Pestizide im Wasser
Medialer Aufruhr um Pestizidmessungen im Limpach – wie schlimm ist es wirklich?

Neuste Messungen zeigen: Der Limpach weist für 15 Pestizide erhöhte Werte auf - im Vorjahr waren es erst 10 gewesen. Das sagen Philipp Staufer vom kantonalen Amt für Umwelt und Landwirt Beat Wyss.

Ann-Kathrin Amstutz
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Der Limpach ist seit Jahren durch Pestizid-Rückstände stark belastet.

Der Limpach ist seit Jahren durch Pestizid-Rückstände stark belastet.

Oliver Menge

Die Nachricht klingt alarmierend: Laut neusten Messungen sind im Limpach die Messwerte von 15 Pestiziden erhöht. Deshalb hat sich das kantonale Amt für Umwelt (AfU) in einem Schreiben an die ansässigen Landwirte gewandt und sie gebeten, möglichst wenig Spritzmittel zu verwenden - ohne gleichzeitig aber auch Bevölkerung und Medien zu informieren. Daraufhin schossen die medialen Spekulationen ins Kraut: Will der Kanton einen erneuten Aufruhr um den Limpach verhindern? Oder gar die neusten Messresultate unter dem Deckel behalten?

«Prototyp eines schlechten Gewässers» und «Pestizid-Cocktail»: Diese wenig schmeichelhaften Attribute erhielt der Limpach bereits im Jahr 2016 von Behörden und Medien. Das kanalisierte Flüsschen geriet damals wegen stark erhöhten Pestizidwerten in den Fokus der Aufmerksamkeit.

So wurde der Limpach schweizweit bekannt:

Seit rund einem Jahr wird die Wasserqualität am Limpach nun permanent gemessen. Das Amt für Umwelt weitete damals das Netz an Messstellen im Kanton aus. Besonders in den intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten will man so kontrollieren, ob die Massnahmen wirken, damit möglichst wenige Giftstoffe in die Gewässer gelangen. Möglichst viele Pestizideinträge sollen dabei erfasst werden, nicht nur jene aus der Landwirtschaft. Das Ziel ist, die Risiken der Pestizide auf Mensch und Umwelt innert sechs Jahren zu halbieren.

Mehr Pestizide als im Vorjahr haben erhöhte Werte

Philipp Staufer, Abteilungsleiter Wasser des Amts für Umwelt.

Philipp Staufer, Abteilungsleiter Wasser des Amts für Umwelt.

Hansjörg Sahli

Die neusten Messungen, welche die Vegetationszeit 2020 abdecken, zeigen nun aber: Das Oberflächenwasser des Limpachs ist nach wie vor stark belastet. Die Werte von 15 Pestiziden sind erhöht – ein Jahr zuvor waren es erst 10. Philipp Staufer, Abteilungsleiter Wasser beim AfU, ordnet ein:

«Relevant ist nicht nur, wie hoch der Wert ist, sondern auch, wie lange und wie häufig er überschritten wird.»

Dieser Aspekt habe mitgespielt, dass sich das AfU in einem Schreiben an die Bauern vor Ort gewandt hat.

Einer der ansässigen Landwirte, die das Schreiben bekommen haben, ist Beat Wyss aus Oberramsern. Wyss führt einen grösseren Landwirtschaftsbetrieb und ist in der Region als Lohnunternehmer tätig. Er hätte es lieber gesehen, wenn das Schreiben auch direkt an die Medien gegangen wäre: «Die offene Kommunikation ist in dieser Angelegenheit sehr wichtig.» Sonst entstünde nur der falsche Eindruck, dass man etwas vertuschen wolle.

Detaillierte Infos fehlen im Schreiben

Zudem hätte sich Wyss detailliertere Informationen zu den Messungen gewünscht. Im Schreiben sei nur von «zu hohen Werten» die Rede gewesen – genaue Zahlen und die Umstände der Messungen seien nicht genannt worden. «Wie hoch sind die Werte genau, wann wurde gemessen, nach einem Regen oder an einem trockenen Tag?» Ohne diese Infos wisse er mit dem Schreiben des Kantons nicht viel anzufangen.

Philipp Staufer entgegnet: «Im Rahmen einer ersten Infoveranstaltung haben wir den Landwirten versprochen, die Mess-Resultate vorab mit ihnen zu teilen, bevor diese öffentlich zugänglich gemacht werden. An dieses Versprechen halten wir uns.» Wegen der Pandemie musste ein zweiter Infoanlass auf den Herbst verschoben werden. So veröffentlicht das AfU momentan keine genauen Zahlen zu den Messungen von 2020.

«Wir Bauern haben nichts Verbotenes getan»

Landwirt Beat Wyss aus Oberramsern.

Landwirt Beat Wyss aus Oberramsern.

Hansjörg Sahli

Beat Wyss ist ein grosser Unterstützer der Messungen. Was ihn aber stört, ist die Fixierung auf die Landwirtschaft: «Oft wird die Landwirtschaft an den Pranger gestellt und für die hohen Werte verantwortlich gemacht.»

Dabei seien all die Mittel, deren Rückstände nun das Wasser belasten, über Jahre hinweg bewilligt gewesen: «Wir Bauern haben nichts Verbotenes getan.» Zudem sei auch der Schadstoffeintrag aus dem Abwasser relevant: «Der Eintrag aus Medizin, Haushalten und Industrie sollte in den Messungen mit einbezogen werden.»

Wasser wird noch jahrelang belastet sein

Wie reagiert Wyss auf den Appell des Amtes für Umwelt? Er sagt: «Bezüglich Pestizideinsatz kann ich auf meinem Betrieb schlicht nicht mehr viel besser machen.» Er habe schon an allen Orten optimiert: Bei den Zuckerrüben konnte Wyss den Spritzmittel-Einsatz in zwei Jahren um 90 Prozent verringern, indem er eine neu gezüchtete Sorte verwendet. Und durch das Ansäuren von kalkhaltigem Wasser braucht er bis zu einem Drittel weniger Spritzmittel.

Auch wenn alle Landwirte im Limpachtal sofort aufhören würden zu arbeiten, wäre das Wasser in zehn Jahren noch mit Rückständen belastet. Die Wasserqualität wird also weiter zu reden geben.