In einem Schreiben, das der az Solothurner Zeitung vorliegt, schreibt Cavin kurz und knapp: «Aus beruflichen Gründen werde ich der BDP Kanton Solothurn ab dem 1.Januar 2012 nicht mehr zur Verfügung stehen können und reiche daher meine Demission als Präsident auf die nächste Parteiversammlung vom 18. Januar 2012 ein.»

Diese Zeilen gingen am vergangenen Samstag an Vizepräsident Markus Dietschi. Dieser bedauert den von Cavin «quasi über Nacht und plötzlich» gefassten Entscheid. Im persönlichen Gespräch habe Cavin allerdings durchblicken lassen, dass er wegen seines - trotz intensiven Wahlkampfs - ernüchternden persönlichen Resultates bei den Nationalratswahlen enttäuscht sei. «Ernest Cavin hat darauf jetzt überreagiert, indem er auch gleich den Parteiaustritt gibt», bedauert sein Vize. Aber: «Wer ihn kennt, weiss, dass er nicht anders kann.»

Gesamtresultat befriedigt, aber . . .

Alles nur eine Reaktion auf die Nationalratswahlen? Nein, sagt Cavin auf Anfrage. Die Solothurner BDP habe einen guten Wahlkampf geführt und die Resultate seien zufriedenstellend gewesen. Auf die Frage, ob er persönlich mehr erwartet habe, wiegelt er ab: «Nein, mit dem zweiten Platz innerhalb der Partei kann ich leben. Als Präsident ist man immer exponiert und stösst auch manchmal auf Widerstand innerhalb der Partei.» Es sei ihm auch nicht primär um sein Ergebnis gegangen, als Präsident habe er für ein gutes Gesamtresultat sorgen müssen, und das habe die BDP erreicht, fügt Cavin an.

Warum dann Knall auf Fall die totale Abkehr von der Partei? Der Gossliwiler sagt, er sei beruflich stark gefordert und wolle sich wieder vermehrt seiner Firma widmen. Der Zeitpunkt sei günstig. Neue Kräfte hätten nun Zeit, sich auf die kantonalen Wahlen 2013 vorzubereiten.

(Zu) viel Arbeit für Präsidenten

Eine dürftige Erklärung von einem Mann, der während gut dreier Jahre sehr viel Energie und Geld in den Aufbau einer neuen Kantonalpartei gesteckt hat. Auf Nachhaken lässt Cavin dann doch durchblicken, dass sein hohes Engagement, seine fordernd-forsche Art und sein Arbeitstempo wohl nicht bei allen Parteimitgliedern immer gut angekommen seien, auch deshalb, weil nicht alle mithalten konnten oder wollten. Cavin betont, dass gerade bei einer kleinen Partei sehr viel Arbeit auf dem Präsidenten laste, und da müsse man dann halt zuweilen Klartext sprechen.

Im Gespräch kommt dann auch noch zum Vorschein, dass der abtretende Präsident mit den Gesprächen seiner Partei mit der CVP auf nationaler Ebene überhaupt nicht glücklich ist. All die Arbeit, um dann in dieser Partei zu landen, da würden viele BDPler wieder abspringen, wenn es so weit käme: «Ich komme von der SVP her, da will ich sicher nicht am Ende in der CVP landen», ereifert sich der Demissionär.

Wer wird der Nachfolger?

Das tönt doch ganz nach parteiinternen Richtungskämpfen? Vizepräsident Markus Dietschi winkt amüsiert ab: «Cavins Abgang hat null und nichts mit internen Problemen zu tun. Die BDP hat nach ihren Erfolgen auf kantonaler und nationaler Ebene auch keinen Grund für solche.» Dass allenfalls die Fusionsdiskussionen zum Eklat geführt haben könnten, weist Dietschi weit von sich. Cavin habe als Präsident extrem viel gemacht: «Diese Arbeiten müssen wir nun neu verteilen.»

Um die Zukunft der Solothurner BDP müsse man sich jedenfalls keine Sorgen machen: «Wir werden diese neue Situation als Chance nutzen.» Und wer wird neuer Kantonalpräsident? Etwa der bisherige Vize? Dietschi lacht und sagt: «Wenns nicht sein muss, nicht. Ich suche dieses Amt nicht.» Die Parteileitung bemühe sich darum, der Parteiversammlung am 18.Januar bereits eine Lösung präsentieren zu können.

Weiterer Rücktritt in Grenchen

Ein Rücktritt ist auch bei der BDP der Stadt Grenchen zu verzeichnen: jener von Parteipräsident Christoph Feremutsch. «Das hat aber gar nichts mit dem Schritt von Ernest Cavin zu tun», betont Feremutsch auf Anfrage. Er stehe nach wie vor zur BDP, doch sein neuer Job zwinge ihn dazu, die Prioritäten anders zu setzen. Er sei als «Geburtshelfer» in Grenchen dabei gewesen, nun seien andere gefordert, die Partei durch die Pubertät zu führen.