Gewässer
Pestizidcocktail in den Flüssen soll Fischen und Fischessern nicht schaden

Schon geringe Konzentrationen von Pestiziden haben Auswirkungen auf Kleinstlebewesen. Für Fische und Fischesser soll aber keine Gefahr bestehen, denn Pflanzenschutzmittel reichern sich in Fischen kaum an.

Simon Binz
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Ein Leser wollte wissen, ob Forellen wegen des Pestizidcocktailsüberhaupt noch bedenkenlos geniessbar seien.

Ein Leser wollte wissen, ob Forellen wegen des Pestizidcocktailsüberhaupt noch bedenkenlos geniessbar seien.

Jürg Amsler

Letzten Freitag berichtete diese Zeitung über den Pestizidcocktail im Limpach. Zur Erinnerung: Das Wasserforschungsinstitut Eawag hatte im Auftrag des Bundes die bisher umfassendste Studie zu Pestiziden in den Schweizer Gewässern durchgeführt. Die Forscher kamen zum Schluss: Alle fünf untersuchten Flüsse enthalten einen regelrechten Pestizidcocktail.

Kontrolliert wurde zwischen März und Juli 2012 auch der Limpach. Dort wurden insgesamt 69 verschiedene Pestizide registriert. Im Artikel vom Freitag stand, dass die Autoren der Studie eine Beeinträchtigung der Organismen (Kleinstlebewesen wie Köcherfliegenlarven und Bachflohkrebse) in den Gewässern nicht ausschliessen können. Für den Menschen hingegen seien die Pestizide wegen der so gesehen geringen Konzentrationen nicht bedenklich.

Pestizide in Früchten und Gemüse

Auf den Artikel hin meldete sich ein Fischer und Mitpächter des Limpachs bei der Redaktion und wollte mehr zu den Auswirkungen der Pestizide auf die Fische des Gewässers wissen. Konkret fragte er: «Sind die Forellen unter diesen Umständen überhaupt noch bedenkenlos geniessbar?»

Tatsächlich war dieser Aspekt nicht Teil der Studie von Eawag.

Eine Anfrage bei der kantonalen Lebensmittelkontrolle bringt aber Klarheit: «Moderne Pflanzenschutzmittel sind rasch abbaubar und reichern sich in Fischen kaum an», gibt Kantonschemiker Martin Kohler Entwarnung. Deshalb seien Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Fischen auf dem Teller kein Thema.

Vielmehr würden beim Verzehr Tierarzneimittel (Zuchtfisch), Schwermetalle (Fisch aus Übersee) sowie Dioxine und PCB (Abgase und Chemikalien) im Fokus stehen. Zusammenfassend erklärt der Kantonschemiker: «Für die Konsumenten ist die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln durch Rückstände auf Früchten und Gemüse von Bedeutung, aber nicht durch den Konsum von tierischen Lebensmitteln wie zum Beispiel Fisch.»

Juliane Hollender, Mitautorin der Gewässer-Studie ergänzt: «Viele Lebensmittel enthalten eine geringfügige Belastung mit Pestiziden. Sie werden aber auch regelmässig daraufhin überprüft, ob Grenzwerte überschritten werden.» Die Leiterin der Eawag-Abteilung für Umweltchemie rät darum zu «einer ausgewogenen Ernährung mit verschiedenen Lebensmitteln».