Autobahnausbau
Pro Natura fordert 2 km langen Tunnel bei Oberbuchsiten

Eine 2 Kilometer lange Teilstrecke der Autobahn zwischen Oensingen und Oberbuchsiten soll unter dem Boden verschwinden, fordert Pro Natura Solothurn. Der Bauernverband schliesst sich dem an.

Christian von Arx
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Was in der Grenchner Witi recht war, soll im Gäu billig sein: Die Autobahn durch die Ebene in einen Tunnel verlegen. Das fordert Pro Natura Solothurn in ihrer Stellungnahme zum Sechsspurausbau der A1 im Abschnitt Luterbach–Härkingen. Der Solothurnische Bauernverband schliesst sich dieser Forderung an.

Nicht gerade den ganzen, 22 km langen Autobahnabschnitt will die Pro Natura unter den Boden verbannen. Immerhin aber eine rund 2 km lange Teilstrecke zwischen Oensingen und Oberbuchsiten. Dort verläuft die A1 direkt neben der schnurgerade kanalisierten Dünnern und im Übrigen noch heute durch weitgehend unüberbautes Landwirtschaftsland.

Das generelle Projekt zum Sechsspurausbau sieht in diesem Bereich die Erstellung einer 50 Meter breiten Wildtierbrücke über die Autobahn vor. Damit würde der Wildwechsel vom Jura ins Mittelland wieder ermöglicht, der seit dem Autobahnbau in den 1960er-Jahren unterbunden ist. Das findet Pro Natura gut, verlangt allerdings vertiefte Abklärungen, ob die Brücke für diesen überregionalen Wildtierkorridor nicht grösser dimensioniert werden müsste. Denn die 50 Meter seien die Norm für eine vierspurige Autobahn.

«Vorteile sind eklatant»

Besser als die Wildtierbrücke findet Pro Natura allerdings einen Tunnel. Die Vorteile seien eklatant: «Anstatt neuem Fruchtfolgeflächenverlust gewinnt man Kulturland zurück; die Dünnern kann auf der ganzen Strecke revitalisiert werden, ohne zusätzliches Landwirtschaftsland zu beanspruchen; und die Wildtierbrücke muss nicht gebaut werden, da den Tieren wieder eine natürliche Verbindung zur Verfügung steht», heisst es in der Medienmitteilung von Dienstag. Ausserdem könne im Bereich des Tunnels auf Lärmschutz, Strassenbrücke und Fussgängerverbindung verzichtet werden.

«Ja, es ist uns durchaus ernst mit diesem Vorschlag», erklärt Pro-Natura-Geschäftsführerin Ariane Hausammann auf Anfrage. «Man kann nicht immer mehr Land zubetonieren.» Dass ein Tunnel eine teure Lösung ist, sei der Pro Natura bewusst. Aber: «Die offizielle Kosten-Nutzen-Analyse errechnet für den Sechsspurausbau einen Nutzenüberschuss von 2,45 Milliarden Franken. Da sollte der Mehraufwand für die Tunnellegung auf 2 Kilometern doch verkraftbar sein», meint Hausammann.

Bauernverband schliesst sich an

Einen Verbündeten hat Pro Natura schon gefunden: den Solothurnischen Bauernverband (SOBV). «Wir können uns sehr gut anfreunden mit der Idee einer Tunnelführung zwischen Oensingen und Oberbuchsiten», bestätigt Bauernsekretär Peter Brügger auf Anfrage. Die Bauern wollen in erster Linie den Kulturlandverlust minimieren. Dieser droht ihnen gleich mehrfach: einmal durch den Sechsspurausbau an sich, dann aber auch durch die damit verbundenen ökologischen Ausgleichsmassnahmen und drittens durch die geplante Dünnern-Renaturierung.

Anders als Pro Natura äussert sich der SOBV in seiner Vernehmlassung denn auch kritisch gegenüber der geplanten Wildtierbrücke und verlangt, dass deren Notwendigkeit überprüft wird. «Sollte sich zeigen, dass die Wildquerung unabdingbar ist, schlagen wir vor, dass im Bereich der Wildquerung nicht eine Überführung für das Wild gemacht wird, sondern dass die Autobahn tiefer gelegt wird und dadurch eine ebenerdige Wildquerung möglich ist», heisst es in der SOBV-Stellungnahme. Und: «Mit einer Untertunnelung über eine Strecke von 1,5 bis 2 km analog dem Wititunnel in Grenchen kann der Kulturlandverbrauch massiv reduziert werden.» Auch werde dadurch die Landschaft weniger stark beeinträchtigt.

Wititunnel kostete 150 Mio. Franken

Schweizweiter Präzedenzfall für einen Autobahntunnel in einer unüberbauten Ebene ist der im Jahr 2002 eröffnete, vierspurige Wititunnel der A5 bei Grenchen. Er ist 1,76 km lang und kostete rund 150 Mio. Franken. Die Kosten machten zwar dem Bund Kopfzerbrechen. Dass der Tunnel dennoch realisiert wurde, war auf die hartnäckige, langjährige Forderung durch Bevölkerung und Behörden von Region und Kanton zurückzuführen.

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