Warum klärt Ihr nur so wenige Einbrüche auf? Das schien sich SVP-Kantonsrat Tobias Fischer (Hägendorf) gefragt zu haben, als er im Frühling in den Medien lesen konnte, dass die Solothurner Kantonspolizei zwischen 2009 und 2015 gerade einmal 8,4 Prozent der Einbrüche aufklären konnte. Das ist im schweizweiten Vergleich (12,7 Prozent) sehr tief.

Warum gebt Ihr uns nicht mehr Personal? Das scheint die Antwort zu sein, die die Kantonspolizei gestern in einer Stellungnahme auf die Nachfrage von Politiker Fischer gegeben hat. «Mit einer unterdurchschnittlichen Polizeidichte kann gerade Delikten, in welchen Kriminaltouristen tätig sind, infolge des fehlenden personellen Handlungsspielraums oftmals nicht im gewünschten Mass nachgegangen werden», hält die Polizei fest. Solothurn liegt schweizweit an 17. Stelle bei der Polizeidichte: Auf 595 Einwohner kommt ein Polizist.

Gleichzeitig gibt es vergleichsweise hohe 53 Straftaten auf 1000 Einwohner. Im Halbkanton Baselland sind es 570 Einwohner auf einen Polizist – bei lediglich 43 Straftaten auf 1000 Einwohner. Mit «zusätzlichen Ressourcen», so die Solothurner Polizei, könnte die Kontrolldichte auf den Strassen erhöht werden. Hilfreich wäre auch, so die Kantonspolizei, ein automatisierter Austausch von DNA-Profilen mit dem Ausland.

Grosse Ermittlungsverfahren

Tatsache ist allerdings – trotz dem Ruf nach mehr Ressourcen: 2016 ist die Solothurner Aufklärungsquote trotz in etwa gleichbleibendem Personalbestand klar gestiegen (14,4 %) und liegt damit im Schweizer Schnitt für 2016. Kapo-Kommandant Thomas Zuber erklärte dies kürzlich auch damit, dass die Zahl der Einbrüche im vergangenen Jahr gesunken ist. Dann erhöht sich die Aufklärungsquote in der Regel. Zudem setzte die Polizei bewusst mehr Ressourcen in diesem Bereich ein.

Als Grund, warum die Aufklärungsquote im Kanton tiefer ist als anderswo, nennt die Polizei auch die geographische Lage: Der Kanton grenzt an Frankreich und verfügt über sehr gute Verkehrsverbindungen – gerade in der Nähe von Autobahnausfahrten sind die Einbruchsquoten in der Regel höher. Die Täter sind mobil und international.

Als weiteren Grund erwähnt die Polizei, dass die Kriminal-Abteilung in den vergangenen Jahren «diverse sehr grosse Ermittlungsverfahren», etwa Tötungsdelikte oder Menschenhandel, zu führen hatte. «Diese schwersten Kriminalitätsformen müssen bei der notwendigen Prioritätensetzung mit einem gewissen Vorrang bearbeitet werden, so dass die Korpsangehörigen nicht zur Aufklärung anderer Delikte eingesetzt werden können.»
Kantonsrat Tobias Fischer wollte von der Polizei auch wissen, ob denn die Kriminaltechniker genügend oft zum Spurensichern aufgeboten werden und ob dies nicht flächendeckend geschehen solle.

2016 sei man bei 637 der 1205 Einbruchdiebstähle ausgerückt (52,9 Prozent), hält die Polizei fest. Bei Wohnliegenschaften werde der Dienst in der Regel aufgeboten. Auf Kriminaltechniker werde aber verzichtet, wenn keine Spuren mehr erkennbar sind. Würden die Kriminaltechniker konsequent aufgeboten, würde dies jährlich rund eine halbe Million Franken mehr kosten. Die Polizei hegt Zweifel, dass der Nutzen gross wäre.

Die Polizei gibt der Politik noch weitere Hinweise, wo diese aktiv werden könnte, um Einbrüche zu verhindern. Wenn der Einbruchschutz an Häusern steuerlich abzugsfähig wäre, so würde dies gewiss nicht schaden, hält die Polizei fest.