Grundwasser

Pestizid-Rückstände müssen weg, hilft der Kanton den Gemeinden?

Bei vielen Solothurner Wasserversorgungen (Bild: Grundwasserpumpwerk Gheid in Olten) ergaben Messungen zu hohe Pestizidrückstände.

Bei vielen Solothurner Wasserversorgungen (Bild: Grundwasserpumpwerk Gheid in Olten) ergaben Messungen zu hohe Pestizidrückstände.

Vor allem im Gäu und im Wasseramt hat es zu viel Rückstände eines potenziell gesundheitsgefährdenden Pflanzenschutzmittels im Trinkwasser. Als Träger der Wasserversorgungen müssen die Gemeinden für Abhilfe sorgen. Der Regierungsrat äussert sich vage zu einer Kostenbeteiligung des Kantons.

Der Begriff ist sperrig, aber seit einigen Monaten in aller Munde: Chlorothalonil, ein Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln gegen Pilzbefall. Der seit den 1970er -Jahren in der Landwirtschaft verwendete Stoff selber wird im Boden gut zurückbehalten und abgebaut. Dabei entstehen aber Abbaustoffe die in das Grund- und damit auch Trinkwasser gelangen und im Verdacht stehen, gesundheitsgefährdend zu sein. Und der Kanton macht nur zögerliche Anstalten, den Gemeinden bei der Bewältigung der Konsequenzen beizustehen.

Nach aktuellem Kenntnisstand liegt im Kanton Solothurn bei einem Grossteil der Wasserversorgungen im Gäu und im Wasseramt die Konzentration des Abbaustoffs Chlorothalonilsulfonsäure im Trinkwasser im Bereich des gesetzlichen Höchstwerts oder darüber. Nun müsste man zwar laut den zuständigen Bundesstellen selbst bei massiven Grenzwertüberschreitungen unrealistische Unmengen von Wasser konsumieren, damit allenfalls eine Gesundheitsbeeinträchtigung möglich wäre. Die Wasserversorgungen haben aber jetzt auf Verfügung des Gesundheitsamts aufzuzeigen, mit welchen Massnahmen sie den Höchstwert innert maximal zwei Jahren einhalten wollen. Im Vordergrund steht dabei, belastetes Wasser mit Wasser aus unbelasteten Wasserversorgungen zu mischen.

Der Kanton hat keinen Interpretationsspielraum

Das kann aufwendig und für die Gemeinden als Träger der Wasserversorgungen teuer werden. Und beim Kanton zeigt man sich bezüglich einer finanziellen Beteiligung an den notwendigen Massnahmen eher zurückhaltend, wie aus einer am Dienstag verabschiedeten Stellungnahme des Regierungsrats zu einem Vorstoss von FDP-Kantonsrätin Johanna Bartholdi (Egerkingen) hervorgeht. Die Siedlungswasserwirtschaft sei grundsätzlich Aufgabe der Gemeinden, entsprechend hätten die Wasserversorgungen die Kosten des Fungizid-Problems zu tragen. Sofern die Erstellung oder Erweiterung von Wasserversorgungsanlagen einen regionalen Charakter aufweist, kann sich der Kanton mit 35 Prozent an den Gesamtkosten beteiligen. Dies dürfte bei den bisher bekannten Lösungsansätzen der Gemeinden «zum Teil der Fall sein», äussert sich die Regierung vage zur Absicht einer Kostenbeteiligung.

Dass man beim Gesundheitsamt in Sachen Chlorothalonil überreagiert habe, wie Bartholdi und 21 Mitunterzeichner ihrer Interpellation suggerieren, davon will man gar nichts wissen. Man habe die entsprechenden Weisungen und Vorschriften auf Bundesebene vollzogen und die rechtlichen Bestimmungen würden hier keinen Interpretationsspielraum bieten. Die Lebensmittelkontrolle habe ihre Aufsichtspflicht wahrgenommen und «sowohl bezüglich den Interessen der Konsumenten als auch der Wasserversorgungen stets korrekt und mit Augenmass gehandelt», so der Regierungsrat.

Allerdings kommt aus dem Rathaus Kritik an den Bundesbehörden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Bund mittels Weisung die Umsetzung von Massnahmen in relativ kurzer Zeit verlangt und gleichzeitig der problematische Wirkstoff Chlorothalonil weiterhin angewendet werden darf, bekräftigt die Regierung ihre Forderung nach einem Verbot. Die Lösung des Problems könne nicht allein Sache der Wasserversorgungen sein. Als Zulassungsbehörde für Pestizide sei das Bundesamt für Landwirtschaft in der Pflicht, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit Chlorothalonil «umgehend zu verbieten».

Dieser Forderung schliesst sich auch der Solothurner Bauernverband an. Dass die Umsetzung eines schweizweiten Verbots vielleicht noch zwei Jahre dauern kann und die Wasserversorger gleichzeitig verpflichtet werden, innert kürzester Frist neu definierte Grenzwerte einzuhalten, sei unverständlich. Der Bauernverband bekräftigt seinen Aufruf an die Landwirte, freiwillig auf chlorothalonilhaltige Pflanzenschutzmittel zu verzichten und sich für die nächste Anbausaison nach alternativen Produkten oder alternativen Anbaumethoden umzusehen.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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