Solothurn
Pirmin Bischof neuer Verwaltungsratspräsident der AEK

Der Solothurner Energieversorger AEK hat einen neuen Verwaltungsratspräsidenten. Auf Ulrich Bucher folgt der Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof.

Lucien Fluri
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Neuer AEK-Verwaltungsratspräsident: Pirmin Bischof

Neuer AEK-Verwaltungsratspräsident: Pirmin Bischof

Hansjörg Sahli

Zum Abschluss gab es eine Brandrede. AEK-Verwaltungsratspräsident Ulrich Bucher wählte an seiner letzten Generalversammlung unverhohlen deutliche Worte. Die Energiewende sei so nicht zu schaffen, sagte der langjährige Zuchwiler Gemeindepräsident, der nach 20 Jahren als AEK-Verwaltungsrat demissionierte.

Als Haupthindernis geisselte er die Bürokratie. «Wir sind an der Grenze zur Planwirtschaft», sagte Bucher, der 26 unterschiedliche Energieerlasse und einen überregulierten Markt fürchtet. Besonders «angetan» haben es Bucher die in der Energiestrategie des Bundes vorgesehenen Energiedetektive. «Im Gegensatz zu den Amtsstellen war der Urner Landvogt Gessler ein Dilettant», entfuhr es Bucher.

«Brauchen keine Energiestasi»

«Eine Energiestasi brauchen wir nicht in diesem Land.» Der Regulator müsse sich auf die wesentlichen Rahmenbedingungen fokussieren, schloss Bucher die Brandrede gegen die Bürokratie. Weniger Bedenken hatte er bei der technischen Umsetzbarkeit der Energiewende und der Wirtschaft, die aus ureigenem Interesse investiere. «Die effektiv realisierten Energiesparmassnahmen haben wir der Wirtschaft zu verdanken», sagte Bucher.

Fragezeichen setzte er beim Menschen, der vor allem seine eigenen Bedürfnisse befriedigen wolle. «Sehr viel Intelligenz wird zur Umschiffung von Einschränkungen eingesetzt. Verhaltensänderungen lassen sich beim Menschen nur schwer durchsetzen.» So sei der private Mehrverbrauch im AEK-Versorgungsgebiet im letzten Jahr um etwa zwei Prozent gestiegen.

20 Jahre lang sass der SP-Mann im Gremium, acht Jahre lang als Präsident. «Unaufdringlich und damit wirkungsvoll» beschrieb Vize-Präsident Kurt Rohrbach Buchers Stil. «Ein schlauer Fuchs». Nun gibt Bucher das Verwaltungsratspräsidium an CVP-Ständerat Pirmin Bischof weiter.

Papier- und Stahlfabrik fallen weg

Erfreuliche Zahlen präsentierte AEK-Direktor Walter Wirth - nicht nur beim Reingewinn. Letzten Herbst hat die AEK die Haushaltskunden vor die Wahl gestellt, ob sie künftig grauen, blauen oder grünen Strom möchten. Das Resultat war erfreulich. 91 Prozent der Kunden haben sich für den blauen Strom entschieden. «Mit diesem Modell können wir den Anteil Strom aus Photovoltaik-, Wind und Biomasse für unsere Haushaltskunden um den Faktor 4 steigern», sagt Wirth.

Rückläufig war dagegen der Stromverbrauch der Grosskunden, was auf den Wegfall der Papierfabrik Biberist zurückzuführen ist. Und bereits bekannt ist, dass Stahl Gerlafingen den Vertrag mit der AEK 2014 auslaufen lässt und den Strom auf dem freien Mark einkaufen will.

Höhepunkte waren 2012 die Inbetriebnahme der zweitgrössten Photovoltaikanlage im Kanton auf dem Dach der Eishalle im Sportzentrum Zuchwil, wo die AEK Contracting-Partner ist - ebenso wie beim Wärmeverbund in Bellach, der grössten Holzheizzentrale des Kantons. Prestigeprojekt war 2012 die Sanierung des Kantonsratssaales.

Neu in den Verwaltungsrat gewählt haben die Aktionäre die beiden Alpiq-Männer Reinhold Frank und Martin Eschle. Sie folgen auf Kurt Baumgartner und Michel Wider, die ebenso wie Ulrich Bucher und Beat Lorétan demissioniert haben. Prominent vertreten sind Gremium auch die Bernischen Kraftwerke BKW. Deren langjähriger Chef Kurt Rohrbach nimmt dort ebenso Einsitz wie seine Nachfolgerin Suzanne Thoma. Weitere Mitglieder sind der Solothurner Stadtschreiber Hansjörg Boll sowie Alex Naef, CEO der Carrosserie Hess.