Ist das Gorbatschow?» Die Frage eines Kollegen beim schnellen Blick auf meinen Bildschirm ist überhaupt nicht abwegig. Es fehlt nur das Muttermal auf der Stirn, und man könnte den Typ gut für den einstigen Generalsekretär der KPdSU halten, der 1990 den Friedensnobelpreis erhielt.

In Tat und Wahrheit stellt das Bild einen Landwirt aus dem Bucheggberg dar, der es zum Solothurner Landammann und zum Präsidenten der Finanzdirektorenkonferenz brachte. Das breite Gesicht, schütteres Haar, hohe Stirn, die listig geschnittenen Augen und die leicht spöttisch wirkenden Furchen neben den Mundwinkeln hat Christian Wanner mit dem letzten Präsidenten der Sowjetunion gemein.

Überraschung vom Sozialminister

Jahrelang hatte Wanner es abgelehnt, sich porträtieren zu lassen: «Für mich ist das eine überholte Tradition mit monarchischen Zügen, und ich bin zutiefst Republikaner.» Im Jahr 2011 wurde der bockige Finanzdirektor aber überrumpelt: Regierungskollege Peter Gomm zeigte Wanner ein fertiges Bild, das er, Gomm, selbst gemalt hatte – ohne Wissen des Porträtierten, ohne Auftrag und ohne Bezahlung.

Traditioneller in der Form ist das Porträt Walter Straumanns, in Öl gemalt vom Oltner Jörg Binz. Er zeigt den Bau- und Justizdirektor im Profil, sitzend und in eine verborgene Ferne blickend. Ob er sein langes politisches Wirken, sein Leben Revue passieren lässt?

Und das Knallige ganz rechts, ist das eine Fasnachtslarve? – So wie Klaus Fischer mit seiner Körpergrösse das Regierungsgremium überragte, so sticht auch sein Landammann-Porträt aus der Bilderreihe heraus. «Es erinnert an den Expressionismus der 1920er Jahre, der mir sehr gefällt», kommentiert der Bildungsdirektor. Geschaffen hat das Porträt Andreas Chiquet (Basel), als Zeichenlehrer und Konrektor am Gymnasium Oberwil BL ein früherer Arbeitskollege und enger Freund Klaus Fischers.

Porträts der Solothurner Landammänner – darunter drei Frauen – gibt es seit etwa 1940; bisher wurden 27 Bilder geschaffen.