Katholische Kirche

Pfarrer Schmid versucht durch Segnungen den Leuten die Ängste zu nehmen

Pfarrer Jürg Schmid

Pfarrer Jürg Schmid

Heute empfangen viele Gläubige den Blasiussegen. Pfarrer Jürg Schmid gibt Auskunft über das Sakramentale - mit dem wachsenden Bedürfnis nach Schutz segnet er zum Beispiel auch Feuerwehrautos oder Motorräder.

Jürg Schmid, was ist besser am Blasiussegen als an einem normalen Segen?

Jürg Schmid: Es ist die einzige Form, bei der den Leuten der Segen persönlich zugesprochen wird. Ganz wichtig ist, dass es durch die Kerzen zu einer Berührung zwischen dem Priester und den Gläubigen kommt. «Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheiten und allem Bösen», sind meine Worte, wobei es für uns keine strengen Vorschriften bezüglich Wortwahl gibt. Im Blasiussegen ist alles drin. Der Schutz vor Halskrankheiten, der auf die Legende der Lebensrettung eines Buben zurückgeht, und der Schutz vor bösen Mächten und der Dunkelheit.

Kommen deshalb mehr Leute?

Die Menschen legen Wert darauf, gesegnet zu sein. Es geht nicht nur um Halskrankheiten, sondern um Gesundheit grundsätzlich. Die Leute haben Ängste, die man ihnen durch die Segnung ein Stück weit nehmen kann. Aber sie müssen daran glauben.

Über den heiligen Blasius ist wenig bekannt. Weshalb erreichte er dennoch diesen Status?

Blasius ist einer der vierzehn Nothelfer. Zudem ist der Inhalt seiner Legende handfest, lebensbedrohlich. Deshalb haben die Menschen das Bedürfnis, sich von Gott schützen zu lassen. Beim heiligen Blasius suchen sie nach Geborgenheit, denn sie brauchen das Gefühl, gut aufgehoben zu sein.

Welche Bedeutung hat heute der kirchliche Segen grundsätzlich noch?

Das ist eine gute Frage. Die Menschen legen Wert auf den Segen, vor allem in Gedanken an mögliche lebensbedrohliche Umstände. Deshalb segne ich zum Beispiel auch das neue Feuerwehrauto. Was leider abgenommen hat, ist die Spende des Haussegens. Aber da sind wir auch selber schuld, weil wir zu wenig Personal haben. Es ist deshalb gut, dass die Leute in der Kirche manchmal etwas segnen lassen und mit nach Hause nehmen können. Auf jeden Fall ist in der Gesellschaft das Bedürfnis nach Schutz vorhanden. Denken Sie nur an die Töffsegnungen, zu denen richtige Menschenmassen fahren. Übrigens kann jeder Mensch Segen spenden. Einander Glück und Gesundheit wünschen geht auch in Richtung Segnen.

Beten die Menschen noch?

Ja, der grösste Teil betet.

Was macht Sie da so sicher?

Mich dünkt, dass der Mensch eine andere Dimension anzurufen sucht, die positive Energie ausstrahlt, wenn er in eine Krisensituation gerät oder an Grenzen stösst. Der Mensch spürt, dass er im Dualismus lebt, wobei das ein gefährliches Wort darstellt. Neben Licht ist auch Dunkel, und der Mensch hat das Bedürfnis, sich immer ins Licht zu schieben.

Die Fasnacht steht vor der Tür. Wie vertragen sich die närrischen Tage mit den zehn Geboten?

(Schmunzelt) Niemand hat etwas dagegen, dass man sich auch mal freut. Mal «eine duregä» ist schon in Ordnung, danach kann man sich auch wieder besser sammeln. Schade ist, dass es heute oft in Alkohol und Sex ausartet, was sich mit den zehn Geboten schlecht verträgt. Eigentlich ein positives Beispiel sind die Schnitzelbänke. Schauen Sie nach Basel. Da nehmen sie die Leute auf die Schippe und halten ihnen den Beichtspiegel vor. Ein guter Einstieg in die Fastenzeit.

Die Fastenzeit beginnt in zehn Tagen, am Aschermittwoch. Wie verhält sich ein guter Christ in den dann folgenden sechseinhalb Wochen bis Ostern?

Er nimmt sich einen guten Vorsatz. Worauf will ich verzichten, damit ich wieder das Wesentliche des Lebens erkennen kann? Was will ich verbessern? Wichtig ist, den göttlichen Kern in mir zu entdecken und auch den meines Gegenübers. Es darf keine Rolle spielen, wer dieser Mensch ist und ob ihm das Leben gelungen ist oder nicht. Das Wesentliche liegt darin, den Menschen zu vergeben. Das wünsche ich vor allem den vielen Ehen, die nicht funktionieren. Hier trägt man nicht nur Verantwortung sich selber oder dem Partner, sondern auch den Kindern gegenüber. Die Fastenzeit soll an Ostern in eine Versöhnungsfeier münden.

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