Amtsgericht Solothurn-Lebern
«Praktisch jeden Arbeitgeber übers Ohr gehauen»: Schweizerin hat mit Betrügereien «chli besser g’läbt»

Eine bald 38-Jährige ergaunerte bei mehreren Arbeitgebern 147'000 Franken. Die Quittung des Amtsgerichts Solothurn-Lebern: Wegen mehrfacher Veruntreuung, mehrfachen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung wurde sie zu 30 Monaten Haft verurteilt.

Ornella Miller
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Hat der Chef Geldüberweisungen unterschrieben, hat Mona das Kuvert wieder geöffnet und die Unterlagen gefälscht. (Symbolbild)

Hat der Chef Geldüberweisungen unterschrieben, hat Mona das Kuvert wieder geöffnet und die Unterlagen gefälscht. (Symbolbild)

Keystone

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, mahnt das Sprichwort. Eine bald 38-jährige Schweizerin brachte mehrere Körperschaften – meist Immobilienfirmen – durch Betrug und Urkundenfälschung um insgesamt rund 147'000 Franken. Dafür schickt sie nun das Amtsgericht Solothurn-Lebern ins Gefängnis.

«Unverfroren» kommt einem in den Sinn, liest man die lange Anklageschrift durch. Von Ende 2013 bis Anfang 2016 beispielsweise war die Verurteilte Mona B.* als Sachbearbeiterin Liegenschaftsverwaltung in einem regional operierenden Basler Nonprofit-Verein für Kinderbetreuung tätig. Sie hob in dieser Zeit einmal für private Zwecke mit der Geschäfts-EC-Karte 8000 Franken ab. Sie erwarb mehrmals auch etliche Gegenstände zum privaten Gebrauch, fälschte die Kassabelege, teils sogar die Signatur der Geschäftsleitung, und nahm die Beträge aus der Vereinskasse, total 64'000 Franken.

Spritztouren mit teuren Mietautos

Zudem wurde ihr vorgeworfen, für Privatfahrten mit der Geschäfts-Visa-Karte für 5500 Franken neunmal meist Sportautos gemietet zu haben, darunter Mercedes, Audi, Land Rover, mit denen sie jeweils bis zu 1500 Kilometer weit fuhr. Angeblich um Möbel zu transportieren – obwohl ein Vereins-Lieferwagen vorhanden gewesen wäre.

Kurz nachdem die Betrügereien aufflogen und sie die Stelle verlor, fand sie im Raum Solothurn wieder eine Anstellung im Immobilienbereich einer Uhrenfirma. Dort fälschte sie an bloss zwei Tagen im März 2016 acht Zahlungsaufträge im Betrag von insgesamt 68'000 Franken. Und zwar nutzte sie das Geld praktischerweise, um ihre Schulden beim zuvor von ihr betrogenen Verein zu begleichen. Sie überwies das Geld direkt aufs Bankkonto des Vereins-Anwalts.

Ihr Vorgehen: Sie bereitete Zahlungsaufträge vor und ging damit zur Geschäftsleitung, welche diese unterschrieb und den an die Bank adressierten Briefumschlag zuklebte. Mona B. öffnete diesen wieder, ergänzte und fälschte die Zahlungsaufträge und fälsche die Unterschrift der Zeichnungsberechtigten. Neues Couvert. Couvert zu. Ganz einfach.

Eine Basler Immobilienfirma schädigte sie, indem sie bei einem privaten Wohnungsumzug Räumungs- und Transportkosten mittels Urkundenfälschung auf ihren Arbeitgeber abwälzte. Sie fälschte auch mehrmals Arbeitszeugnisse, um bessere Chancen für einen neuen Job zu haben. Dass das Arbeitsverhältnis «infolge Unregelmässigkeiten» aufgelöst wurde, liess sie weg. Und sie schönte die Zeugnisse auch sonst, ergänzte etwa mit «verantwortungsbewusst», und manchmal produzierte sie gar eine Totalfälschung. Schliesslich täuschte Mona einen Arbeitgeber bei der Angabe einer Schwangerschaft auch mit Fälschung eines Arztzeugnisses und schob den Geburtstermin schrittweise um fünf Monate, so bekam sie auch ihre Fehltage bezahlt.

Immer «mit der gleichen Masche»

Die Angeklagte erschien auch zu dieser Verhandlung nicht, wie schon beim ersten Gerichtstermin, der deshalb geplatzt war. «Chli besser läbe» habe sie wollen, habe sie als Motiv genannt, sagte Staatsanwältin Kerstin von Arx, die Monas Vorgehen als «sehr dreist» bezeichnete. «Sie schlägt sich seit Jahren mit der gleichen Masche durchs Leben.» Für ähnliche Delikte ist sie schon vorbestraft.

Verteidigerin Claudia Gerber zeichnete hingegen das Bild einer Reumütigen, die auf dem rechten Weg und nun stabil sei, besonders seitdem sie vor einem Jahr ein Kind geboren habe. Sie habe sich in einer schwierigen Lebenssituation befunden. Gerber bemängelte oft fehlende Beweise. Die Autos habe sie bei zweitägigen Arbeitseinsätzen halt nach Hause genommen. Grundsätzlich bestreite sie die Vorwürfe nicht, nur punktuell. Gerber versuchte vor allem, den Vorwurf der «Gewerbsmässigkeit» zu bannen. «Es ist eher eine Verzweiflungstat. Sie wusste sich schlicht nicht mehr zu helfen.» Ihre Stabilität sei gefährdet, müsste sie hinter Gitter gehen. Von Arx forderte 42 Monate Haft, Gerber 24 Monate bedingt.

Die Quittung: 30 Monate Haft

Das Gericht mit Rolf von Felten, Rosmarie Châtelain und Markus Zubler verurteilte Mona wegen mehrfacher Veruntreuung, mehrfachen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung zu 30 Monaten Haft. Darin eingeschlossen ist eine nun zu vollziehende Vorstrafe.

In einigen Punkten, so bei der Miete der neun Autos, wurde sie freigesprochen. Allerdings nicht, weil das Gericht ihr glaubte, sondern weil zu wenig Beweise gesammelt, weil zu wenige Leute befragt wurden. Der Geldfluss sei oft nicht klar. Die Gewerbsmässigkeit sah das Gericht als nicht gegeben. Eine bedingte Strafe komme aber nicht mehr infrage, weil «eine ganz klar schlechte Prognose» bestehe. Mona B. sei sich keines Unrechts bewusst. «Sie hat in ihrem Berufsleben praktisch jeden Arbeitgeber übers Ohr gehauen», so von Felten. Er sieht eine «beträchtliche Verwerflichkeit».

Name geändert