Präsident Hansjörg Stöckli konnte gestern Nachmittag im Stadttheater Olten denn auch über 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Bildung und Verwaltung begrüssen. Und zufrieden feststellen: «Die Wirtschaft im Kanton Solothurn läuft gut.» Konkret: Die Exporte haben im vergangenen Jahr um 9 Prozent zugenommen. Und die gute Wirtschaftslage schlägt sich auf dem Arbeitsmarkt nieder. Stöckli mahnte allerdings: «Die gute Stimmung könnte sich schon bald eintrüben.» Jedenfalls gibt es Indikatoren, die auf eine Abschwächung hindeuten.

Der seit einem Jahr im Amt stehende Präsident benannte in der Folge drei Themen, die für die Wirtschaft zentral sind: Erstens die Klärung des Verhältnisses zwischen der Schweiz und der EU. Zweitens die Finanzierung der Altersvorsorge. Und, drittens, im Zusammenhang damit, die nationale und kantonale Steuervorlage. Stöckli appellierte ans Publikum, «die momentan noch gute Ausgangslage zu nutzen und den Grundstein für schwierigere Zeiten zu legen». Um schliesslich auch noch einen Bogen zum Wahljahr zu machen: Gewählt werden sollten Politikerinnen und Politiker, so Stöckli, «die sich für eine offene Schweiz und für gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen engagieren». Personen, «die in der Digitalisierung und in den Technologien mehr Chancen als Risiken sehen und willens sind, unser Land voranzubringen», sagte der Handelskammer-Präsident.

Wie hat er sein erstes Amtsjahr erlebt? «Es war zeitintensiv, aber auch sehr vielseitig und spannend», führte Stöckli aus. Wobei ihm eines noch klarer geworden sei: «Das Vertrauen zwischen der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft hat in den letzten Jahren gelitten.» Vor diesem Hintergrund müssten «Ehrlichkeit und Verlässlichkeit weiterhin hochgehalten werden – und es brauche Abgrenzungen gegen Abzockerei und Masslosigkeit», wurde der Präsident deutlich.

Da stand ihm Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss, welche die Regierung zusammen mit Landammann Roland Fürst vertrat, in nichts nach. Wenig überraschend nutzte sie die Gelegenheit, um gut eine Woche vor der Abstimmung noch einmal auf die Notwendigkeit der regierungsrätlichen Vorwärtsstrategie bei der Steuerreform hinzuweisen. Sah sie die nationale Vorlage auf sicherem Boden, sprach sie mit Blick auf die kantonale Umsetzung von einem «offenen Rennen». Die Frage sei, ob man ein halb volles oder ein halb leeres Glas sehe, ob man die Chancen oder die Risiken höher gewichte, ob man optimistisch oder pessimistisch an die Sache herangehe. Für Wyss selber liegt der Fall klar: «Es geht um eine Investition in den Werkplatz Solothurn.» Kleiner Primeur am Rande: Die Volkswirtschaftsdirektorin kündete an, dass in Kürze die Vernehmlassung über das Behördenportalgesetz gestartet wird – auch dies eine Investition in die Rahmenbedingungen bei der Einführung von digitalen Dienstleistungen.

Schlank über die Bühne gingen schliesslich die statutarischen Geschäfte der operativ von Direktor Daniel Probst geführten Handelskammer. Das 2-Millionen-Franken-Unternehmen schrieb im vergangenen Jahr einen kleinen Gewinn und investiert kontinuierlich in den Aufbau neuer und in die Erweiterung bestehender Angebote für die rund 500 Mitgliederfirmen. Auch hier gilt: Die Digitalisierung ist allgegenwärtig. Neu in den Vorstand gewählt wurden Benjamin Reinmann (Mathys AG, Bettlach) und Thomas Vogt (Vogt Verbindungstechnik AG). Aus dem Vorstand ausgeschieden sind Marianne Meister, Urs Flück und Matthias Oswald. Nach den ordentlichen Geschäften referierte Publizist Beat Kappeler unter dem Titel «sozial, sozialer, am unsozialsten) über marktwirtschaftliche Lösungen in der Sozialpolitik. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Jazzsängerin und Pianistin Mya Audrey.