Dürfen gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren? Diese Frage wurde in mehreren Schülergrüppchen an der Kantonsschule Solothurn heftig diskutiert. Dies, nachdem sie am Freitag an einer der drei Podiumsdiskussionen zu den Kantonsratswahlen teilgenommen haben.

Politiker aus allen politischen Lagern stellten sich jeweils während 45 Minuten zur Verfügung, vor den oberen Klassen zu debattieren und sich mit Fragen löchern zu lassen. Moderiert wurde das Geschehen von Lucien Fluri, Kantonsredaktor dieser Zeitung.

Im Hinblick auf die kommenden Wahlen erachtet der Schüler Jan Christen das Podium als sinnvollen Anlass. Es sei gut, die verschiedenen Parteien und deren Wahlprogramm näher kennenzulernen. «Ich interessiere mich schon seit längerer Zeit für die Politik, war aber diesbezüglich früher eher ein Einzelgänger.»

Sein Mitschüler Simon Bader hörte vor allem genauer hin, was die Jungparteien während dem Podium zu sagen hatten, und was die einzelnen Kandidaten für Ansichten haben. «Es war aufschlussreich zu sehen, dass es auch Kantonsratskandidaten wie Stephanie Ritschard gibt, die nicht komplett die gleiche Meinung wie ihre Partei vertreten», sagte Bader. Denn Ritschard habe sich während dem Podium nicht gänzlich gegen die Migration von Flüchtlingen ausgesprochen. Aber keiner der Politiker konnte mit ihren Statements die beiden Schüler überzeugen.

Kritik von den Jungen

Der 18-jährige Jonas Vogt ist fest entschlossen, an den kommenden Wahlen an die Urne zu gehen. Das Problem ist nur: «Ich konnte bis jetzt noch nicht die richtige Partei für mich finden.» Und auch das Podium konnte dem Schüler nicht weiterhelfen.

Draussen im Foyer ging das Buhlen weiter. Die Parteienvertreter versuchten auch nach den Podiumsdiskussionen, die Schüler von sich zu überzeugen, und statteten diese mit reichlich Infomaterial und Give–Aways aus.

Besonders der Stand der SVP war gut besucht. Einigen Schülern ging es dabei aber nicht nur um die Informationsbeschaffung. Sie nutzten die Gelegenheit, um bei der SVP ihre Kritik anzubringen.

Auf die Frage, was spannend an diesen Podien gewesen ist, gaben die Schüler fast immer die gleiche Antwort: «Es ist interessant, die verschiedenen Meinungen der Politiker zu hören und die Gegensätze von linken und rechten Parteien zu sehen.» Dieser Ansicht war auch Julia Müller. Sie begrüsste vor allem die Nähe zu den Politikern. «In den Wahlprospekten ist der Inhalt verschönert dargestellt. Während der Podiumsdiskussion konnte ich eindeutiger sehen, wie die Politiker zu den verschiedenen Themen stehen», sagte die 18-Jährige. Und jetzt, da sie volljährig ist, befasse sie sich auch mit den Wahlen.

Schliesslich wolle sie abstimmen gehen. Selbst einmal in der Politik aktiv zu werden, komme aber für die Gymnasiastin künftig nicht infrage. Die 17-jährige Michelle Marti könnte sich ein politisches Engagement durchaus vorstellen. «Ich finde es wichtig, dass man die Jungen in der Politik fördert, denn unsere Generation wird das Ganze in Zukunft weiterführen müssen.»

Engagement wird belächelt

Wovon Michelle Marti zurzeit noch in der Theorie spricht, das hat Olivier Zahler bereits in die Praxis umgesetzt. Denn er befasst sich schon seit längerem mit Politik und hat sogar mit ein paar Mitschülern die Partei für Schweizer Bildung (PSB) ins Leben gerufen. «Die Idee, eine Partei zu gründen, ist aus einem Scherz entstanden», sagt Zahler «und sie wurde auch ein wenig belächelt.»

Mittlerweile hätten sie aber bereits 20 Mitglieder aus verschiedenen Klassen. Am 15. März wird die Schülerpartei ein Jahr alt, sie soll dann auch ihre eigenen Statuten erhalten und rechtskräftig werden. Der Jungpolitiker Lukas Zumbrunn (Juso) – der zu den Debattierenden gehörte – besuchte vor einem Jahr selbst noch die Kanti und kennt die Situation des Belächelt-Werdens wenn man noch so jung ist. Seit er aber Co-Präsident der Juso ist, sei das nicht mehr der Fall.

Doch nicht alle Schüler sind politisch so versiert. Für Lia Schnider war es zum Beispiel das erste Mal, dass sie aktiv mit Politik in Berührung gekommen ist. «Mein Interesse kommt sicher noch, wenn ich älter werde». Und mit dieser Ansicht steht sie wohl nicht ganz alleine da.