Jugendanwaltschaft

Pornografie: Im Kanton Solothurn haben sich Verfahren gegen Jugendliche im 2019 fast verdoppelt

Die Leitende Solothurner Jugendanwältin, Barbara Altermatt, stellt den Geschäftsbericht 2019 vor.

Die Leitende Solothurner Jugendanwältin, Barbara Altermatt, stellt den Geschäftsbericht 2019 vor.

Der Geschäftsbericht der Solothurner Jugendanwaltschaft berichtet grob zusammengefasst von zwei Schwerpunkten: Von einerseits einer steigenden Anzahl Fällen — und andererseits immer komplexeren Verfahren. Ein Beispiel: Untersuchungen wegen pornografischen Videos, die über soziale Medien verbreitet werden.

Das Internet öffnet neue Türen  – auch für Kriminelle. Erpressen oder betrügen geht auch über das weltweite Netz. Bei der Solothurner Staatsanwaltschaft ist «Cybercrime» ein Begriff – die neuen Stellen, die der Kantonsrat jüngst gut sprach, sollen unter anderem auch in diesem Bereich eingesetzt werden. Aber auch bei der Jugendanwaltschaft, die sich mit Straftätern zwischen 10 und 18 Jahren beschäftigt, ist das Internet Thema.

Hier geht es vor allem um Social Media und um Ware – in der Schweiz illegal – die via Internet bestellt werden kann. Das zeigt der Geschäftsbericht 2019, vorgestellt von der Leiterin der Jugendanwaltschaft, Barbara Altermatt.

Konkret: Schuldsprüche im Bereich Pornografie haben sich im Vergleich zu Vorjahren fast verdoppelt. 2019 kam es zu 32 Verurteilungen; 2018 waren es noch 9. In den Vorjahren gab es in diesem Bereich nie mehr als 16 Schuldsprüche. In den meisten Fällen, so steht es im Geschäftsbericht, gehe es um «Filme mit Kinder- und Tierpornografie», welche Jugendliche über Social Media erhielten und auf diesem Wege auch weiterleiteten.

Digitale Beweismittel – aber auch aufwendige Verfahren

Altermatt erklärt dieses Phänomen so: «Jugendliche sind nicht heiliger als Erwachsene – auf Smartphones und Co. aber oft fitter als ihre Eltern.» Mit den Geräten habe man Zugriff auf vieles, das für Jugendliche zwischen den Bereichen «lustig» und «beängstigend» liege; und auch deshalb für diese reizvoll sei. Wie andere Dinge, die verboten sind, werden die Filmchen dann mit anderen geteilt.

Wie gehen die Behörden – bestehend aus Altermatt, zwei weiteren Jugendanwälten, drei Sozialarbeitenden und vier Kanzlei-Mitarbeiterinnen; ohne zusätzliche Ressourcen für Cybercrime damit um? Laut der Leitenden Jugendanwältin ist es hilfreich, wenn man sich selbst mit den technischen Möglichkeiten auskenne. Dann sei das Ganze «Fluch und Segen» zugleich: So würden Chatprotokolle etwa als Beweisgrundlage dienen. Gleichzeitig gebe es teils ganze Datensammlungen auszuwerten, ohne Garantie auf Erfolg.

Altermatt fügt zudem an, dass – wie bei allen straffällig gewordener Jugendlichen – gelte: «Man darf auch fragen.» Das betreffe auch Eltern. Denn im Gespräch erfahre man oft, was es sonst noch so für Plattformen gibt, wo sich ein Jugendlicher rumtreibt im Netz, wie er die Medien nutzt. Zum Teil hätten Eltern «keinen blassen Schimmer» darüber. «Im Gespräch stelle ich teils fest, dass ich die einzige Erwachsene bin, mit der sich die Jugendlichen darüber austauschen», so Altermatt.

Mehr Verfahren – komplexere Coaching-Arbeit

Überhaupt stellt die Jugendanwaltschaft fest: Vermehrt bewegt sich die Klientel nicht nur am Rande der Gesellschaft, sondern sogar ausserhalb davon. Im Geschäftsbericht 2019 ist von «sozial und emotional verwahrlosten» Personen die Rede. Laut Altermatt etwa Jugendliche, die nur noch ab und zu im Elternhaus auftauchen – oder einbrechen, weil sie schon lange keinen Schlüssel mehr haben.

Vermehrt gibt es auch Jugendliche, die gleich eine Serie von Straftaten begehen. Auch das macht die Strafverfolgung auf der einen Seite, aber auch die Begleitung der Jugendlichen  – für welche die Jugendanwaltschaft ebenfalls zuständig ist – immer komplexer.

Die Behörden haben das Ziel, dass am Ende eines Verfahrens 85 Prozent der Klientel über eine Tagesstruktur verfügt. 2019 wurde dies wie schon im Vorjahr knapp nicht erreicht. Laut Altermatt braucht es ab und zu eine Menge Vorarbeit, bis man über berufliche Integration, also etwa Bewerbungen, reden kann – weil man zuerst am Thema Pünktlichkeit, oder allgemeinen Höflichkeitsregeln arbeiten muss.

Kommt dazu: 2019 ist die Anzahl eingehender Fälle – im Gegensatz zu den Vorjahren – angestiegen. Vor allem im letzten Quartal. Das führt dazu, dass es auch mehr Pendenzen gibt. So waren 2019 Ende Jahr noch 123 Fälle hängig, im Vorjahre waren es noch 98 gewesen. Man geht zudem davon aus, dass auch in den nächsten Jahren mehr Strafverfahren zu führen gibt – «nicht zuletzt aufgrund der nun folgenden, geburtenstärkeren Jahrgänge.» Zwar konnten 2019 noch 96 Prozent der Verfahren innerhalb 6 Monaten abgeschlossen werden – «wir sind aber nicht sicher, ob wir diese Quote halten können», so Altermatt.

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