Feldschiessen

Premiere für unseren Korrespondenten: «Auf einmal bin ich sehr nervös»

Zum ersten Mal in seinem Leben schiesst unser Korrespondent. Er trifft am Feldschiessen auf einen selten gewordenen Schiessstand und auf junge Schützinnen

Das erste Mal in meinem Leben gebe ich Schüsse ab. Schiessen ist offenbar so ungefährlich, dass man sogar dem Journalisten ein Sturmgewehr in die Hand drückt, ihn kurz instruiert und ihn dann sein Glück versuchen lässt.

Auf einmal bin ich doch sehr nervös. Die Anspannung ist riesig, aber die Vorfreude gross. Tatsächlich erreiche ich 54 Punkte mit meinem ersten und einzigen Versuch – ohne einen Nuller.

«Eine super Leistung», wie die Verantwortlichen am Stand der Schützen Solothurn–Zuchwil freundlich meinen. Ich könnte mir nun tatsächlich vorstellen, öfters mal schiessen zu gehen.

«Konzentration, Präzision und Selbstbeherrschung» – dies seien sowohl Grundvoraussetzungen wie auch der Grund für die Leidenschaft des Schiessens, erklärt Beat Blum vom Schützenverein Solothurn-Zuchwil.

Diese gemeinsame Leidenschaft zog auch dieses Jahr wieder tausende Schützen jeden Alters an die Schiessstände und in die Felder in der ganzen Schweiz, um ihr Können unter Beweis zu stellen.

«Ein ganz spezieller Groove»

Das Feldschiessen geniesst eine lange Tradition und diese müsse unbedingt erhalten bleiben, findet die Solothurner Regierungsrätin Esther Gassler: «Das Feldschiessen soll ein Volksfest sein, Generationen verbinden und Traditionen bewahren», weiss die Militärdirektorin. Es bewege sie, wenn Schweizerinnen und Schweizer aller Generationen ihren Patriotismus in dieser Art ausleben würden. Zudem habe das Feldschiessen seinen ganz «speziellen Groove», meinte die Regierungsrätin, als man sie bereits am frühen Morgen bei der Schiessanlage in Ichertswil antraf.

Wer in Ichertswil schoss, konnte ein Privileg geniessen. Laut Kreiskommandant Diego Ochsner ist dies eines der seltenen Originale im schweizerischen Feldschiessen: geschossen wird nicht aus einem Schützenstand, wie man sich dies von den anderen Standorten gewohnt ist, sondern frei auf dem Feld. Die Schützen lagen auf kleinen Matten auf einem kleinen Feldweg und gaben von da aus ihre Schüsse ab. «Das ist das Original und das, was das Feldschiessen einst ausmachte», so Ochsner.

Mit 16 schon dabei

Das Schiessen ist generationenübergreifend: Nicht nur die alte Garde zog es hinters Gewehr vor die Schützenscheiben, man traf auch ganz junge Schiessinteressierte an. Milena Knörr (17) und Aline Bläsi (16) aus Nennigkofen zum Beispiel haben die Freude am Schiessen erst vor kurzem entdeckt.

Für sie sei es «die Ruhe, das Entspannte» und das Fehlen jeglicher Hektik, was ihnen den Reiz am Schiessen verschaffe. Natürlich aber auch die Kollegialität, die gemeinsame verbindende Leidenschaft.

In den eher ländlicheren Gebieten seien sie als junge Schützinnen keine Rarität. Der Nachwuchs sei mehr oder weniger sichergestellt. Dem konnte auch Hansruedi Affolter, Verantwortlicher fürs Feldschiessen am Schiessstand Solothurn-Zuchwil, beipflichten. Die kleinere Zahl an Vereinen, die sich auf dem Land biete, verglichen mit dem grossen Angebot in der Stadt, vereinfache es sehr, Nachwuchs zu finden. «Hier in der Stadt ist dies deutlich schwieriger», so Affolter.

Bier und Bratwurst fehlen nicht

An jedem Standort, so auch am Ort, an dem ich meine ersten Schüsse abgeben durfte, konnte man die Anspannung, die Konzentration und die Vorfreude spüren. Nach dem Schiessen war überall aber auch eine ausgelassene, heitere und belustigte Stimmung zu spüren. Man traf sich auf ein Bier, gönnte sich gemeinsam eine Bratwurst und lachte zusammen. «Das Kollegiale ist das A und O beim Schiessen und das, was verbindet und Leidenschaft entfacht», so Mathias Schluep, Schütze aus Balm bei Messen.

Schiessen ist eine gefährliche Sportart – da passieren doch auch Unfälle? Dies weiss Heinz Eng, eidgenössischer Schiessoffizier des Kantons Solothurn, zu verneinen. Es passiere sehr wenig und es habe an dem ganzen Feldschiessen in Solothurn bisher – so weit er wisse – noch keinen Unfall gegeben. Die Sicherheit wird eidgenössisch geregelt, durch Sicherheitskonzepte abgesichert und die Schützen werden von Betreuern unterstützt.

Unter den Besuchern in Ichertswil fand sich auch Ständerat Roberto Zanetti, der den Weg wegen der freundschaftlichen Stimmung ans Feldschiessen fand und nicht wegen dem eigentlichen Schiessen. Vielleicht ist es ja genau das, was alle befragten Personen unter «Leidenschaft», «generationenübergreifend» und «kollegial» verstanden, und was das Feldschiessen ausmacht.

Sehen Sie hier die Resultate der Einzelschützen und der Vereine. 

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