenzimmer: Der Kanton ist Vorreiter in Sachen Informatikunterricht

Arbeiten mit Laptop und Tablet: bald Standard an allen kantonalen Primarschulen.

Im Kanton Solothurn benutzen schon Primarschüler Laptops im Klassenzimmer, die Kantonsschulen führen Informatik als Schulfach ein. Auf verschiedenen Schulstufen gilt der Kanton als «Vorreiter» im Bereich der digitalen Bildung. Warum? Eine Übersicht.

«Das kann sich sehen lassen.» Stefan Ruchti, Amtsleiter Berufsbildung an Mittel- und Hochschulen im Kanton, spricht über die kantonale Informatik-Strategie für die Sek-2-Stufe. Für Berufsschulen und Kantonsschulen also. Dieses wurde im März 2017 verabschiedet, ein paar Monate noch, bevor der Bund sein Konzept veröffentlichte. Man sei im Bereich des Informatikunterrichts schweizweit «vorne mit dabei».

Auch Andreas Walter, Leiter des Volksschulamtes, berichtet: «Der Kanton ist Vorreiter.» Rektor der Kantonsschule Solothurn, Stefan Zumbrunn, findet gar: «Der Kanton nimmt bei der Digitalisierung in der Schweiz eine führende Rolle ein.» Was führt zu diesen lobenden Voten? In seinem aktuellen Legislaturplan hat der Regierungsrat die Stärke der informatischen Bildung festgelegt. Derzeit tut sich also einiges in dem Bereich – der Kanton hat über die letzten Jahre hinweg aber auch schon einiges an Vorarbeit geleistet.

Programmierende Primarschüler

Programmieren, Word und Excel bedienen, lernen im Kanton schon Primarschüler. Seit 2008 steht ab der dritten Primarstufe eine Lektion informatische Bildung im Stundenplan – bis zum Ende der Oberstufe. Schweizweit führte der Kanton Solothurn als erster diese Stundendotation ein. «Bereits in der Primarschule lernen die Schulkinder informatische Konzepte kennen und lernen Programmieren», so Walter. «Der Kanton ist ein Industrie- und KMU-Kanton und braucht gut ausgebildete Fachkräfte.»

Zum heutigen Standard an der Volksschule kommt nun bis Ende Schuljahr 2020/21 hinzu: Alle Schülerinnen und Schüler bringen den eigenen Laptop oder das Tablet zum Arbeiten in den Unterricht mit. Wobei in den meisten Gemeinden die Schule die Arbeitsgeräte zur Verfügung stellt. «Die digitalen Geräte gehören zum Unterricht», so Walter. Für diesen Unterricht wurde das Volksschulamt 2017 gar ausgezeichnet. Genauer gesagt, erhielt es vom Verband ICT Berufsbildung Schweiz einen Award für besondere Leistungen im ICT-Bereich. Dies aufgrund eines Lernkonzeptes, wonach die Klassen lernen, Spiele zu programmieren und so Fehler zu erkennen und zu beheben. Selbstständig. Auf dieses Wissen könnten dann Sekundar- und Berufsschulen aufbauen, hält der Leiter des Volksschulamtes fest.

Die Schüler sind «vif» im Umgang mit der Technik, davon berichtet auch Dagmar Rösler, Präsidentin des kantonalen Lehrerverbandes. «Sie haben ein schnelles Auffassungsvermögen und sind in der Thematik motiviert, weil sie die neue Technologie natürlich auch mit grösster Selbstverständlichkeit nutzen.» Gleichzeitig sei das Wissen einiger Jugendlichen manchmal recht oberflächlich und sie befassten sich so relativ unkritisch mit den neuen Technologien. Aufgabe der Lehrpersonen sei es nun, den Schülerinnen und Schülern zu helfen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Das bedeutet, dass sich auch die Lehrpersonen fit machen müssen für den digitalen Unterricht. Seit dem Studienjahr 2017/18 gehört ein Themenblock informatische Bildung zur Ausbildung an der pädagogischen Hochschule in Solothurn. Zudem gibt es im Kanton verschiedene Weiterbildungskurse zum Thema. Auch bietet die Fachhochschule Nordwestschweiz, zu welcher auch die pädagogische Hochschule in Solothurn gehört, einen Lehrgang «pädagogischer ICT-Support» an.

