Grosses Defizit

Prognose trifft ein: Corona sorgt bei Solothurner Spitälern für Verlust von über 60 Millionen

Die Coronaspuren in der Jahresrechnung 2020 der Solothurner Spitäler AG (soH) werden tief sein.

Die Coronaspuren in der Jahresrechnung 2020 der Solothurner Spitäler AG (soH) werden tief sein.

Die Solothurner Spitäler AG kann die im Lockdown eingefahrenen Fehlbeträge keinesfalls kompensieren. Ertragsausfälle und Mehraufwendungen führen zu einem Defizit von über 60 Millionen Franken. Der Kanton will vor allfälliger Hilfe harte Zahlen sehen.

Kaum war der Winter vorbei, kam schon die Frostwarnung. Am 17. April sagte Martin Häusermann, CEO der Solothurner Spitäler AG (soH), dieser Zeitung gegenüber, im Rahmen einer vorläufigen Risikoabschätzung sei coronabedingt mit Umsatzeinbussen und Mehrkosten zu rechnen, die sich im zweistelligen Millionenbereich in der Erfolgsrechnung niederschlagen würden. Es war die Zeit des Lockdowns.

Besser wurde es in der Folge nicht, aber konkreter: Am 9. Juni, bei der Vorstellung des Jahresergebnisses 2019, war bereits die Rede von einem finanziellen Schaden von rund 62 Mio. Franken, den das Coronajahr für die soH mutmasslich bringen werde. Verwaltungsratspräsidentin Verena Diener sagte denn auch, dass das Unternehmen von Bund und Kanton sowie den Krankenversicherungen die Übernahme des erwarteten finanziellen Schadens erwarte. Der Alleinaktionär Regierungsrat wurde laut Diener über die Situation ins Bild gesetzt. Konkrete Anträge gab es damals allerdings noch nicht.

Geschäftsgang deutet keine Erholung an

Und wie sieht es heute aus? Düster, sehr düster. Häusermann bestätigt auf Anfrage, man gehe weiterhin von einem finanziellen Schaden in der Grössenordnung von über 60 Mio. Franken aus. «Leider bestätigt der Geschäftsgang bis Ende November diese Prognose», sagt Häusermann. Der Gesamtschaden hänge letztlich davon ab, «wie stark wir bis Ende 2020 in den somatischen Häusern mit Pandemie-Patientinnen und -Patienten belastet sein werden oder ob wir noch im laufenden Jahr jetzt verschobene Wahleingriffe und -Behandlungen nachholen können». Momentan sei davon allerdings nicht auszugehen. Dass es anderen Häusern auch so geht, ist dabei ein schwacher Trost.

Und auch in Bezug auf die Schadensabgeltung versprüht die soH keinen übertriebenen Optimismus. Jedenfalls sei dem Unternehmen vom Kanton her bisher einzig kommuniziert worden, dass über eine (Teil-)Übernahme des entstandenen Schadens erst nach Vorliegen gesicherter Fakten entschieden werde. Und das wird erst nach Vorliegen der Jahresrechnung 2020 der Fall sein. Und das wird dauern. Heinrich Schwarz, Departementssekretär von Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner, bestätigt, «dass über Entschädigungen erst entscheiden werden soll, wenn gesicherte Fakten vorliegen». Entsprechend fänden derzeit auch keine Gespräche statt.

Leistungsrückgang auch in der zweiten Welle

Die Situation ist also schwierig – auch im Alltag der beiden Spitäler in Olten und Solothurn. «In den Wochen, in denen wir stark mit der Behandlung von Covid-Patienten betroffen waren und sind, stellen wir im stationären Bereich einen starken Leistungseinbruch fest», führt Häusermann aus. Und: «Der Verzicht auf planbare Eingriffe führt jetzt in der zweiten Welle erneut zu einem Leistungsrückgang, wenn auch etwas weniger stark als während der ersten Welle, in der wir uns gemäss Vorgaben des Bundes und des Kantons auf Notfall- und absolut notwendige Behandlungen und Eingriffe beschränken mussten.»

Dieser Rückgang habe in den weniger stark durch Corona betroffenen Wochen und Monaten nicht vollständig kompensiert werden können, sagt der soH-CEO. Ein leichter Anstieg der Fallzahlen sei in diesen Wochen zwar festzustellen gewesen, jedoch nicht im Ausmass des Rückganges. Und das habe damit zu tun, dass die entsprechenden Fachpersonen für die Behandlung und Betreuung der hospitalisierten Covid-Patienten dringend benötigt würden. Ganz abgesehen davon, dass auch die soH mit zunehmenden krankheits- und quarantänebedingten Ausfällen zu kämpfen habe. Immerhin könnten diese bisher mit eigenem Personal aufgefangen werden, sagt Martin Häusermann.

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