Coronavirus
«Plötzlich hatte ich keine Hobbys mehr»: Wie eine Erlinsbacherin die Zeit ohne Vereinsaktivitäten erlebt

Für Vereinsmenschen wie Stephanie Bernet aus Erlinsbach sind alle Vereinsaktivitäten zum zweiten Mal in diesem Jahr gestrichen.

Olivia Folly
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Stephanie Bernet hat nun Zeit für Anderes, etwa ausgedehnte Spaziergänge.

Stephanie Bernet hat nun Zeit für Anderes, etwa ausgedehnte Spaziergänge.

Bruno Kissling

Stephanie Bernet ist ein Vereinsmensch mit Leib und Seele. Jeden Montagabend steht die Präsidentin des Damenturnvereins Erlinsbach SO mit ihren Turnerinnen in der Turnhalle. Seit vergangenem Sommer allerdings mit Abstand, Maske und Desinfektionsmittel. Und die Turnerinnen trainierten einzeln anstatt in der Gruppe. «Es war nicht mehr dasselbe, aber ich bin trotzdem gerne hingegangen. Auch wenn das Einlaufen mit der Maske nicht ganz ohne war. Immerhin konnten wir trainieren», sagt Stephanie Bernet.

Nun ist damit wieder Schluss. Seit den verschärften Massnahmen des Kantons Solothurn und des Bundes von Mitte Dezember sind die Turnhallen in Erlinsbach geschlossen – so wie das bereits im Frühling während des Lockdowns der Fall war.

Die Flaute schafft auch Platz für Neues

«Mir fehlt es, zu turnen und die Leute zu treffen. In einem Verein wächst man zusammen, hat ein gemeinsames Ziel», sagt Stephanie Bernet. Ebenso ergeht es ihr mit ihren anderen Hobbys. Mit dem Musizieren bei den Vereinigten Harmonika-Spielern Küttigen-Erlinsbach oder mit ihrer Passion für die Speuzer Fasnacht. Seit über zehn Jahren ist sie Mitglied des Fasnachtskomitees, seit einem Jahr dessen Präsidentin. Die Fasnacht vom nächsten Februar in Erlinsbach hat das Komitee schweren Herzens abgesagt. «Das ist uns alles andere als leichtgefallen. Aber wir hatten keine Planungssicherheit. Nun investieren wir unsere Zeit in die Fasnacht 2022», sagt Stephanie Bernet.

Die Fasnächtlerinnen des Komitees treffen sich derzeit allerdings nur virtuell per Skype-Meeting im Internet oder halten schriftlich Kontakt. «Wir sind sicherlich nicht gleich kreativ, wie wenn wir uns treffen und gemeinsam Ideen austüfteln können. Aber im Moment ist das halt so.»

Ihre Saisonkarte für den SC Bern hat Stephanie Bernet als leidenschaftlicher Eishockey-Fan in diesem Jahr kaum gebraucht. All ihre geliebten Hobbys musste sie auf Eis legen. Die Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Rechtswissenschaft und Rechtspraxis der Universität St.Gallen ist manchmal genervt ab der ganzen Situation, dennoch sieht sie auch Positives: «Meine Abende sind sonst immer ausgefüllt. Eine solche Ausnahmesituation schafft auch Platz für anderes.»

Zum Joggen zum Beispiel, zum Kochen, zum Lesen oder für das 3000er-Puzzle, das unfertig auf ihrem Tisch liegt. Und es ist ja auch nicht so, dass es Stephanie Bernet langweilig würde. Die Juristin hat, neben ihrer Tätigkeit an der Uni St.Gallen, 2019 ihr Anwaltspatent gemacht und vergangenen Mai ihre Doktorarbeit abgegeben. Nächsten Februar promoviert sie.

Stellt sich die Frage, wie sie bei alldem überhaupt Zeit findet für ihre Hobbys. «Die Arbeit kam immer an erster Stelle, die Vereine an zweiter. Danach alles andere. Das ist auch ein Grund, weshalb ich etwas länger brauchte, um meine Doktorarbeit fertig zu schreiben», sagt die 34-Jährige und schmunzelt. Dass sie seit acht Jahren an ihren Arbeitsort nach St.Gallen pendelt und alleine für den Hinweg eine zweieinhalbstündige Bus- und Zugfahrt auf sich nimmt, hat ebenfalls mit ihren Hobbys zu tun.

«Ich hatte mir einmal kurz überlegt, nach St.Gallen zu ziehen, aber dann hätte ich meine Vereinsaktivitäten aufgeben müssen und das kam für mich nicht in Frage», sagt Stephanie Bernet. In Erlinsbach ist ihr Herz, ihre Familie. Hier sind ihre Vereine und ihre Freunde. In ein paar Wochen zieht ihr Freund aus dem Zürcher Oberland zu ihr.

Kommt nichts dazwischen, bleibt Stephanie Bernet ihren Vereinen weiterhin treu. Sie hofft, dass sie nach den Sportferien mit dem Damenturnverein in die Turnhalle zurückkehren kann, um weiter zu trainieren – für das Kantonalturnfest St.Gallen in Benken, welches nächsten Sommer stattfinden soll.

Die Erlinsbacherin wünscht sich, dass bald etwas Normalität ins Vereinsleben zurückkehrt. «Ich halte mich an der Hoffnung fest. An ein anderes Szenario mag ich im Moment gar nicht denken.»