Muss der «Däniker Spate» einen Artikel von SVP-Gemeinde- und Kantonsrat Walter Gurtner veröffentlichen? Auch wenn dieser das Thema Sozialkosten unter dem Titel «60 000 Franken pro Monat Betreuungskosten für eine vielköpfige Flüchtlingsfamilie im Kanton ZH!» abhandelt? Ja, findet die SVP Däniken und droht mit einem Kampfblatt (Arbeitstitel: «Pickel»). Denn der «Spate», das Mitteilungsblatt der Gemeinde, hatte sich erfrecht, Gurtners Artikel abzulehnen (wir berichteten). Wie gehen andere Gemeinden mit dem Thema um?

«Wir sind neutral»

«Genau aus diesem Grund bringen wir keine politischen Beiträge von Parteien», meint Fritz Liechti von der Redaktion «dr Gretzebacher». «Wir sind politisch und konfessionell neutral.» Das dreimal jährlich erscheinende Mitteilungsblatt der Gemeinde Gretzenbach reserviert üppig Platz für Aktivitäten der Dorfvereine, aber Parteien sind tabu. Vor Jahren habe die SVP-Ortspartei angefragt, ob sie Beiträge einsenden könne, erinnert sich Liechti. Die Antwort lautete Nein, das habe die Redaktion früher so entschieden. «Einen Konflikt gab es deswegen nie.»

«Wir hatten diesen Fall noch nie», bestätigt auch Irene Lüthi, die seit 20 Jahren in der Redaktion von Dullikens Dorfzeitschrift «Eusi Gmein Eusi Schuel» mitwirkt. «Wir haben keine Beiträge über Parteien – und irgendwie ist es gut so.» Die Zeitschrift solle nicht politisch sein, sondern spiegle vor allem das Leben der Schule und der Vereine in der Gemeinde.

«Das ist kein Wunsch»

Ähnlich lautet die Auskunft bei vielen Gemeindeblättern. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Redaktion vom Gemeinderat Vorgaben erhält: Auch Teams, denen die Gemeinde volle Freiheit lässt, entscheiden sich meist gegen politische Meinungsbeiträge wie Leserbriefe oder Partei-Standpunkte.

Das gilt für Eugen N. A. Rauber-Holle, den Langzeit-Redaktor der «fürwitzige Chropftuube» von Neuendorf. «Beiträge von Parteien – das ist kein Wunsch», meint er. Immerhin habe er vor den letzten Gemeinderatswahlen einen kurzen Text veröffentlicht, in dem die Kandidatinnen und Kandidaten vorgestellt wurden. «Ich habe totale Narrenfreiheit», schmunzelt Rauber.

«Aktualität würde fehlen»

Als früherer SP-Kantonsrat ist der Redaktionsleiter des «info Hägendorf», Werner Huber, durchaus ein politischer Kopf. Bei ihm schwingt leises Bedauern mit, wenn er sagt: «Es kommen keine Leserbriefe, auch wenn wir dazu auffordern.» Aber Artikel von Parteien? «Das gabs noch nie, auch keine Anfrage.» Huber nennt auch einen Grund dafür: «Da unser Blatt nur dreimal jährlich erscheint, würde solchen Beiträgen die Aktualität fehlen.»

«Nie ein Thema» waren Beiträge der Ortsparteien auch beim «Önziger». «Wir sind gut gefahren so», meint Erika Studer. Sie muss es wissen, denn sie ist seit der Gründung vor 30 Jahren dabei. Lange Zeit wurde das Blatt allein vom Verein Önziger getragen und war jeweils einem Thema gewidmet. Seit zwei Jahren ist die Gemeinde zur Hälfte beteiligt – aber auch mit dem neuen Konzept gibt es weder im Vereins- noch im Gemeindeteil Artikel der Parteien.

Ausschluss in Winznau

Eindeutig ausgeschlossen sind Beiträge von Parteien nur im «Räbeblatt» von Winznau (siehe Kasten). «Das wurde im Gemeinderat explizit so beschlossen», berichtet Gemeinderätin Gisela Stoll, die als Ressortleiterin für das Informationsheft der Gemeinde zuständig ist. Ein Problem habe es damit nie gegeben: «Die Parteien sind da ganz selbstständig und geben bei Bedarf eigene Flyer heraus», so Stoll.

Dorfpolitischer Wind auf dem Berg

Fast ein Exot unter den Dorfblättern ist damit der «Dorf-Spiegel», das gemeinsame Informationsblatt der Gemeinden Hauenstein-Ifenthal und Wisen (sechsmal jährlich). Zwar haben die beiden Dörfer keine aktiven Ortsparteien mehr. Dafür publiziert die Redaktion durchaus angriffige Meinungsbeiträge – wobei es in letzter Zeit vor allem um das Projekt eines Windparks auf der Wisnerhöchi ging.

«Für uns ist entscheidend, dass es Beiträge von Dorfbewohnern sind», erklärt Redaktorin Anna Petschen (Wisen). «Auswärtige sind nicht ausgeschlossen, aber wenn es keinen Platz hat, scheiden sie aus.» Darum könne sich der Verein Wisnerhöchi ohne Windpark immer äussern, die Projekt-Initiantin Trianel Suisse AG hingegen nur ausnahmsweise. Ein Bürger habe auch schon mal in einem Leserbrief heftig gegen den Gemeinderat geschossen. Die Redaktion entscheide unabhängig und von Fall zu Fall, berichtet Anna Petschen: «Vom Gemeinderat gibt es schon Rückfragen – aber mehr Lob als Tadel.» So ermöglicht das Dorfblatt trotz fehlender Parteien die Debatte.