Derendingen
Planänderung bei der Emme-Renaturierung: Der Müll reist doch nicht in die Ostschweiz

Die Deponie am Schwarzweg in Derendingen wird im Rahmen der Emme-Renaturierung saniert. Dabei kamen überraschend ganze Kehrichtsäcke und Plastikflaschen zum Vorschein. Das führt zu einer Planänderung: Nun soll nicht der ganze Dreck in der Ostschweiz entsorgt, sondern teilweise auch in der Zuchwiler Kebag verbrannt werden.

Noëlle Karpf
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Emme-Renaturierung am Schwarzweg in Derendingen
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Gabriel Zenklusen führt über die Baustelle in Derendingen.
Die Deponie am Schwarzweg in Derendingen ist eine der drei entlang der Emme, die im Rahmen des Renaturierungsprojektes für mehr Hochwasserschutz saniert werden. Bis Ende Jahr wird die gesamte Deponie ausgehoben, damit später eine Überflutungsfläche mit Auenlandschaft entstehen kann. Dabei kommen rund 80'000 Tonnen Abfall zusammen.
Die einzelnen leichten Abfallteile werden in der Zuchwiler Kebag verbrannt.
In diesem Bereich der Deponie liegt noch brennbarer Abfall aus den Jahren 1930–1980.

Emme-Renaturierung am Schwarzweg in Derendingen

Thomas Ulrich

Die Müllsäcke in das Auto laden. Mit dem Auto zu einem Loch fahren. Einfach alles hineinschmeissen. Vor gut fünfzig Jahren wurde so noch Abfall entsorgt. Auch in Derendingen am Schwarzweg, bei der Emme, wurde Abfall einfach in die offene Erde geworfen. Der Müll aus dieser Zeit kommt nun wieder zum Vorschein: Derzeit wird die Deponie am Schwarzweg saniert. Entstehen soll eine Überflutungsfläche für den Fall, dass die Emme Hochwasser führt (siehe Box unten). Seit diesem Frühling heben Bagger die Erde aus und kippen sie auf Lastwagen. So kam zum Vorschein, was Derendinger von zirka 1930 bis 1980 in die Deponie geworfen haben. Das seien schon fast Zeitdokumente, sagt Gabriel Zenklusen, Leiter der kantonalen Abteilung für Wasserbau, auf einem Rundgang über die Baustelle.

Abfall zu leicht für Zugfahrt

Autoreifen, Handy-Spülmittelflaschen und Schuhsohlen. Auch einzelne Kehrichtsäcke ragen aus den Erdhaufen auf der Baustelle. Ursprünglich sollten diese Müllüberreste via Zug in die Ostschweiz transportiert, dort gewaschen und sortiert und dann ordnungsgemäss verwertet und entsorgt werden. Damals dachte man aber noch, dass der Anteil von brennbarem Material im Vergleich zum erdigen Aushub der Deponie gering ist. Dieser Plan hat sich nun geändert, als die Bauarbeiter in einem Teilbereich der Deponie viele Kunststoffabfälle, Holz und Steinbrocken entdeckten.

Solch getrennte, leichte Abfallteile wie Plastik oder Holz könne man nämlich wie Hauskehricht verbrennen, erklärt Zenklusen. Ohne, dass sie wie das Erdreich noch gewaschen und sortiert werden müssen. Zudem sei ein Haufen mit Flaschen oder Säcken leichter als ein Haufen erdiger Müllüberreste der gleichen Grösse. Es mache keinen Sinn, solch leichten Abfall in die Ostschweiz zu transportieren, wenn man diese Bestandteile der Deponie auch in der Region verbrennen könne. Mit so wenig Gewicht werde die Transportkapazität der Güterwagen der SBB gar nicht ausgelastet. «Wir wollen schliesslich nicht Luft quer durch die Schweiz transportieren», begründet Zenklusen.

Auf Überraschungen vorbereitet

Um die Überreste der Deponie zu verbrennen, hat die Kebag beim Kanton die Bewilligung eingeholt, ihr jährliches Verbrennungskontingent überschreiten zu dürfen. Pro Jahr verbrennt sie eigentlich nur eine bestimmte Anzahl Tonnen Kehricht. Dieses Jahr ist eine Erhöhung um 4000 Tonnen möglich. Das sollte für das verbrennbare Material der Deponie reichen. Bei der gesamten Sanierung am Schwarzweg kommen bis Ende Jahr etwa 80'000 Tonnen Deponiematerial zusammen.

Gibt es bis dahin noch weitere Überraschungen aus der Erde? Laut Zenklusen könne das bei der Sanierung einer Deponie durchaus noch vorkommen. Beispielsweise sei die Deponie in Derendingen flächenmässig etwas grösser als angenommen. Dafür aber etwas weniger tief. So gleiche sich das im geplanten Budget von 31 Millionen Franken für die Deponiesanierungen wieder aus.

Der Boden unter der damaligen Chemiesohle wird zudem noch auf chemische Schadstoffe überprüft. Im Falle eines Hochwassers läuft die Emme über die Überflutungsfläche oberhalb der ausgehobenen Deponien – und würde so Schadstoffe mitnehmen. Dementsprechend muss die ausgehobene Wanne sauber sein. Sei das nicht der Fall, müsse man noch etwas tiefer graben, erklärt Zenklusen. Solche Überraschungen habe man im Zeitplan vorgesehen. Momentan sei man auf Kurs. So sei das halt, bei einer Deponie-Sanierung, sagt Zenklusen, «man weiss bis zum Schluss nie genau, was noch alles zum Vorschein kommt».

Projekt Hochwasser- schutz Emme

Das Gebiet entlang der Emme soll besser vor Hochwasser geschützt werden. Dazu wird unter anderem Wald entlang dem Wasser gerodet und das Flussbett erweitert. Im Rahmen dieses Renaturierungs-Projektes werden auch drei Deponien entlang der Emme saniert: Die Deponie Schwarzweg in Derendingen, die Bioschlammdeponie in Biberist und die Deponie Rüti in Zuchwil. Bis Ende dieses Jahres sollen die Deponien ausgehoben werden, damit danach eine Überflutungsfläche entsteht: Führt die Emme Hochwasser, kann das Wasser auf diese Fläche fliessen, und darüber wieder zurück in den Fluss. So entsteht auf diesen Flächen eine Art Auenlandschaft. Die gesamten Arbeiten sollen 2022 abgeschlossen sein. (NKA)