Kampfsport
Präsident der Jungen SVP setzt sich für kontrollierte Brutalität ein

Pascal Käser, Präsident der Jungen SVP des Kantons Solothurn, übt seit fünf Jahren Karate und seit einem Jahr den Kampfsport Krav Maga aus. Der 18-jährige Rüttener bezeichnet sich selbst als «Kampfsportler mit Leib und Seele».

Deborah Onnis
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Pascal Käser, Präsident der Jungen SVP des Kantons Solothurn steht hinter Kampfsportarten – sei es Karate, Krav Maga oder MMA.

Pascal Käser, Präsident der Jungen SVP des Kantons Solothurn steht hinter Kampfsportarten – sei es Karate, Krav Maga oder MMA.

HR Aeschbacher

Beissende Luft liegt in Trainingscenter im zweiten Stockwerk des Gebäudes an der Wengistrasse in Solothurn. Es riecht nach abgetretenem Schaumstoffboden und nach Schweiss – viel Schweiss. Sechs junge Männer und eine junge Frau kämpfen gegen unsichtbare Gegner; üben Kick- und Schlagtechniken von Mixed Martial Arts (MMA). Die Kampfsportart, deren Ausübung in der Schweiz heftig diskutiert wurde.

Zu brutal; zu blutig seien die Kämpfe, die auch in Youtube-Videos zu sehen sind. In einem Maschendrahtzaun-Ring prügeln sich zwei Gegner windelweich, schlagen trotz Platzwunden weiter zu. Dies während Zuschauer den Kämpfern zujubeln. Grüne Politiker aus Luzern, die ein MMA-Verbot forderten, vergleichen solche Szenen mit «Gladiatoren-Kämpfen aus dem alten Rom», welche die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen steigern würden.

Diese Kritik kann Pascal Käser, Präsident der Jungen SVP des Kantons Solothurn, nicht nachvollziehen. «Der Profibereich kann nicht mit dem Amateurtraining verglichen werden, wo die Sicherheit an erster Stelle steht», sagt der 18-Jährige aus Rüttenen noch mit rotem Kopf vom vorangehenden Krav-Maga-Training. Er übt selber seit fünf Jahren Karate und seit einem Jahr Krav Maga aus. «Kampfsportler mit Leib und Seele» – so bezeichnet er sich selbst. MMA, eine Mischung aus verschiedenen Kampfsportarten wie Karate, Kickboxen und Judo, wolle er in ein paar Jahren erlernen. Sobald er 21 Jahre alt ist und das Mindestalter für Vollkontakt-Sportarten erreicht hat. «Man muss sich verteidigen können», so Käser. Gefahren könnten immer und überall lauern. Dies weiss er aus eigener Erfahrung.

«Vor etwa fünf Jahren wurden mein Kollege und ich nach dem Ausgang in Solothurn von zwei Unbekannten angegriffen», erzählt er. «Einer von diesen Typen hatte ein Messer bei sich.» Käsers Kollege habe einen harten Schlag auf den Kopf gekriegt. «Ich war so schockiert, dass ich gar nicht auf den Angriff reagieren konnte», sagt der Kantischüler. Er hatte aber Glück: Körperliche Schäden trug er keine von der Attacke davon. Trotzdem löste das Ereignis etwas in ihm aus: «Ich wollte lernen, mich zu verteidigen.» Diese Motivation führte ihn zu der Karate-Kunst, von der er viel profitieren konnte, wie er sagt.

Selbstbewusstsein gestärkt

Mit jeder Bewegung auf dem Kampfplatz im Hintergrund sind zackige Geräusche zu hören. Schnell, stark und entschlossen wirken die MMA-Bewegungselemente der Schüler. Nach den Anweisungen des «Sensei», des Kampfmeisters, bewegen sie sich auf Kommando, synchron, wiederholen die Übung und nähern sich gleichzeitig immer mehr dem Spiegel vor ihnen. Bis es nicht mehr weiter geht. Und der Meister die nächste Aufgabe ansagt.

«Der Kampfsport hat mich stark gemacht», sagt Käser, der nicht auffällig muskulös und schon gar nicht furchteinflössend aussieht. Auf der Strasse würde er wohl eher für seine Freundlichkeit oder Hilfsbereitschaft auffallen. Wenn er von Stärke spricht, bezieht er sich nicht nur auf die körperliche Fitness, sondern auch auf die innere Stärke. «Mein Selbstbewusstsein ist durch Karate sehr gestärkt worden», sagt der 18-Jährige, der früher eher schüchtern und zurückhaltend war. Heute habe er keine Probleme vor grossem Publikum zu stehen, zu seiner Meinung zu stehen.

In seinem Freundes- und Familienkreis teile niemand wirklich die Ansichten des Einzelkindes. «Mein Grossvater war sogar bei der FDP.» Er sei aus Überzeugung bei der JSVP, bei der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) und bei Pro Tell Mitglied. Keiner seiner Freunde habe ihn auf diese politische Schiene gelenkt. «Ich habe auch viele Freunde mit ausländischen Wurzeln», sagt Käser. Er sei ja auch nicht ausländerfeindlich. «Ich habe nur ein Problem mit Ausländern, die hier Ärger machen.»

Disziplin und Ehrgeiz

Etwas, was Schlägern oft fehle, sei der Respekt. Eine Eigenschaft, die er sich auch durch das Kampfsporttraining angeeignet hat. «Im Training lernt man, den Gegner zu respektieren», so Käser, der mittlerweile den siebten, braunen Karate-Gürtel besitzt. Auch Disziplin und Ehrgeiz habe er durch Karate gelernt. «Durch das Level-System der Karate-Gürtel wurde ich sehr ehrgeizig», so der Maturand, der die Offiziersschule machen und später Jus studieren will.

Da er selber die positive Wirkung von Kampfsportarten erlebt habe, werde er sich dafür einsetzen, dass diese auch an Schulen gefördert werden. Er ist überzeugt: «Kampfsport könnte so vielen helfen.» Politisch engagiert er sich vor allem für ein starkes Militär. «Da gibt es ganz klar Parallelen zum Kampfsport», sagt er. Er wolle in einem Land leben, das sich gut verteidigen könnte – «man kann eben nie wissen ...»

MMA im politischen Ring

Der Kanton Luzern reichte 2011 eine Standesinitiative ein, um «Mixed Martial Arts» und «Ultimate Fighting» schweizweit zu verbieten. Der Nationalrat gab 2012 seine Zustimmung. Am Dienstag diskutierte der Ständerat über das Verbot und lehnte es schliesslich ab. (DO)