Die Bauten der «Solothurner Schule» gehören so selbstverständlich zu unserer Region, dass man sie kaum als etwas Besonderes wahrnimmt. Sie prägen unbewusst das Heimatgefühl der Bevölkerung am Jurasüdfuss.

Der Solothurner Heimatschutz zeichnet dieses Jahr sechs Besitzer von Häusern aus, die einst von Vertretern dieser Solothurner Schule gebaut wurden. Sie haben sie stilgerecht erhalten.

«Ja, die Solothurner Schule gab es», sagt Architekt Fred-Marc Branger bestimmt. Obwohl dies auch schon angezweifelt wurde und sich die Vertreter nie als «Solothurner Schüler» verstanden. Es sei ein «Ideenaustausch» gewesen, nicht etwas, das man an einer Lehranstalt lehrte.

Das Haus in der Fegetzallee in Solothurn, das er als Architekturbüro nutzt, wurde um 1976 von Fritz Haller erbaut. «Die Vision war immer die gleiche: flexible Grundrisse, nicht mehr das Festhalten am Starren in geschlossenen und unveränderbaren Räumen.»

Dass er und seine Frau Silvia den Preis gewonnen haben, bedeute ihm sehr viel. «Es bedeutet Respekt davor, dass wir uns die Mühe genommen haben, das Gebäude feinfühlig zu restaurieren und dass man auch mehr Geld ausgibt um Altes zu erhalten, statt immer nur Neues zu bauen.» Bei der Umnutzung vom Wohn- in ein Geschäftshaus hätten sie etwa fünfzig vor allem kleine Eingriffe vorgenommen.

Man muss den Wert erkennen

Auch Preisträger Reto Brügger, spricht vom «feinfühligen» Umbau seines Wohnhauses, das ursprünglich 1980 als Atelier errichtet wurde. Der sensible Umbau in Lommiswil vor wenigen Jahren mit seiner Frau Laila Provinzano sei dank der intensiven Auseinandersetzung mit dem Bauwerk möglich gewesen.

Er, selber Architekt, habe als Anhänger der Solothurner Schule den Wert des Hauses erkannt und erlangte Zugang zu den ursprünglichen Plänen. «Sogar den sonst streng geheimen Code der Originalfarbe erhielten wir», erzählt er freudig, «wir hatten den Farbton zuvor selber vergeblich zu mischen versucht.» Das Haus habe er komplett ausgehöhlt, die Materialwahl aber zeitgerecht getroffen.

«Die Auszeichnung bedeutet mir ganz viel. Es würdigt ein wenig mein Schaffen, denn ich habe schon vorher viele Projekte im denkmalpflegerischen Kontext realisiert. Es ist eine Art Leistungsausweis.» Sein Vater sei zwar Solothurner, doch sei er in Bern aufgewachsen. «Dass ich in der Heimat den Preis gewonnen habe, freut mich sehr.»

Präzis und verlieh Identität

Brügger bedauert, dass es die Solothurner Schule nicht mehr gibt. «Sie gab der Region Identität.» Es sei eine sehr präzise Architektur und passe zur Uhrenindustrie. Er schätzt die grosszügige Weite, die Reduktion auf das Wesentliche, die einfache Klarheit, das habe etwas Wohltuendes im bunten Stil heutzutage. «Die Bauten sind keine Fremdkörper, sondern integrieren sich wunderschön in die Landschaft.»

Die andern Interessenten für das Haus hätten es abreissen wollen, deshalb erhielt er den Zuschlag. «Bei Laien ist häufig die Sensibilität nicht vorhanden. Es braucht daher einen Architekten mit Fachwissen, sonst endet so ein Haus häufig als Abbruchobjekt.»

Ein anderer Preisträger, Kaspar Arn, ist in seinem Haus in Küttigkofen aufgewachsen, lebt seit 43 Jahren darin. Er konnte es mit seiner Frau Marlene von den Eltern übernehmen. Der Geologe empfand es überhaupt nicht als einschränkend, die Renovation stilgetreu vorzunehmen. «Würde ich ein Haus neu bauen, wäre es zwar aus Holz. Aber wir haben frei und gern entschieden, dieses zu übernehmen.»

Der Preis bedeute, «dass wir es wohl richtig gemacht haben mit der Sanierung.» Man könne den Umbau nicht mit jedem Architekten machen: «Es braucht jemanden, der auch Freude hat und es schätzt.»

Branger meint zu Leuten, die mit einem erworbenen bedeutsamen Haus nicht stilgerecht umgehen oder es gar abreissen, folgendes: «Man sollte eigentlich stolz sein, sonst hat man das falsche Haus erworben. Jedoch: Es sind nicht alle Häuser erhaltens- oder schützenswert. Es gibt nur ganz wenige Bauten der Nachkriegsmoderne in der Region, die so wichtig und gut sind.»

Weitere Preisträger sind Zita Kälin und Michael Dillo aus Solothurn, Matthias Zaugg sowie das Baustoffzentrum Olten/Zofingen BOZ Jürg Wyss. Der Preis – ein Aquarellbild – wurde in der Zaugg & Zaugg AG in Derendingen übergeben. Die Laudatio hielt Sara Schibler.