Kanton Solothurn
Pflegefamilien für minderjährige Asylsuchende gesucht

98 minderjährige Asylsuchende leben ganz alleine ohne Eltern im Kanton Solothurn. Doch derzeit fehlen Pflegefamilien, die sie aufnehmen.

Lucien Fluri
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Der Aufenthaltsstatus der im Kanton anwesenden minderjährigen Asylbewerber ist unterschiedlich.

Der Aufenthaltsstatus der im Kanton anwesenden minderjährigen Asylbewerber ist unterschiedlich.

Die Plätze in den Asylzentren wurden knapp, als die Zahl der Flüchtlinge 2014/15 stark anstieg. Doch das war nicht die einzige Herausforderung, vor der die Behörden standen. Plötzlich kamen auch immer mehr minderjährige Asylsuchende, die ganz alleine ohne Eltern in die Schweiz gereist sind. Für sie mussten die Behörden spezielle Lösungen finden: Verschiedene Kantone standen in der Kritik, weil sie für die minderjährigen, teils traumatisierten Kinder nicht die richtigen Strukturen anboten.

Der Kanton Solothurn hat damals rasch reagiert: Er beherbergt minderjährige, alleinreisende Asylsuchende nicht nur in speziell betreuten Wohngemeinschaften. Seit dem Spätherbst 2015 bringt er sie auch bei Privatpersonen unter. Das hat sich bewährt: «Pflegefamilien sind ein Erfolgsrezept», lobt Anne Birk vom Amt für soziale Sicherheit. Heute gibt es 17 Pflegefamilien im Kanton, die insgesamt 24 junge Flüchtlinge aufgenommen haben. Nach wie vor aber wäre der Kanton auf weitere Gastfamilien angewiesen. «Besonders die 11- bis 16-Jährigen sollten in Pflegefamilien untergebracht werden», sagt Birk. Denn nach wie vor ist die Zahl neu ankommender alleinreisender Flüchtlinge relativ hoch.

Derzeit leben 98 minderjährige Flüchtlinge im Kanton. Ihr Aufenthaltsstatus ist unterschiedlich. Die meisten dürfen – zumindest vorläufig – bleiben. Ziel ist deshalb die Integration über Pflegefamilien. Die Asylsuchenden wohnen, leben, essen und schlafen bei den Familien. Sie gehen, falls noch schulpflichtig, in die Schule der Wohngemeinde oder besuchen spezielle Integrationsprogramme. Für die Organisation der Integrationsmassnahmen stehen besondere Coaches den jungen Asylsuchenden zur Seite und entlasten die Pflegefamilien. Wer Pflegefamilie wird, wird mit 75 Franken pro Tag für Betreuung, Kost und Logis entschädigt. Krankenkassen und Gesundheitskosten werden speziell finanziert.

«Eignungstest» nötig

Wer Asylsuchende bei sich aufnehmen möchte, braucht die übliche Pflegefamilien-Bewilligung. Das Verfahren, um diese zu erlangen, dauert etwa acht bis zehn Wochen. Grundsätzlich kann jede Familie – auch Paare ohne Kinder – junge Asylsuchende aufnehmen. Für die Eignungsabklärung muss den Behörden Einblick ins Leben gegeben werden. In einem ersten Schritt müssen diverse Unterlagen eingereicht werden.

Das Amt fordert etwa Straf- und Betreibungsregisteranuszüge. Daraufhin kommt es zu einem ersten Gespräch, in dem Fragen gestellt werden, etwa warum jemand Asylsuchende aufnehmen möchte. Ist eine Familie grundsätzlich geeignet, gibt es einen Kennenlernnachmittag und später ein Wochenende mit dem Jugendlichen, der aufgenommen werden könnte.

Die meisten der 98 minderjährigen Flüchtlinge stammen aus Eritrea (51), gefolgt von Afghanistan (28). 44 leben im Asylzentrum in Selzach, wo spezielle Strukturen bestehen, 24 bei Pflegefamilien, 21 in einer betreuten WG und 9 bei Verwandten. Die Behörden versuchen, vorwiegend Jugendliche zu vermitteln, die eine langfristige Perspektive in der Schweiz haben. Das Pflegeverhältnis endet bei Volljährigkeit offiziell. Wer Interesse hat, Pflegefamilie zu werden, kann sich bei der Fachstelle Familie und Generationen des Amtes für soziale Sicherheit melden.