Im Falle des «peruanischen Thrillers», der sich am 17. Mai 2016 im beschaulichen Oberdorf abgespielt hat, sind am Freitag die Urteile eröffnet worden. Das Amtsgericht Solothurn-Lebern verurteilte die beiden Täter für den Raubüberfall wegen mehrfachen qualifizierten Raubes, wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung zu sechseinhalb Jahren Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von je acht Jahren gefordert. Die Verurteilten, beide gebürtige Peruaner, müssen den geschädigten Frauen Schadenersatz leisten sowie Genugtuung in der Höhe von 25'000 Franken (Mutter) und 5000 Franken (Tochter) bezahlen.

«Die Qualität des Raubüberfalls ist in unseren Breitengraden besonders gravierend», sagte Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten in seiner Urteilsbegründung. Am Körper der Mutter seien «alarmierende Spuren von Gewalt» festgestellt worden, zum Beispiel Würgemale. Ihre psychische Verletzung komme einer Vergewaltigung nahe.

Der Ablauf des Überfalls – bei dem die Täter vergeblich auf eine Beute von zwei Millionen Euro aus angeblichem Drogenhandel hofften –, lasse sich allerdings nicht im Detail rekonstruieren. Deshalb ging das Gericht nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» von drei hierarchisch gleichwertigen Tätern aus. Die «Räubergeschichte» von einem angeblichen peruanischen Polizeichef «Carlos», der die beiden Beschuldigten nach deren eigenen Angaben zur Tat angeworben und angeführt haben soll, sei aber unrealistisch.

Bei den zwei Opfern handelt es sich um die Schwester und die Nichte des damaligen peruanischen Staatspräsidenten.  

Richter statt Millionen: Prozess um Überfall auf Präsidenten-Schwester

Richter statt Millionen: Prozess um Überfall auf Präsidenten-Schwester

Das grosse Geld wollten zwei Peruaner von der Schwester des peruanischen Präsidenten rauben. Statt einer Millionenbeute droht ihnen nun der Knast. Bericht vom 9. August.