Projekt
Pilotphase zu «Raumnot» gelungen: Bald sollen Jugendliche schweizweit mehr Platz erhalten

Das Projekt Raumnot vermittelt zwischen Behörden und Jugendlichen im öffentlichen Raum. Im Kanton Solothurn wurde es an drei Pilotstandorten getestet – mit Erfolg. Jetzt soll «Raumnot» bald auch schweizweit eingeführt werden.

Gabriela Strähl
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«Raumnot»-Projektleiter Andreas Kallweit (links) im Gespräch mit Jugendlichen - ein wichtiger Teil seiner Arbeit.

«Raumnot»-Projektleiter Andreas Kallweit (links) im Gespräch mit Jugendlichen - ein wichtiger Teil seiner Arbeit.

zvg

Jugendliche im öffentlichen Raum – in vielen Köpfen folgen darauf die Worte Lärm, Littering, Sachbeschädigung und Alkohol. Oft nicht ganz zu Unrecht. Doch wie damit umgehen? Mit dieser Frage sind die Gemeinden meistens überfordert. Ein Ansatz kann das Angebot «Raumnot» sein, welches das Blaue Kreuz im Rahmen des Nationalen Programms Jugend und Gewalt des Bundesamts für Sozialversicherungen entwickelt und im Kanton Solothurn an drei Standorten erfolgreich erprobt hat. Das Projekt wird in den nächsten Jahren im Kanton Solothurn weitergeführt.

Die drei Pilotstandorte, mit welchen «Raumnot» im Jahr 2015 zusammengearbeitet hat, sind Trimbach, Matzendorf und der Bezirk Thal. Gerade in Trimbach bestand deutlicher Handlungsbedarf: Die Jugendlichen wünschten einen Raum, wo sie unter sich sein konnten. Zudem gab es Probleme mit Littering. «Das Projekt ‹Raumnot› erschien uns angesichts der Problemstellungen interessant. Deshalb haben wir uns auf die Ausschreibung gemeldet», so Karl Tanner, Gemeindepräsident von Trimbach.

Unter sich sein wollen

Was die Jugendlichen betrifft, arbeitete «Raumnot» eng mit David Bieli und Carolin Glosauer von der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Trimbach (OKJAT) zusammen. In einer Arbeitsgruppe engagierten sich neben Behörden, Jugendarbeit und Polizei auch drei Jugendliche, die sich für ihr Anliegen stark machten: einen öffentlichen Raum, in Eigenverantwortung organisiert.

Laut Bieli sind es vor allem die älteren Jugendlichen von 15 bis 18 Jahren, die auch nicht in den Treff der Jugendarbeit kommen. Dafür steht nun eine Hütte auf dem ehemaligen Robinson-Spielplatz zur Verfügung, nach den Vorstellungen der Jugendlichen hergerichtet. Die Jugendarbeit wirkt unterstützend mit und schaut «ein ungerades Mal dort vorbei», so Bieli.

Ganz ohne Regeln und Aufsicht geht es nämlich nicht: So braucht es die Unterschrift der Eltern, damit sich ihre Sprösslinge in der Hütte aufhalten dürfen. Es gelten beispielsweise Regeln bezüglich der Benützungszeiten. Laut Bieli wurde die Hütte bisher kaum genutzt. Wenn im Herbst oder Winter kältere Temperaturen einbrechen, könne sich das aber rasch ändern.

In Sachen Littering stellte sich in der Analyse bald heraus, dass es sich um ein allgemeines Problem handelt. Neben den «Hotspots» im Dorf, wo sich Jugendliche aufhalten und manchmal Abfall liegen bleibt, brannte den Einwohnern vor allem das Thema dezentrale Recyclingsammelstellen unter den Nägeln. «Wir fokussieren uns auf Probleme im Zusammenhang mit Jugendlichen im öffentlichen Raum.

Im Fall Trimbach war es aber nötig, den Blickwinkel zu öffnen», so «Raumnot»-Projektleiter Andreas Kallweit. Hier halfen sie bei der Durchführung einer Infoveranstaltung, woraus sich eine Arbeitsgruppe bildete.

Gutes Zeugnis für «Raumnot»

Am Ende der Pilotphase, die bis Dezember 2015 dauerte, stellt Karl Tanner dem Angebot ein gutes Zeugnis aus. «Das Projekt hat uns geholfen, vermehrt mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen, und hat das gegenseitige Verständnis gefördert.» Das Projekt soll im Kanton Solothurn weiterlaufen und auch schweizweit eingeführt werden.

Handeln, solange man kann und noch nicht muss

Weiter für die Pilotphase gemeldet haben sich Matzendorf sowie der Verein Region Thal. Matzendorf sei im Thal ein Treffpunkt für die Jugendlichen, da dort die Kreisschule sei, so Gemeindepräsident Marcel Allemann. «In unserer Gemeinde brennts zwar noch nicht. Wir wollten aber etwas machen, solange wir noch agieren können und nicht reagieren müssen.» Vereinzelte Lärmbeschwerden wegen Jugendlichen sowie Litteringprobleme kennt die Gemeinde aber schon.

Die Analyse in Zusammenarbeit mit «Raumnot», im Rahmen derer die Jugendlichen nach ihren Bedürfnissen befragt wurden, zeigte den Wunsch nach einem öffentlichen Aufenthaltsort. Deshalb ist es nun das Ziel, einen solchen in Matzendorf anzubieten – allerdings nicht nur für Jugendliche, sondern für alle Altersgruppen, sei es aus Matzendorf oder aus den umliegenden Gemeinden. Eignen würde sich laut Allemann die alte Zivilschutzanlage.

Die genaue Gestaltung ist noch offen, bald werde sich aber eine Arbeitsgruppe zu diesem Zweck bilden. Diese soll mit dem Thaler Jugendarbeiter Jonathan Murbach zusammenarbeiten. Weiter sollen Leute gecoacht werden, die die Finanzen im Blick haben und Termine koordinieren. «Mir ist wichtig, dass wir nicht ein fixfertiges Ding hinstellen, sondern gemeinsam eine nachhaltige Lösung erarbeiten», so Allemann. Er habe zu viele Konzepte erlebt, die ohne die Jugendlichen erstellt wurden – und innerhalb von einem bis zwei Jahren wieder gestorben seien. Auch er empfindet «Raumnot» als eine Bereicherung, da dieses Angebot helfen könne, über den Tellerrand hinaus zu blicken und auf den richtigen Pfad zu gelangen. Das Angebot sei als eine neutrale Stelle gut als Bindeglied geeignet und konnte auch Arbeiten abnehmen, wo Ressourcen fehlten.

Im Bezirk Thal zielte die Zusammenarbeit mit «Raumnot» besonders darauf ab, die Jugendarbeit neu zu konzipieren. Dafür half die gemeinsame Analyse, bei der die Jugendlichen zu ihren Wünschen sowie ihrer Meinung zur Region Thal und den einzelnen Dörfern befragt wurden. Ein von Jugendlichen organisierter Jugendraum scheint gewünscht zu sein. Weiter halfen die Resultate aus der Zusammenarbeit mit «Raumnot» und Gespräche mit den Gemeinden dabei, die Ressourcen für die Jugendarbeit leicht auszubauen.

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