Wahlen 2013

Pleiten, Pech und Risiko in den Slogans der Regierungsratskandidaten

Pech mit dem Slogan, Glück in der Wahl? Wir haben die Slogans der neun Regierungsratskandidaten genau unter die Lupe genommen. Was teilweise ganz fehlt, sind die zündenden Slogans.

«Zwöi wo's chöi» war der erste Slogan, der zu diesen Regierungsratswahlen auftauchte. Ein Super-Slogan. Kurz, prägnant, sogar mit Reim. Und doch mit einer Aussage, die für Bewerber um einen Posten in der Regierung von Bedeutung ist.

Aber Moment mal: Wer sind denn die «zwöi wo’s chöi»? Zwöi Bürschtli? Zwöi Rüebli? Zwöi Rindviecher? Oder zwöi Liebi, wie im Aargäu? – Die SP-Kandidaten Andreas Bühlmann und Peter Gomm können nicht gemeint sein: Für zwei Männer sagen Solothurner «zwee».

Um den Reim zu retten, müsste der Slogan «zwee wo’s chee» lauten. Warum nicht, denn auch das zweite Reimwort, «chöi», ist zweifelhaft. Ich zumindest sage «chöne». Und der Sprachatlas der deutschen Schweiz gibt mir recht, was die Region Olten sowie Dorneck und Thierstein betrifft. «Chöi» sagt man in Teilen von Gäu und Thal und des oberen Kantonsteils. Klar, diese Mundartgrenzen sind in den letzten Jahrzehnten in Bewegung geraten.

Vom Bernischen her breitet sich «chöi» Richtung Olten aus. Und immer öfter hört man Sprecher/-innen, die «zwee» und «zwöi» nicht mehr unterscheiden. Von «richtig» und «falsch» kann man kaum mehr reden. Aber «zwöi wo’s chöi» ist Mundart-Murks: Tönt gut, «verhebt» aber nicht. Für mich müsste es heissen «zwee wo’s chöne». Oder besser: «Zwee wo’s nid chöne.» Das Mundart-Handwerk nämlich.

Bodenständig links ...

Anfang Jahr dann der Hammer-Slogan der Grünen für Brigit Wyss: «Bio Bodenständig Blond». Man war baff. Ist das nicht bodenlos blöd? Was soll denn «blond» darüber aussagen, ob Brigit Wyss für den Regierungsrat taugt? Natürlich gar nichts, das wissen auch die Grünen. «Dieser Slogan ist mit einem Augenzwinkern zu nehmen, er ist zum Schmunzeln», sagte Wyss an ihrem Wahlkampfauftakt, und: «Ich bin gefasst auf die Frage: Spinnt die?» – nicht gerade so, aber so ähnlich reagierte «Tages-Anzeiger»-Redaktor Fabian Renz in einem Politblog vom 23. Januar.

Der Slogan weise ein «Defizit an Komik» auf, weil er keine Mehrdeutigkeit erkennen lasse. Und, ganz ohne Augenzwinkern: «Mit Fehltritten auf dem Minenfeld feministischer Selbstironie schadet sie auch ihren Geschlechtsgenossinnen. Nicht nur den blonden.»

Brigit Wyss muss hoffen, dass die Solothurner Wählerinnen leichter zum Schmunzeln zu bringen sind als der Zürcher Redaktor. Und dass ihr Slogan keinen «Shitstorm» auslöst. Denn Gefahr droht ihm auch vom andern Ende: «Bio» wurde im Dezember von einer Jury zum Unwort des Jahres 2012 gewählt.

Weil es inflationär verwendet und im Kampf um Kunden missbraucht werde, mit dem Ergebnis, «dass die Bevölkerung des Begriffes ‹Bio› überdrüssig wird und dieser seine Wirkung verliert». Ein «Unwort des Jahres», dessen die Bevölkerung überdrüssig ist, als Wahlwerbung: Das ist fast noch mutiger als «Blond». Zwar hat die grüne Kandidatin noch zwei andere Slogans auf Lager – aber die sind zu lang, um im Gedächtnis zu haften.

... bodenständig rechts

Beispielhaft kurz wirbt Albert Studer: «Ein Mann, ein Wort». Wow. Sackstark. Eine Redewendung aus der Umgangssprache, wenn auch nicht unbedingt der Jungen. Lassen wir beiseite, dass der Spruch eine unterschwellig frauenfeindliche Tendenz hat. Der Sinn ist klar: Was dieser Kerl sagt, gilt. Das ist einer, der hält, was er verspricht. – Gerade weil er so klar ist, enthält dieser Slogan das grösste Risiko. Was, wenn der SVP-Kandidat einmal mehr als «ein Wort» braucht, um seine Position zu erklären?

Was in der Politik gelegentlich vorkommt, wenn es etwa um Asyl, um Steuern oder um die Bildung geht. Die realen Probleme lassen sich kaum je mit einem Wort erledigen. Und, noch schlimmer: Was, wenn Studer sein Wort einmal nicht halten könnte? Wenn er seine Meinung ändern müsste – was erst recht unvermeidlich ist? Dann wird man sich – und ihn – an «Ein Mann, ein Wort» erinnern. Dann wird der Slogan für den Kandidaten zum Bumerang. Viel Glück.

Brave und keine Slogans

Weniger aufregend sind die persönlichen Slogans der beiden CVP-Kandidaten. «Das richtige Augenmass für unseren Kanton» setzt Roland Fürsts Foto-Leidenschaft ins Wort, die er auch in seinen Inseraten zur Geltung bringt, und erinnert an die traditionelle CVP-Politik von «Mass und Mitte». «Politik mit gutem Ton» geht von Roland Heims musikalischen Talenten aus, enthält aber auch ein Bekenntnis zum Anstand im politischen Umgang. Beide Slogans sind zu brav, um Aufsehen zu erregen – kein Wunder, haben wir sie erst auf dem Wahlprospekt im Internet entdeckt.

Fazit: Den zündenden Slogan findet man nicht für jede Wahl. Wohl deshalb haben die Freisinnigen gleich ganz darauf verzichtet: Die Namen von Esther Gassler und Remo Ankli müssen als «Slogans» genügen. Vom Newcomer aus dem Schwarzbubenland gibts immerhin einen kleinen Scherz-Button: «JAnkli».

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