Hobby im Wald
Pilzkontrolleur: «Es gehen mehr Leute Pilze sammeln als vor zehn Jahren»

An einem Sonntag auf einem gemütlichen Waldspaziergang verschiedene Pilze sammeln ist ein beliebtes Wochenendprogramm geworden. Ist ein Hype ums Pilze sammeln entstanden? Zwei Pilzkontrolleure aus dem Kanton erzählen von ihren Erfahrungen.

Lea Schreier
Merken
Drucken
Teilen
Eine Sammlerin schneidet einen Steinpilz (Archiv)

Eine Sammlerin schneidet einen Steinpilz (Archiv)

Keystone

Am Mittwoch berichtete die Solothurner Zeitung über den Pilzexperten Markus Flück, der regelmässig Pilzkontrollen durchführt. Bei der dokumentierten Kontrolle wurden aus den vorgelegten Pilzen nur gerade 1,5 Kilogramm der insgesamt 4,5 Kilogramm als essbar eingestuft. Drei Kilogramm Pilze wurden weggeworfen. Diese grosse Menge an Ausschuss wirft die Frage auf: Gehen viele Leute planlos in den Wald und nehmen - ihnen nicht bekannte - Pilze mit?

Der Pilzkontrolleur Oswald Germann aus Welschenrohr kann diese These nicht bestätigen. Viele Leute würden die Pilze schon relativ gut kennen, sie aber zur Sicherheit noch in die Kontrolle bringen. «Sammler, bei denen zwei Drittel oder drei Viertel des Korbes Ausschuss sind, habe ich nicht.» Er erkennt auch keinen Hype, bei dem aktuell viele Menschen in den Wald gehen und ohne entsprechendes Wissen einfach Pilze mitnehmen würden.

«Ich stelle fest, dass Pilzler in unserer Region zuerst in einen Pilzkurs gehen, dort die Grundkenntnisse lernen und dann die Pilze sammeln gehen», so Germann. Es gäbe schon ab und zu Waldgänger, die mit einem ihnen noch unbekannten Exemplar kämen. Er bestimme dann die Pilze und erkläre ihre Merkmale.

Ähnlich klingt es bei Margrith Ryser aus Solothurn, die bereits seit 40 Jahren als Pilzkontrolleurin unterwegs ist: «Dass die Leute die Pilze einfach nur ausrupfen, stimmt nicht.» Sie bekomme oft Körbe zur Kontrolle, die keinen einzigen ungeniessbaren Pilz aufweisen würden. Wenn dann doch einmal einer dabei sei, den man nicht hätte mitnehmen sollen, kläre sie die Sammler auf und so sollte der Fehler kein zweites Mal passieren. Ryser kann sich somit nicht über viel Ausschuss beklagen.

Als Hype würde sie das Interesse an Pilzen nicht bezeichen, auch wenn mitterweile schon viele diesem Hobby nachgehen würden. «Es sind oft Pensonierte, die gerne Spaziergänge im Wald unternehmen. Sie sind dann aber meistens gut informiert über die verschiedenen Pilze.»

Vielfältige Pilzkurse

Oswald Germann sagt, dass mehr Leute «schwümmlen» gehen als vielleicht noch vor zehn Jahren. Das Ganze laufe aber - auf jeden Fall bei ihm im hinteren Thal - ziemlich diszipliniert ab. Das heisst es gebe kein auffällig hoher Ausschuss. Deshalb glaubt er auch nicht, dass es mehr Pilzkurse bräuchte, um die Leute zu sensibilisieren.

Germann selber gibt keine Kurse, kennt aber deren Inhalte: «Erklärt wird der Aufbau der Pilze. Auch lernt man, wie man sammeln sollte. Weiter ist natürlich das Ziel, dass die Teilnehmer die Merkmale sowie auch die Familiengattungen der Pilze kennenlernen. Dass man weiss, welches ein Röhren-Pilz ist, welche giftig sind und welche nicht.»

Das eifrige Sammeln hat laut Kontrolleur Germann keine Auswirkungen auf die Artenvielfalt der Pilze. Die Schonzeit sei vom Kanton wieder abgeschafft geworden, da Studien gezeigt hätten, das sie auf das Pilzwachstum oder auf die Vielfalt keinen Einfluss habe.