Fastenzeit
Pfarrer: «Fasten ist nicht dasselbe wie Hungern»

Bernhard Harnickell ist der Pfarrer des reformierten Pfarrkreises Derendingen. Er ist geübt im Verzichten und gibt seine Erfahrung an einer begleiteten Fastenwoche weiter. Er findet, Fasten dürfe nie Leistungssport sein, sondern eine Selbstfindung.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Bernhard Harnickell, der reformierte Pfarrer von Derendingen, begleitet die ökumenische Fastenwoche in Derendingen und Umgebung.

Bernhard Harnickell, der reformierte Pfarrer von Derendingen, begleitet die ökumenische Fastenwoche in Derendingen und Umgebung.

frb

29 Personen aller Altersgruppen nehmen derzeit an der Fastenwoche teil, welche die katholische Pfarrei Herz Jesu Derendingen und der reformierte Pfarrkreis Derendingen durchführen. Zum wiederholten Mal gibt es in der Fastenzeit eine begleitete Fastenwoche und das Interesse daran steigt von Jahr zu Jahr. Zusammen mit Pastoralassistentin Andrea Allemann ist der reformierte Pfarrer Bernhard Harnickell Leiter dieses ökumenischen Anlasses.

Am vergangenen Samstag wurde mit dem Nicht-mehr-Essen gestartet; sieben Tage lang gibt es jetzt nur noch Tees, Bouillon oder Fruchtsäfte. Sich durchs Fasten besser kennen zu lernen, Veränderungen in Angriff zu nehmen, sich auf Neues einzulassen – all das sollen die Fastentage in Gang setzen.

«Fasten ist auch eine spirituelle Angelegenheit und eine, die Körper, Seele und Verstand betrifft. Man kann also aus spirituellen Gründen, aus gesundheitlichen oder sozial-politischen Gründen fasten», sagt Harnickell und weist noch auf einen weiteren, wichtigen Aspekt hin: «Fasten ist nicht Hungern. Beim Fasten stellt der Körper von äusserer auf innere Ernährung um. Das heisst, er ernährt sich von seinen eigenen Vorräten. Dabei reinigt er sich auch, indem er Stoffe, die im Körper eine störende Rolle spielen, abbaut.»

Harnickell selbst ist ausgebildeter Fastenleiter und weiss alles übers Fasten. Fasten könne eigentlich jeder, der sich gesund fühle, so der Pfarrer. «Wichtig ist, dass man freiwillig fastet und eine positive Grundeinstellung dazu hat.» Dennoch unterschreibt jeder Kursteilnehmer, dass er auf sein eigenes Risiko fastet. «Ich kann keine Verantwortung übernehmen, denn ich bin kein Arzt», so Harnickell.

Jeden Abend trifft man sich

Harnickell ist mittlerweile ein geübter Faster. Er weiss, mit welchen Nebenerscheinungen beim Fasten zu rechnen sind. «Viele werden dünnhäutiger, bekommen in den ersten Tagen auch Kopfweh oder frieren etwas mehr. Ich spüre eigentlich keine wesentlichen, körperlichen oder emotionalen Veränderungen. Ausser dass man viel empfindlicher auf Gerüche reagiert.» Nicht ganz einfach sei es, während des Fastens zu kochen. «Doch ich habe auch schon gehört, dass einer Hausfrau gesagt wurde, während des Fastens koche sie viel besser.»

«Ich brauche mehr Ruhe»

Im Christentum ist das Fasten, insbesondere die Fastenzeit vor Ostern zwar ein Thema, doch so wichtig, wie beispielsweise bei den Moslems, sei das Fasten nicht mehr. «Es gab Heilige, die nur mit wenig Nahrung und ganz asketisch durchs Leben gingen und daher die Bewunderung der Gläubigen erhielten.» Doch stehe in der Bibel: «Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler». Fasten dürfe also nie Leistungssport sein, sondern ein Weg zur Selbstfindung.