Anforderungen steigen - auch an die Lehrpersonen

Die Schüler sind «vif» im Umgang mit der Technik, davon berichtet auch Dagmar Rösler, Präsidentin des kantonalen Lehrerverbandes. «Sie haben ein schnelles Auffassungsvermögen und sind in der Thematik motiviert, weil sie die neue Technologie natürlich auch mit grösster Selbstverständlichkeit nutzen.» Gleichzeitig sei das Wissen einiger Jugendlichen manchmal recht oberflächlich und sie befassten sich so relativ unkritisch mit den neuen Technologien. Aufgabe der Lehrpersonen sei es nun, den Schülerinnen und Schülern zu helfen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Das bedeutet, dass sich auch die Lehrpersonen fit machen müssen für den digitalen Unterricht. Seit dem Studienjahr 2017/18 gehört ein Themenblock informatische Bildung zur Ausbildung an der pädagogischen Hochschule in Solothurn. Zudem gibt es im Kanton verschiedene Weiterbildungskurse zum Thema. Auch bietet die Fachhochschule Nordwestschweiz, zu welcher auch die pädagogische Hochschule in Solothurn gehört, einen Lehrgang «pädagogischer ICT-Support» an.

Informatik als Schulfach

«Bring your own device» – also den Laptop oder das Tablet in die Schule mitnehmen – gehört auch zum eingangs erwähnten Informatikkonzept für die Sek-2- Stufe. Wobei bei der Umsetzung im Informatikunterricht in der Berufsschule die Berufsverbände «den Takt angeben», wie es der Vorsteher des Amtes für Berufsbildung, Stefan Ruchti, erklärt. Die Verbände überprüfen alle fünf Jahre den Lehrgang zum entsprechenden Beruf und nehmen Anpassungen vor – auch im Bereich der Informatik. So schleppten etwa die angehenden Köche im Kanton seit einigen Jahren keine dicken Kochbücher mehr mit, sondern könnten diese digital herunterladen. MEM-Berufe – in der Maschinen- Elektro- und Metallindustrie – arbeiten ab diesem Sommer mit digitalen Lehrmitteln. Je nach Vorgabe des Berufsverbandes wird auch an der Berufsschule unterschiedlicher Wert auf Informatikunterricht gelegt – ein einheitliches Fach «Informatik» gibt es nicht.

Genau das kommt ab nächstem Schuljahr an den beiden Kantonsschulen. Die Kanti Olten und Solothurn gehören zu den ersten schweizweit, die damit eine Vorgabe des Bundes umsetzen. Vom ersten bis ins dritte Jahr haben die Klassen eine Lektion Informatik die Woche. In Solothurn kommt im dritten Jahr zudem das Bearbeiten von Themen wie «Blockchain- Technologie» im Fach Wirtschaft und Recht, oder «künstliche Intelligenz» im Ethik-Unterricht dazu.

In Olten fokussiert man sich dafür im ersten Jahr in Halbklassen aufs Programmieren. Wobei es beim Fach Informatik keineswegs nur um die Anwendung von «Hardware» oder «Programmieren» gehe, so Zumbrunn. Es gehe darum, Systeme zu verstehen und Anwendungen bewusst nutzen zu können. Konkrete Beispiele aus dem Unterricht: die Erstellung von spezifischen Karten mit dem Geografischen Informationssystem GIS oder das Verständnis für das automatische Auszählen von Stimmzetteln mit Computern. Wobei auch die Kanti-Klassen in der nachobligatorischen Schulzeit seit diesem Schuljahr ihre eigenen Arbeitsgeräte mitbringen.

Kenntnisse sehr unterschiedlich

Zumbrunn betont auch: «Das Ziel des Informatikunterrichts am Gymnasium ist weder die Ausbildung von Informatikern noch die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die ‹Arbeitswelt›.» Das geschieht später, in der Berufslehre. Wer im Kanton die Lehre zum Informatiker macht, kann sich entweder für die vierjährige entscheiden inklusive überbetrieblicher Kurse, oder aber für eine dreijährige und zuvor noch das Basislehrjahr absolvieren. Für dieses ist der Verein VSIA zuständig. Geschäftsführer Dominik Tschumi berichtet davon, dass die Jugendlichen gut vorbereitet seien. «Sie bringen viele digitale Kompetenzen aus dem Privatleben mit.»

Allerdings seien die Kenntnisse über den richtigen Umgang mit verschiedenen Internet-Plattformen, die die Jugendlichen täglich oder gar stündlich benützten, eher oberflächlich. «Oft besteht die Vorgehensweise bei Problemen oder Fragestellungen einzig und allein bei einer Google-Suche. Liefert die Suche keine passenden Resultate, kommen Sie nicht weiter.» Die gewaltige Menge an Informationen könnten oft nicht richtig verarbeitet werden. «Ich denke in diesen Bereichen könnten die Jugendlichen besser geschult werden», so der VSIA-Geschäftsführer. Zudem gebe es teilweise enorme Unterschiede zwischen den Schulen.

So auch zwischen den Jugendlichen, wie es von den Berufsschulen her heisst. Eigene Geräte seien für viele Jugendliche zwar «Standard», erklärt Amtsleiter Ruchti. Am Schluss komme es auch bei der Informatik immer auch noch auf die Lehrperson darauf an, die den vorgegebenen Stoff vermittelt – und auf das, was die Jungen von zu Hause mitbringen.

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