Egerkingen
Piano piano läuft der Laden

Während andere Musikgeschäfte rückwärts machen, ist das Klaviergeschäft von Familie Herzig in Egerkingen auf Erfolgskurs.

Isabel Hempen
Drucken
Teilen
Romy, Robert und Roman Herzig in ihrem Klaviergeschäft in Egerkingen.

Romy, Robert und Roman Herzig in ihrem Klaviergeschäft in Egerkingen.

BRUNO_KISSLING;Bruno Kissling;

In den Neunzigern gingen die Klaviere weg wie frische Weggli. Das sagt Romy Herzig, die zusammen mit ihrem Mann Roman und ihrem Sohn Robert den Familienbetrieb Piano Herzig in Egerkingen führt. Es gab Jahre, da machte Piano Herzig Umsätze von über einer Million Franken. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. 2012 hätten gerade noch 60 000 Franken Umsatz im Verkauf herausgeschaut. «Horror» sei das gewesen, sagt Romy Herzig.

Strube Zeiten

Die elegante 59-Jährige sitzt mit ihrem Sohn im Ausstellungsraum des Unternehmens. Gegen 50 Klaviere und Flügel stehen im Ladenlokal, schätzt sie. Deren Gesamtwert: etwa eine Million Franken. Die Preise reichen von 3800 Franken fürs Yamaha-Einsteigermodell bis zu 60 000 Franken für den Occasion-Steinway-Flügel. Herzigs können sich nicht beklagen. Denn während die Musikgeschäfte in der Schweiz reihenweise eingehen oder ihr Angebot zurückfahren, läuft es bei der Familie inzwischen wieder gut. «Wobeigut laufen› relativ ist», meint Romy Herzig. «Wir kommen gut raus, weil wir als Familienunternehmen kompakt sind.» Sie selbst macht die Büroarbeit im Betrieb.

Das Geschäft eröffnete ihr 59-jähriger Gatte Roman Herzig anno 1987. Er ist gelernter Klavierbauer. Was indes nicht heisst, dass er seine Klaviere selbst baut.«Das würde nur in einer Fabrik rentieren», erklärt Romy Herzig lachend. Die Hauptaufgaben eines Klavierbauers seien das Stimmen, Reparieren und Revidieren der Tasteninstrumente. Nun denn. Der Stadtbasler suchte nach einem geeigneten Standort im Mittelland, da die Mieten in der Stadt zu hoch waren. Er entschied sich wegen der zentralen Lage für Egerkingen.

Die fetten Neunzigerjahre

Romy Herzig stieg 1991 bei Piano Herzig ein. Es waren die fetten Jahre. «Es lief wie verrückt», wiederholt sie. In den Neunzigerjahren habe es einen gesunden Mittelstand gegeben, jeder habe Klavier spielen wollen. 120 Klaviere und Flügel hätten sie im Jahr verkauft. «Es war ein Trend, auch bei Erwachsenen», erinnert sie sich. Es habe Samstage gegeben, da seien fünf Kunden mit Kaufabsichten im Laden gestanden. Viel in einem Metier, wo es nicht selten vorkommt, dass die ganze Woche kein einziger Interessent den Laden betritt.

Und dann, im neuen Jahrtausend, war Klavierspielen offenbar nicht mehr angesagt. Herzigs hielten sich mit dem Stimmen der Instrumente und dem Service über Wasser, der Verkauf warf kaum noch etwas ab. «Das Ladenlokal vermieteten wir an ein Kleidergeschäft. Wir hatten nur noch eine Werkstatt und ein Büro», schiebt Romy Herzig nach. Strube Zeiten also.

Und dann kam der Sohn

Aber seit Sohn Robert in den Betrieb eingestiegen ist, sind neue Zeiten angebrochen. «2015 hat das Geschäft angezogen», sagt Romy Herzig mit Blick auf ihren Sohn, der im schwarzen Firmenhemd neben ihr sitzt. Der hochgewachsene 23-Jährige, der wie sein Vater eine Klavierbauerlehre absolvierte, lenkt den Laden seit 2016. «Wenn unser Sohn das Geschäft nicht unbedingt hätte haben wollen, hätten wir das Lokal aufgegeben», sagt Romy Herzig. Schon während der Lehre beim Musikhaus Krompholz in Bern half Robert Herzig am Wochenende bei den Eltern aus. Setzte eine Website auf. Seit er deren Auftritt 2013 professionalisierte, wirkt sich das auch auf die Zahlen aus. Der Umsatz 2015: 142 000 Franken. Für 2016 ist er noch nicht erfasst, aber: «Er wird wohl das Doppelte sein.» Romy Herzog spricht vom besten Umsatz seit langem.

80 Prozent ihrer Kunden fänden übers Internet zu ihnen, sagt Romy Herzig. Diese kämen nicht nur aus der Umgebung, sondern auch aus Zürich, Basel, Bern, Luzern. Und das, obschon es in den Städten noch Musikhäuser gibt. Woran liegts? «Wir bieten sehr gute Konditionen», ist Herzig überzeugt. Gute Kunden seien auch die etwa 15 Musikschulen, die sie in der Region und anderen Kantonen betreuen, etwa in Mümliswil-Ramiswil oder Matzendorf.

Ausserdem vermieten Herzigs einen Konzertflügel. 700 bis 800 Stimmungen nehmen Roman und Robert Herzig gemeinsam mit einem freien Mitarbeiter jährlich vor. Und im Ladenlokal veranstalten sie bisweilen Gratis-Konzerte von Musikschülern, auch das sei schlussendlich Werbung für sie. «20 Prozent der Leute kommen über Empfehlungen zu uns», weiss Romy Herzig, die 3000 Kunden in ihrer Kartei führt. Nach wie vor, sagt sie, trage der Service den Verkauf. Dennoch: «Der Markt ist nicht mehr so gross wie vor 20 Jahren. Aber er ist da.»