Wochenkommentar
Politisches Schattenboxen ist schlecht fürs HESO-Klima

Die Welt sorgt sich um den grausamen Dschihadisten-Terror und die beängstigende Zunahme der Ebola-Infizierten, die Schweiz nervt sich ob der ständig steigenden Krankenkassenprämien, Solothurn feiert HESO. Weshalb auch nicht.

Theodor Eckert
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HESO 2014

HESO 2014

Hanspeter Bärtschi

Auffällig: Der beliebte Herbstanlass dauert offiziell zehn Tage. Inklusive Vorfreude sind es aber einige Wochen. Wenn nämlich im Anschluss an die Sommerferien die ersten Lastwagen mit Zeltmaterial vorfahren und die nackten Gerüste von Tag zu Tag mehr unter den weissen Blachen verschwinden, dann regen sich bei den meisten Solothurnern unweigerlich die ersten HESO-Gefühle. Wobei, es soll sie geben, die Verweigerer. Solche, die mit Verkaufsmessen dieser Art wenig bis nichts anfangen können. Kinder und Jugendliche gehören bestimmt nicht dazu. Und wer an Nachmittagen unter der Woche durch die Hallen flaniert, sieht nicht zuletzt auffällig viele Besucher im Pensionsalter. Bekanntlich ein durchaus kaufkräftiges Publikum. Wo verstecken sie sich denn, die Messe-Abstinenten? Nicht wissenschaftlich erhoben, aber aufmerksam beobachtet: Sie sind unter den urban orientierten, in der Lebensmitte Stehenden auszumachen. Zumindest eine Handvoll ist namentlich bekannt und gibt sich jeweils im Vorfeld der HESO als solche zu erkennen. Das Besucherpotenzial der Organisatoren ist somit noch nicht gänzlich ausgeschöpft.

Gut möglich, dass den Verweigerern bisher der Reiz dieses Solothurner Grossanlasses ganz einfach entgangen ist. Wer Lebensfreude sucht, der findet sie bei jedem Richtungswechsel im Labyrinth der rund 250 Aussteller: Hier locken leckere Süssigkeiten, dort verführt ein weiches Federbett. Oder wie wärs mit einem eigenen Schwimmbad? Wer betrübt feststellt, dass ihm der nötige Platz und das Kleingeld fehlen, wird seine Gemütslage bestimmt an einem der unzähligen Weinstände positiv beeinflussen können.

Eingefleischte Hesophile wissen gerade diese Vielfalt auf kleinem Raum zu schätzen. Wer hingeht, sieht sich, trifft sich, und dies mit Sicherheit eher früher als später. Ein überschaubares, vertrautes Biotop aus Produkten, Dienstleistungen und Informationen – dies alles handfest, riechbar, fernab von seelenlosen, virtuellen Scheinwelten.

Der Erfolg der Messe liegt nicht im unbegrenzten Wachstum – eine der Stärken dieser Ausstellung ist vielmehr die Qualität, sowohl im Kernbereich als auch bezüglich der Rahmenveranstaltungen. Anstecken von der Hesophorie liess sich zu Wochenbeginn gar Bernhard Heusler, Präsident des FC Basel. Am Stand seines Klubs zeigt er sich sowohl von der Messe als auch der Begeisterungsfähigkeit der Solothurner beeindruckt. So jedenfalls seine spontane Reaktion, es dürften demnach mehr als bloss freundliche Worte gewesen sein.

Eines zeigt sich immer wieder: Lieblos hingeschmissene Gewerbemessen wirken schnell einmal miefig. Im vorliegenden Fall gelingt es regelmässig, trotz provisorischen Bauten eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Der jährlich wiederkehrende Treffpunkt hat denn auch unter der neuen Führung nichts von seiner Attraktivität eingebüsst. Gespräche mit diversen Ausstellern bestätigen den subjektiven Eindruck, dass die Austragung 2014 wiederum geglückt ist.

Weniger geglückt, weil Fallstricke lauern, ist der Versuch des forschen OK-Chefs, der Politik im Rahmen der HESO eine prominentere Plattform zu bieten. So lobte er in seiner Eröffnungsrede die aussterbende Gattung Patron, zeigte sich kritisch gegenüber der Managerkaste und forderte Unternehmer auf, sich in der Politik zu engagieren. Immerhin liess er offen, in welchen Parteien sie dies gefälligst tun sollen. Nichts gegen den missionarischen Appell des Lokalpolitikers, doch nicht alle Patrons haben Vorzeigecharakter, nicht alle Manager haben lediglich das Eigenwohl im Auge, und wer verabschiedet sich denn zunehmend aus der Politik? Es sind doch gerade die erfolgreichen Unternehmer. Da wurde ein breites Spannungsfeld lediglich plakativ angetippt, mehr nicht. Dass ein prosperierendes Unternehmen zudem auf motivierte Angestellte angewiesen ist, wäre in diesem Zusammenhang durchaus erwähnenswert gewesen. Ohne sie würde auch an den HESO-Ständen nichts laufen. Die Geister, die der OK-Chef rief, verflüchtigten sich in der Folge nicht: So wurde Unentschlossenen an einem Rahmenanlass auch gleich die Abstimmungsempfehlung für den morgigen Sonntag mitgegeben. Wir meinen: HESO bleib bei deinem Leisten.

@theodor.eckert@azmedien.ch