Barockoper Waldegg
Premiere von «Heimkehr des Odysseus» geglückt – kleine Gags erheitern das Publikum

Die Premiere der Monteverdi-Oper «Heimkehr des Odysseus» auf dem Schloss Waldegg ist durch und durch geglückt.

Gundi Klemm
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Premiere der Monteverdi-Oper «Heimkehr des Odysseus» auf Schloss Waldegg
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 Penelope besingt ihr trauriges Schicksal
 Odysseus trifft unerkannt in seiner Heimat ein
 Odysseus trifft unerkannt in seiner Heimat ein
 Die Schickalsgöttinnen greifen ein
 Die Göttinnen greifen ins Schicksal ein
 Die Göttinnen greifen ins Schicksal ein
 Die Göttinnen greifen ins Schicksal ein
 Fast verfällt Penelope einem Freier
 Die Göttinnen greifen ins Schicksal ein
Premiere der Monteverdi-Oper «Heimkehr des Odysseus» auf Schloss Waldegg

Premiere der Monteverdi-Oper «Heimkehr des Odysseus» auf Schloss Waldegg

Hanspeter Bärtschi

Der Abend war einfach perfekt: Das Ambiente des Schlosshofs, der Bühnenaufbau mit dem in der vertieften Mitte sitzenden Cantus firmus-Orchester, die stimmlich und schauspielerisch virtuos überzeugenden 13 Solistinnen und Solisten, der 25-köpfige Kammerchor und vor allem die anmutige Gesamtinszenierung aus Musik, Schauspiel und Tanzszenen fügten sich zu einem beglückenden Gesamtbild dieses «Ulisse».

1640/41 uraufgeführt in Venedig trug dieses Musikstück in der Form seiner Komposition zur stilistischen Weiterentwicklung der Oper bei. In dieser Zeit bildeten sich die Grundlagen für bis heute gültige Operngestaltungen in Handlungsablauf sowie Arie und Rezitativ mit Einzelinstrumental- und Orchesterbegleitung. Inhaltlich enthält diese in italienischer Sprache aufgeführte «Il Ritorno D’Ulisse in Patria» alle Elemente eines spannenden Stoffs. Liebe, Lust, Treue, Schmerz, Verschwörung, Mordkomplott, Täuschung, Rache, Possen, heldenhafter Sieg und grosse Gefühle erzeugten dramatische Wirkungen.

Claudio Monteverdi (1567-1643) und sein Librettist Giacomo Bardoaro lebten in der Ideenwelt der Renaissance. Die Rückbesinnung auf die Antike beflügelte die Kunst und Wissenschaft ausgehend von Italien ganz Europa. Man spürte, dass der poetische Text dieser Oper (im Begleitheft ins Deutschei übersetzt durch Andreas Reize) die Musik bestimmt. Allerdings beruht diese wunderbare Oper nicht auf einer einheitlichen literarisch-musikalischen Überlieferung, sondern auf einer 1881 in Wien aufgefundenen Abschrift, die mit musikalischen Fragmenten ergänzt wurde. Entstanden ist eine «Musik aus einer anderen Welt».

Odysseus’ Kampf gegen die Freier

In den Epen Homers macht sich Odysseus (ital. Ulisse) nach der Zerstörung Trojas auf den Weg ins heimatliche Ithaka. Weil er aber im Kampf den einäugigen Riesen Polyphem blendete, verurteilt ihn dessen Vater, der Meeresgott Neptun, zu weiteren zehn Jahren Irrfahrt übers Meer. Seine Ehefrau Penelope wartet insgesamt 20 Jahre auf ihren verschollenen Gatten, dem schliesslich die Rückkehr gelingt. Er findet seinen Palast belagert von Freiern vor, die Penelope aber abwehrt. Verkleidet als Bettler spannt Odysseus in einem Wettbewerb seinen alten Bogen, was bisher keinem der Bewerber gelang. Penelope erkennt endlich ihren Ehemann.

Verdient hatten alle Mitwirkenden den begeisterten Beifall des Premierenpublikums, das die tolle Leistung unter dem musikalischen Leiter Andreas Reize und Regisseur Georg Rootering überaus zu schätzen wusste. Unvergesslich bleiben die ausdruckvollen Bühnenbilder (Romaine Fauchère), die zauberhafte Choreografie (Andrea Danae Kingston), die differenziert gebotene Musik auf Instrumenten alter Mensur und die Intensität in Mimik und Gestik aller Protagonisten mit fehlerloser Beherrschung der italienischen Bühnensprache. Erheiternd einige kleine Gags. Zum Beispiel verwandelt sich die mordlustige Freiertruppe in eine sonnenbebrillte Mafia-Gang, die zuvor in «Machismo»-Allüren die nicht liebeswillige Penelope regelrecht umzingelt hatte.

Aufführungen: 10. 11. 15. 16. 17. jeweils 19 Uhr. Infos: operwaldegg.ch

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