Fronleichnam

Post streicht Zustellung an kantonalen Feiertagen – zur «Vereinheitlichung»

An kantonalen Feiertagen arbeiten Pöstler nicht mehr. Das sei kein Leistungsabbau, heisst es bei der Post.

An kantonalen Feiertagen arbeiten Pöstler nicht mehr. Das sei kein Leistungsabbau, heisst es bei der Post.

Leere Briefkästen sorgen an Fronleichnam im Kanton Solothurn für einige Überraschungen. Sparmassnahmen? Die Post spricht von einer «Vereinheitlichung».

Die PR-Sprache bietet bisweilen einen ganz praktischen Schutzmantel. Ein Beispiel: Was für viele schlicht einen Leistungsabbau darstellt, bezeichnet die Schweizerische Post als «Vereinheitlichung». An kantonalen und regionalen Feiertagen werden keine Briefe, Zeitschriften und Sendungen mehr zugestellt. Die Regelung gilt auch im Solothurnischen bereits seit Anfang dieses Jahres. Die Post-Kunden wurden darüber jedoch nicht direkt informiert.

Und so haben die meisten erst von der Änderung erfahren, als es erstmals so weit war: An Fronleichnam blieben die Briefkästen leer. Besonders ärgerlich war das für jene, die darauf angewiesen waren, dass ihre Sendung pünktlich an diesem Tag ankam. Pech hatten auch Leser, die ihre Zeitung jeweils mit der Post und nicht per Frühzustellung nach Hause geliefert bekommen.

Bisher setzte die Post auf eine einheitliche Feiertagsregelung – genauso, wie es bei national tätigen Unternehmen oft üblich ist. Im Kanton Solothurn wurden Sendungen an hiesigen Feiertagen vollständig oder zumindest eingeschränkt verteilt. Also neben Fronleichnam, gefeiert am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, auch an Mariä Himmelfahrt am 15. August sowie an Allerheiligen am 1. November.

Ein weiterer Leistungsabbau?

Der Abbau bei der Zustellung kommt überraschend. Umso mehr, weil die Post ihre Dienstleistung bislang mit dem Ziel begründete, «das Leistungsangebot zu garantieren». Noch 2011 hiess es nach einer Anfrage im Freiburger Kantonsparlament: Man müsse berücksichtigen, dass an einem kantonalen Feiertag ausserhalb des Kantons trotzdem Sendungen für Empfänger im betroffenen Gebiet aufgegeben werden. Arbeite die Post nicht, verdopple sich die Briefmenge am Folgetag nahezu.

Die Schweizerische Post begründet die Kurskorrektur mit konzernweiten Plänen. «Der Wunsch nach einer Vereinheitlichung der Zustellpraxis bestand schon länger», sagt Sprecher Oliver Flüeler auf Anfrage. Als Leistungsabbau oder gar als Sparmassnahme dürfe man das Ganze nicht verstehen.

Zwar mag die Post nicht beziffern, wie sich ihre «Vereinheitlichung» finanziell auswirkt. Doch Flüeler betont, dass man deswegen kaum je Reklamationen erhalten habe. Das Gegenteil sei der Fall: «Manche Kunden bedauerten, dass die Briefträger auch am Feiertag arbeiten mussten. Andere fühlten sich gestört, wenn die Post auch an diesem arbeitsfreien Ruhetag kam.»

Anderswo wird ausgebaut

Wie viel Service public braucht es an kantonalen Feiertagen? Der Zufall will es, dass sich diese Frage derzeit auch in einem anderen Bereich stellt. Allerdings mit dem gegenteiligen Fazit: Der Solothurner Regierungsrat will, dass Busse von regionalen Verkehrsunternehmen künftig an kantonalen Feiertagen nach Werktagsfahrplan verkehren.

Heute sorgt der ausgedünnte Sonntagsfahrplan an Fronleichnam oder Allerheiligen für Frust bei Pendlern, die in die nichtkatholische Nachbarschaft reisen. Die Änderung muss Ende dieses Monats noch vom Kantonsrat abgesegnet werden.

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