Wie geplant stellte Tobias Freudiger am vergangenen Sonntag die beiden Skilifte auf dem Grenchenberg ab. Die Saison 2015/16 ist Geschichte. Der Betriebsleiter der Skilift Grenchenberg AG umschreibt sie als «sehr durchzogen». An rund 25 Tagen war Skifahren möglich.

Damit liege man unter dem langjährigen Durchschnitt. Insbesondere seien die Lifte in dieser Saison während den besten Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr nicht gelaufen. Statt weiss präsentierten sich die Pisten grün. Im Vergleich zu anderen Skiorten auf dem Jura war der Lift auf dem Grenchenberg aber bedeutend länger in Betrieb. Denn die grosse Skipiste liegt auf 1300 Meter über Meer auf einem schattigen Nordhang, wie Freudiger erklärt. Das sei ein grosser Vorteil.

1000 Meter Höhe sind kritisch

Das weiss auch Bele Schmid, Betriebsleiter der Sportanlagen Balmberg AG, wenn er sagt: «Pisten auf 1000 Metern über Meer sind kritisch, um Schneesport zu betreiben.» Die drei Lifte auf dem mit Abstand grössten Skigebiet in der Region sind denn auch nur an rund 15 Tagen gelaufen.

Im langjährigen Durchschnitt sind es laut früheren Angaben deutlich mehr. Immerhin sei das Nachtskifahren einige Male möglich gewesen. «Dieses Angebot ist jeweils sehr beliebt.» Man habe vor Jahren, so Schmid, auch schon über die Installation einer Beschneiungsanlage nachgedacht, aber das wäre viel zu teurer. Insbesondere auch deshalb, weil es auf dem Balmberg kein Wasser gebe. Zudem wäre es oft zu wenig kalt.

Auf ähnlicher Höhenlage «operiert» Peter Hammer, der in Langenbruck zwei Skilifte in Schuss hält. Die Saisonbilanz lautet bei ihm: «Schlecht bis miserabel.» Nur gerade an sieben Tagen haben die Lifte Skisportler in die Höhe transportiert. Um allein die Betriebskosten zu decken, brauche es 20 bis 25 Tage. Es habe einfach zu wenig Schnee gehabt. Zur Pistenpräparierung wären mindestens 30 Zentimeter nötig. Hammer blickt zurück und legt Zahlen auf den Tisch, welche den Klimawandel nachvollziehbar machen. Zwischen 1950 und 1990 seien die Lifte im Durchschnitt an über 60 Tagen und bis 2000 an 30 Tagen in Betrieb gewesen. «Seit der Jahrtausendwende sind es noch durchschnittlich 15 Tage.»

«Es war zwar Winter, aber doch nicht richtig. Kalt und warm, Schnee und Regen haben sich fast täglich abgelöst.» So umschreibt Jürg Lehmann, Betreiber des Skilifts auf der Schwengimatt oberhalb Balsthal, die Wetterbedingungen für den Schneesport auf den Jurahängen. Dementsprechend fällt auch seine Bilanz für die Saison 2015/16 aus: «Sie war nicht gut, aber immerhin besser als nichts.» Nur gerade an sechs Tagen war der 500 Meter lange Skilift in Betrieb. Gleich lang lief der Doppel-Skilift Hohe Winde auf Gemeindegebiet von Beinwil. «Im längerfristigen Vergleich ist das wenig, aber wir hatten auch schon Saisons, in welchen wir den Lift keinen einzigen Tag starten konnten», sagt Urs Kaufmann, Präsident der Skilift Hohe Winde AG.

Grosser Durchhaltewillen

Nicht nur der Umgang mit den schwierigen Schneeverhältnissen sind allen Skilift-Betreibern gemeinsam. Sie alle verfügen über Durchhaltewillen, viel Idealismus – und jeder gibt sich kämpferisch. Den Befragten ist klar, dass auf den Jurahöhen mit dem Betrieb von Skisportanlagen nicht das grosse Geld zu verdienen ist. «Wenn wir richtig rechnen würden, wäre der Skiliftbetrieb nie rentabel», erklärt Tobias Freudiger vom Grenchenberg. Aber eine Schliessung sei kein Thema. «Wir wollen mithelfen, die Attraktivität des Naherholungsgebietes Grenchenberg zu steigern.» Der Betrieb sei nur möglich dank Frondiensten vieler Helfer und der Unterstützung durch Gemeinden, Sponsoren und vor allem durch die Stadt Grenchen mit einer Defizitgarantie.

Auch Bele Schmid vom Balmberg ist schon «froh, wenn bei der Abrechnung eine Nullrunde resultiert». Eine Stilllegung der Lifte sei nicht geplant, insbesondere deshalb, weil keine Revisionen an den Liftanlagen und am Pistenfahrzeug anstehen. «Alles wurde im Januar vom Interkantonalen Konkordat für Seilbahnen und Skilifte geprüft.» Bis zur nächsten Kontrolle in zwei Jahren könne man alles laufen lassen, sofern es dann Schnee hat. «Wir bleiben optimistisch», so Schmid.

In Langenbruck beziffert Peter Hammer die jährlichen Fixkosten wie etwa für Versicherungen, Inspektionen oder Unterhaltsarbeiten an den beiden Liften auf rund 20 000 Franken. Die fielen auch an, wenn die Anlagen stillstehen. «Deshalb stellen wir uns regelmässig die Überlebensfrage.» Vorläufig fahre man aber weiter. «Es würde mir das Herz brechen, die Anlagen, die in sehr gutem Zustand sind, abstellen zu müssen.»

Ganze Familie hilft mit

Auf der Schwengimatt ob Balsthal ist das Skiliftgeschäft eine Familienangelegenheit. Jürg Lehmann führt mit seiner Frau Nicole Lehmann nebst Bauernhof und Restaurant die Wintersportanlage. «Alle, inklusive Kinder, helfen mit und so können wir die Fixkosten tief halten.» Für ihn ist klar, dass der Lift in Betrieb bleibt, das Bedürfnis sei da. «Sobald der Lift läuft, kommen die Sportbegeisterten in Scharen.» Auch auf der Hohen Winde ist der Betrieb des Liftes nur dank der Hilfe zahlreichen Helferinnen und Helfer möglich. «Alle arbeiten gratis», sagt Urs Kaufmann.