AEK-Generalversammlung
Pirmin Bischof: «Ich fühle mich nicht als Vormund der Kunden»

Der Solothurner Energiedienstleister AEK spürt, dass Exportunternehmen jeden Rappen genau kalkulieren.

Lucien Fluri
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AEK-Verwaltungsratspräsident Pirmin Bischof.

AEK-Verwaltungsratspräsident Pirmin Bischof.

Hanspeter Bärtschi

Mit grossen Schritten marschierte AEK-Verwaltungsratspräsident Pirmin Bischof am Freitag in seiner Rede an der AEK-Generalversammlung durch die Welt und damit gleichzeitig durch die Schweizer Energielandschaft. In Kuba begann er, wo er in den Ferien die Auswirkungen einer maroden Stromversorgung sah.

Ganz anders seine AEK: Elf Millionen investierte sie 2014 in die ihre Stromnetze. Klar ist für Bischof: «Die dezentrale Stromproduktion braucht massiv mehr Netze.» Das Bauverfahren müsse vereinfacht werden.

Mit der EU fuhr Bischof fort: Als Stromdrehscheibe Europas müsse die Schweiz jedes Interesse an einem Stromabkommen mit der EU haben, sagte er.

In Deutschland kritisierte Bischof den Versuch, mit Braunkohle Atomstrom zu ersetzen. Und bald darauf war der CVP-Politiker in Balsthal. Dort sah Bischof mit dem Pelletwerk der AEK ein Vorzeigeprojekt für die Umweltverträglichkeit. 86 600 Tonnen CO2 will der Kanton Solothurn in seinen Klimazielen ab 2035 jährlich einsparen. Die AEK will einen Drittel davon alleine mit ihren Projekten erreichen.

Massiv weniger Umsatz, aber mehr Gewinn lautet das Fazit für das AEK-Geschäftsjahr 2014. Der Umsatz sank um 17,4 Prozent auf 143,3 Mio. Franken; der Stromabsatz sank um 40 Prozent auf 571 Gigawattstunden. Grund für den Rückgang ist der Wegfall der Stahl Gerlafingen als Grosskunde. «Aufgrund der schon immer sehr tiefen Marge in diesem Kundensegment hatte dieser Kundenverlust aber geringe Folgen auf das Finanzergebnis», sagte AEK-Direktor Walter Wirth.

Neue Frau im Verwaltungsrat

Dass die Unternehmen aufgrund des Euro-Wechselkurses hart kalkulieren müssen, bemerkt auch die AEK: «Wir stellen fest, dass gerade in diesen Zeiten das günstigste Produkt, also sogenannter Graustrom aus nicht erneuerbaren Quellen, bei der Exportwirtschaft oberste Priorität hat», so Walter Wirth.

Einen Wechsel gab es im Verwaltungsrat: Der frühere BKW-Chef Kurt Rohrbach ist nach 22 Jahren im AEK-Verwaltungsrat zurückgetreten. Für ihn rückt Joëlle Hars als neue Vertreterin des Berner Energiekonzerns nach, der neben der Oltner Alpiq die grössten AEK-Aktienpakete besitzt.