Biodiversität
«Potenzial der Habitatförderung nicht ausgeschöpft»: Kantonsrat fordert mehr Nischen für Vögel und Insekten

Die Solothurner Regierung soll Massnahmen dazu vorschlagen, wie in den Dörfern und Städten Platz für Tiere geschaffen werden kann.

Rebekka Balzarini
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Soll bald mehr Platz erhalten in den Quartieren der Region: Die Blaumeise. B

Soll bald mehr Platz erhalten in den Quartieren der Region: Die Blaumeise. B

KEYSTONE/SIGI TISCHLER

Mehr Grün in Gärten, an Fassaden und auf den Balkonen. Die Stadtökologie gewinnt nicht nur mit Blick auf den Klimawandel und die damit verbundenen steigenden Temperaturen in den Städten an Bedeutung, sondern auch im Kampf gegen das Verschwinden von Lebewesen. Insekten und Vögel haben heute weniger Platz als früher, und entsprechend weniger gibt es von ihnen.

In den letzten zwanzig Jahren hat die Biomasse an Insekten um rund zwei Drittel bis sogar drei Viertel abgenommen, das schreibt Kantonsrat Michael Ochsenbein (CVP, Luterbach) in einem Auftrag zuhanden der Regierung. Der Regierungsrat solle deshalb Massnahmen dazu vorschlagen, wie «im Siedlungsgebiet, insbesondere an Fassaden, bei Grünflächen, Zwischenräumen und Dächern, Insekten- und Vogelbiotope und -habitate gefördert werden können», so Ochsenbein in seinem Auftrag.

Breite Unterstützung für mehr Lebensräume

«Dem Siedlungsgebiet wurde bis anhin nicht oder nur wenig die Aufgabe zugewiesen, eine Mithilfe zum Schutz und Förderung von Biodiversität zu sein», schreibt Ochsenbein. Das solle sich in Zukunft ändern.
Das Anliegen von Ochsenbein wurde im Rat positiv aufgenommen. Die Umwelt-, Bau- und Wirtschaftskommission sprach sich dafür aus, den Auftrag für erheblich zu erklären. «Die Kommission ist der Meinung, dass das Potenzial der Habitatförderung nicht ausgeschöpft ist», so Sprecher Michael Aebi (FDP, Riedholz), der auch gleich für seine Fraktion das Wort ergriff, die sich ebenfalls für den Auftrag aussprach.

Auch von den Grünen wurde das Anliegen von Ochsenbein unterstützt. Fraktionssprecher Heinz Flück (Solothurn) erklärte, dass der Sensibilisierungsarbeit eine wichtige Rolle zukommen müsse. Nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch auf Seite der Behörden. «In der Baubehörde sitzen häufig Juristen und Ästheten, die sich im Bereich der Biodiversität wenig auskennen», so Flück. «Es wäre deshalb wünschenswert, wenn der Kanton mit Naturschutzorganisationen zusammenarbeiten würde.»

Es brauche nicht für jedes Detail ein Verbot, aber es sei wichtig, sich bei Bautätigkeiten auch mit Fragen der Biodiversität zu befassen. Die Voten von Aebi und Flück wurden von den anderen Fraktionen in ähnlicher Weise unterstützt, der Rat erklärte den Auftrag mit nur einer Gegenstimme für erheblich.

Es gibt bereits Vorzeigeprojekte

Damit stellte sich der Rat zu einem Teil gegen den Antrag des Regierungsrates. Die Regierung hatte den Antrag gestellt, den Auftrag zwar für erheblich zu erklären, aber abzuschreiben. Dies, weil die im Jahr 2018 beschlossene «Strategie Natur und Landschaft 2030+» bereits zum Ziel habe, die Natur im Siedlungsgebiet zu fördern.

«Die Strategie zielt auf eine qualitätsvolle Innenentwicklung der Siedlungsräume und beinhaltet unter anderem eine Kommunikationsoffensive zum Erhalt und zur Aufwertung naturnaher Grünflächen», so die Regierung.

Im Kanton gebe es ausserdem bereits einige Gemeinden, die ihre Einwohnerinnen und Einwohner für mehr Biodiversität im Siedlungsgebiet sensibilisieren. So etwa in Langendorf, Biberist und Laupersdorf. Das Projekt in Laupersdorf wird laut der Regierung unter anderem vom Bundesamt für Umwelt unterstützt und hat zum Ziel, der Bevölkerung den Wert von naturnahen Grünflächen aufzuzeigen.

Ähnlich das Projekt in Langendorf, so die Regierung: Dort habe die Gemeinde aus eigener Initiative die Broschüre ««Leitfaden für mehr Natur im Dorf» erarbeitet. Diese enthält Ratschläge, wie die Bevölkerung der Natur in den Quartieren mehr Platz einräumen kann. Unter anderem mit mehr Blumenwiesen, Trockenmauern oder dem Pflanzen von Hecken und Bäumen.