Einsatz
Polizistin und ihr Hund «gehen füreinander durchs Feuer»

Im Alltag jagen Flavia Bläsi und Benjo Einbrecher. Jetzt nehmen sie als eines von zwei Solothurner Teams an der Schweizer Meisterschaft der Polizeihunde in Lüterkofen teil.

Lucien Fluri
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Flavia Bläsi mit Benjo. Der sechsjährige belgische Schäferhund ist nicht nur Polizei-, sondern auch Familienhund.

Flavia Bläsi mit Benjo. Der sechsjährige belgische Schäferhund ist nicht nur Polizei-, sondern auch Familienhund.

Thomas Ulrich

Benjo wirkt wie ein normaler, halt gerade etwas fauler Hund. Er liegt ganz gemütlich unter einem Schreibtisch im Regionenposten Grenchen der Kantonspolizei. «Er chillt», lacht Flavia Bläsi. Die 29-jährige Polizistin ist Chefin und Partnerin von Benjo.

Doch der Eindruck täuscht. Benjo mag Arbeit. Als Polizeihund spürt er Einbrechern und Vermissten nach oder bewacht Politiker. Als kürzlich der Gesamtbundesrat in Solothurn tagte, stand Flavia Bläsi mit dem sechs Jahre alten Rüden vor dem Haus, in dem die Landesregierung sass. Hätte jemand plötzlich ins Gebäude reingehen wollen, wäre Benjo losgesprungen. «Ich alleine kann mit ihm eine Fassade abdecken. Er ist wahnsinnig schnell», sagt Bläsi.

Polizistin Flavia Bläsi und Benjo stehen Wache

Polizistin Flavia Bläsi und Benjo stehen Wache

Christof Gerber

Was er kann, wird der belgische Schäferhund in den kommenden Tagen beweisen können. Als eines von zwei Solothurner Teams haben sich Bläsi und Benjo für die Schweizer Polizeihunde-Meisterschaften qualifiziert, die ab morgen Mittwoch in Lüterkofen stattfinden. 45 Teams aus der ganzen Schweiz nehmen teil.

Viel Arbeit in der Freizeit

«Ich habe relativ früh gewusst, dass ich zur Polizei will», sagt Flavia Bläsi im Grenchner Kapo-Posten, wo die aufgestellte Polizistin in der Regel Dienst leistet.

Benjo ist der erste Hund, den die 29-jährige Bellacherin selbst ausgebildet hat. Vier Jahre ist er inzwischen ein einsatzfähiger Diensthund. Er ist immer dabei, wenn Flavia Bläsi zur Arbeit geht. Ist sie auf dem Posten stationiert, wartet er unter dem Tisch. Bei Patrouillenfahrten ist er im Polizei-BMW hinten drin in einer Box.

Wettkampf

45 Polizeihundeteams aus der ganzen Schweiz reisen diese Woche in den Kanton zur Schweizer Polizeihunde-Meisterschaft. Die Kantonspolizei Solothurn organisiert den alle fünf Jahre stattfindenden Anlass. Er findet von morgen Mittwoch bis zum Freitag in Lüterkofen statt.

Seit sie mit 16 ihren ersten Hund bekam, kann sie sich ein Leben ohne Vierbeiner nicht mehr vorstellen. Das führte sie nach der Fachmittelschule und einem Zwischenstopp als Hundeführerin im Militär in die Polizeischule. «Ich kann mir keinen besseren Job vorstellen», sagt Bläsi.

Ihr Alltag ist nicht viel anders als derjenige anderer Polizisten. Ausnahme sind die Einsätze mit Benjo: Das Team wird gerufen – oder bietet sich den Kollegen selbst an, wenn Bedarf besteht, etwa wenn nach einem Einbruch ein Gebäude durchsucht werden soll oder wenn die Fährte von Tätern aufgenommen werden soll.

14 Hundeführer gibt es bei der Kapo. Sie stellen einen Pikettdienst für Einsätze, bei denen Hunde benötigt werden, sicher und sie treffen sich zwei Halbtage pro Monat zum gemeinsamen Training. Den grössten Teil der Hundeausbildung leisten die Polizisten jedoch in ihrer Freizeit. Jährlich müssen die Hunde eine Prüfung ablegen, um im Dienst bleiben zu können.

In den kommenden Tagen nun werden Benjo und Flavia Bläsi an den Schweizer Meisterschaften ihre Fähigkeiten in verschiedenen Disziplinen zeigen müssen. Benjo wird Gegenstände auf einem Gelände finden müssen, er wird Gebäude nach versteckter Täterschaft durchsuchen, er wird zubeissen müssen, um zu zeigen, dass er jemanden schützen kann und er wird ein Schema in der Unterordnung laufen müssen. «Alles, was Action ist, machen wir gerne», sagt Bläsi. Zwei- bis dreimal pro Woche trainieren sie in der Regel.

Seit die Bellacherin weiss, dass sie an die Schweizer Meisterschaften gehen kann, hat sie die Trainingssequenz gesteigert. Fünf bis sechs mal pro Woche sind es nun. «Es sind kleine Sequenzen im Alltag. Das geht jeweils nicht stundenlang», beruhigt sie. Bläsi ist überzeugt: «Benjo kann es grundsätzlich. Der grösste Test bin ich. Wenn er merkt, dass ich nervös bin, hat das einen Einfluss.»

Angst beim Einsatz kennt er nicht

Ob Benjo an den Schweizer Polizeihunde-Meisterschaften Erfolg hat, wird sich zeigen. Im Alltag hat er schon bewiesen, was er kann: Zweimal hat er bereits Erfolg gehabt, als er nach Gegenständen von Einbrechern suchen musste. Bläsi und Benjo sind ein eingespieltes Team. Nicht nur die Arbeit verbindet sie: Wer einen Polizeihund hat, verbringt mit ihm auch die Freizeit. Ob beim Joggen oder beim Velofahren, Benjo ist meist dabei. «Er nimmt einen grossen Teil meiner Freizeit in Anspruch», sagt sie.

Nachts, bei Einsätzen, muss Bläsi manchmal mit Benjo durch Gebäude laufen und abklären, ob noch ein Täter im Haus ist. «Im Ernsteinsatz ist man angespannter als im Training, das merkt auch Benjo», sagt sie. Angst habe sie bei ihrem Hund aber nie festgestellt. Es tue beiden jeweils gut, «zu wissen, dass wir beide füreinander durchs Feuer gehen.»

Trotz der Disziplin, die Benjo an den Tag legen kann, betont Bläsi: «Er ist ein ganz normaler Familienhund.» Benjo lebt mit Gänsen, zwei Katzen und einem zweiten Hund zusammen. Und Kinder mag er auch. Der belgische Schäferhund hat nur einen etwas aussergewöhnlicheren Job als andere Hunde.

Impressionen von der Prüfung der Solothurner Polizeihunde im Jahr 2012 im Raum Härkingen, Neuendorf, Boningen und Kappel
9 Bilder
Der Diensthund wird im Wald für seine Aufgabe losgeschickt.
«Irko» von Anton Walter ist voll motiviert.
Wenn «Irko» sucht, schauen die Richter genau hin
«Yasco» von Susanne Lack sucht ein Feldstück ab.
Hundeprüfung
Der Diensthund hält den Bösewicht fest.
Und hindert ihn daran, abzuhauen
Tobias Kiefer und sein Hund «Quintus» haben gegenseitiges Vertrauen.

Impressionen von der Prüfung der Solothurner Polizeihunde im Jahr 2012 im Raum Härkingen, Neuendorf, Boningen und Kappel

Hansruedi Aeschbacher