Refreshkurse

Pflegefachleute üben für den Notfall-Einsatz in der Coronakrise – Kurse könnten Schule machen

Stadträtin Marion Rauber (r.) übt die Reanimation mit Herzdruckmassage und Defibrillator.

Stadträtin Marion Rauber (r.) übt die Reanimation mit Herzdruckmassage und Defibrillator.

Regierungsrätin Susanne Schaffner nahm einen Augenschein in einem der Refresherkurse für Pflegefachleute im Corona-Reservepool. Sie kann sich vorstellen, den Auffrischungslehrgang zu einem umfassenden Wiedereinstiegskurs für den Pflegeberuf auszubauen.

Wie geht Reanimation noch einmal richtig? Selbst für gestandene Pflegefachfrauen gar keine so einfache Frage, wenn sie erst einmal Jahre oder gar Jahrzehnte vom Beruf weg waren. Musik gibt den richtigen Takt für die Herzdruckmassage vor: Queen, Another One Bites The Dust – man könnte von Galgenhumor sprechen. Das mit der Musik ist aber nicht zur Erheiterung gedacht. Auch seine jungen Studentinnen üben die korrekte Herzdruckmassage so, erklärt Daniel Hofer, Rektor der gesundheitlich-sozialen Berufsfachschule des BBZ Olten.

Immer und immer wieder, so geht der Rhythmus in Fleisch und Blut über. Jetzt üben in «seiner» Schule 20 (ehemalige) Pflegefachfrauen aus dem Reservepool, den der Kanton gebildet hat, um Personalengpässe in der Coronakrise überbrücken zu können.

Am Freitag nahm Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner einen Augenschein und zeigte sich begeistert vom Engagement der Teilnehmerinnen. Dass es einen weiteren Refresherkurs geben wird, steht bereits fest. Und sie sei «höchst motiviert», ein Modell zu finden, um den kurzen Auffrischungslehrgang zu einem umfassenden Wiedereinstiegskurs für den Pflegeberuf auszubauen, so Schaffner.

Refresherkurs-Plätze waren im Nun belegt

Doch zunächst zum Anfang: Als der Kanton den Aufruf für einen Reservepool für die Bewältigung der Coronakrise startete, war die Resonanz gross. Es meldeten sich auch rund 100 diplomierte Pflegefachpersonen mit einer Ausbildung an einer höheren Fachschule. Vor allem um sie geht es, wenn vom drohenden Pflegenotstand die Rede ist, dementsprechend sind sie begehrt. Einige kamen auch bereits in den Spitälern zum Einsatz. Doch es zeigte sich, dass viele einfach schon zu lange weg vom Beruf sind, um vom einen auf den anderen Tag wieder voll einsteigen zu können. Gerade wenn es um Fälle wie Covid-19-Patienten mit einem schweren Verlauf geht, die intensive Pflege benötigen. Also stellte man den Refresherkurs auf die Beine, der diese Woche gestartet ist. Die 20 Plätze waren im Nu vergeben.

Der Kurs dauert fünf Tage und umfasst 40 Lektionen. Er ist kostenlos, die Teilnehmerinnen mussten sich aber verpflichten, dem Corona-Reservepool weiterhin zur Verfügung zu stehen. Unter ihnen finden sich auch prominente Gesichter aus der Politik. FDP-Kantonsrätin Karin Büttler (Laupersdorf) paukt Theorie, während die Oltner Stadträtin Marion Rauber (SP) in der zweiten Gruppe die Reanimation übt. Sie habe sich sofort für den Reservepool gemeldet, aber sich schon gefragt, ob sie für einen Ernstfalleinsatz überhaupt noch genügen würde, erzählt Rauber.

Sie war bis vor drei Jahren zwar noch in einer Arztpraxis tätig, im angestammten Pflegeberuf arbeitet sie aber seit 20 Jahren nicht mehr. Deshalb sei der Refresherkurs eine sehr gute Sache, das gebe einem eine gewisse Sicherheit. Und: Mit diesem Kursangebot bringe der Kanton auch seine Wertschätzung gegenüber einer Berufsgattung zum Ausdruck. Es sei eine befriedigende Erfahrung, dass «altes Wissen» gefragt bleibt.

Lebenserfahrung kommt den Patienten zugute

Für Marion Rauber steht klar der Kriseneinsatz im Vordergrund, ob sie einen dauerhaften Wiedereinstieg in den gelernten Beruf erwägt, sei für sie noch offen. Corona sei wohl für alle die Initialzündung gewesen, aber manche Kursteilnehmerinnen – im Durchschnitt waren sie 16 Jahre nicht mehr im Pflegeberuf tätig – hätten ihm im Gespräch ganz klar dieses Interesse an einem definitiven Wiedereinstieg signalisiert, sagt Daniel Hofer.

Sie seien «sehr motiviert, sich wieder für den Beruf fit zu machen». Darum war er auch sofort vom Kursangebot überzeugt. Die Wiedereinsteigerinnen würden neben der Berufs- auch über eine grosse Lebenserfahrung verfügen, das komme auch den Patienten zugute.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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