Die Wortwahl im Titel des Vorstosses ist drastisch: «Gefahr für Mensch und Umwelt oder eine Zeitbombe?» Wer indessen glaubt, der Interpellant nehme damit Bezug auf eine Sondermülldeponie oder auf ein Atomkraftwerk, der täuscht sich. Die Rede ist von Photovoltaik-Anlagen. Genauer: von der Zerstörung solcher im Brandfall. «Was», möchte Kantonsrat Rolf Sommer (SVP, Olten) wissen, geschieht mit der Photovoltaik-Anlage bei einem Gebäudevollbrand?» Eine Photovoltaik-Anlage, so der Interpellant, bestehe ja «aus verschiedenen Materialien von Glas bis Silizium». «Und bei Hitze und Wasser könnten gefährliche chemische Reaktionen entstehen.»

Solarmodule schmelzen

Gefahr entstehe hauptsächlich durch herabfallende Teile und das unkontrollierbare Bersten von Anlageteilen, schreibt nun die Kantonsregierung in ihrer Antwort. Dies sei jedoch bei jedem Dachstockbrand der Fall. Dass durch die Brandthermik Siliziumsplitter verfrachtet würden, sei eher unwahrscheinlich, weil die Solarmodule nicht bersten, sondern abrutschen oder schmelzen würden. Die Verbrennung von Photovoltaik-Anlagen verursache die gleichen giftigen Brandgase wie jene anderer Kunststoffe oder ähnlicher Materialien. Hingegen sei Silizium nicht giftig.

Eine unseriöse Entsorgung verstreuter Glassplitter, räumt der Regierungsrat ein, könnte für Mensch und Tier eine Gefahr bedeuten. Die Entsorgung von Brandüberresten sei jedoch in einem Merkblatt des kantonalen Amts für Umwelt festgehalten. Falls Grünflächen betroffen seien, würden diese nach Anweisungen des kantonalen Amtes für Umwelt fachgerecht aufgenommen und entsorgt.

«Keine feinsten Glassplitter»

Laut einer deutschen Studie, schreibt der Regierungsrat weiter, verursachten Photovoltaik-Anlagen gerade mal 0,006 Prozent der Brände. Die wenigen Brandereignisse mit Solar-Anlagen zeigten auf, dass im Gegensatz zur Annahme des Interpellanten keine «feinsten Glassplitter» in die Umgebung getragen würden. Vielmehr würden Scherben in sichtbarer Grösse über kleine Distanzen in die unmittelbare Nachbarschaft gestreut.

Der bisher einzige Brand einer Solaranlage mit verstreuten Glassplittern in der Schweiz sei am 11. Juli 2012 im Kanton Zürich registriert worden. Es habe sich dabei allerdings um eine Ausnahme gehandelt – bedingt durch eine einmalige Konstellation. Die Splitter stammten, wie die Regierung festhält, auch nicht von der Solaranlage des in Brand stehenden Gebäudes, sondern von jener des Nachbargebäudes. Das Löschen des brennenden Gebäudes habe zugunsten der Kühlung des Gasflaschendepots in unmittelbarer Nähe reduziert werden müssen. So sei die Solaranlage des in Brand stehenden Gebäudes mit der Hitze des Feuers geschmolzen. «Es entstanden keine Splitter.» Hingegen seien die geborstenen Glassplitter der Solaranlage des Nachbargebäudes aufgrund der grossen Thermik des brennenden Nachbargebäudes in die nähere Umgebung verteilt worden.

Feuerwehren sind gerüstet

Die Feuerwehren sind gemäss Antwort des Regierungsrates durchaus für Gebäudebrände mit Photovoltaik-Anlagen instruiert und ausgerüstet. «Die Einsatzleiter der Feuerwehren werden in ihrer Führungsausbildung auf diese Gegebenheiten geschult und vorbereitet.» Darüber hinaus würden die Feuerwehren über den Einbau und Betrieb jeder Solaranlage durch die Gebäudeversicherung informiert. Darauf nehme die Feuerwehr eine örtliche Erkundung vor. Weil der Einsatz in der Regel im Innenangriff erfolge, sei der Zugang zum Dachgebälk, wie bei jedem Brand, sichergestellt.Der Umstand, dass eine Photovoltaik-Anlage vom Panel bis zum Gleichstrom-Schalter unter Spannung stehe, stelle allerdings eine zusätzliche Gefahr für die Feuerwehr dar, konstatiert die Regierung. Dank entsprechender Ausbildung und Gebäudekenntnis könne diese Gefahr via Abschaltung der Anlage jedoch beseitigt werden.

Neuinstallationen von Photovoltaik-Anlagen müssen nach den anerkannten Regeln der Technik erstellt werden. Die Installationsfirma stellt nach Abschluss der Installation einen Sicherheitsnachweis aus. Wird die Installation auf gewerblichen- oder landwirtschaftlichen Gebäuden erstellt, werden die Installationen zusätzlich durch ein unabhängiges Kontrollorgan überprüft. Dieses stellt ebenfalls einen Sicherheitsnachweis aus. Während der Betriebsphase gilt eine Photovoltaik-Anlage als technische Einrichtung des Gebäudes und wird im Umfang der periodischen Elek-
trokontrolle des Gebäudes durch ein unabhängiges Kontrollorgan mitkontrolliert.

Schliesslich wollte Rolf Sommer auch noch wissen, wie man denn auf die Entsorgung von Photovoltaik-Anlagen vorbereitet sei. – Das Bundesamt für Umwelt (Bafu), antwortet der Regierungsrat, habe die neue Gerätekategorie «Photovoltaikmodule» in die Verordnung über die Rückgabe und die Entsorgung elektrischer Geräte (VREG) aufgenommen. Swissolar, der schweizerische Fachverband für Sonnenenergie, und SENS eRecycling haben per Januar 2014 einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der die relevanten Aspekte in Zusammenhang mit der Rücknahme und der Entsorgung von Photovoltaikmodulen in der Schweiz regelt. Photovoltaikmodule könnten zu 96 Prozent rezykliert werden.