Obergericht

Peruanisches Räuberduo erhält fast zwei Jahre Strafmilderung

Nach Überfall von Präsidentenschwester: Räuber fordern mildere Strafe

Nach Überfall von Präsidentenschwester: Räuber fordern mildere Strafe

Vor drei Jahren wurde die Schwester des ehemaligen peruanischen Präsidenten und ihre Tochter im solothurnischen Oberdorf brutal überfallen. Die beiden Räuber wurden zu je 6.5 Jahren Gefängnis verurteilt und wollen nun vor dem Obergericht eine mildere Strafe erkämpfen.

Im Mai 2016 wurden in Oberdorf zwei Frauen überfallen, gefesselt und bestohlen. Dafür wurden die beiden peruanischen Räuber zu 6,5 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Nun streiten sie jedoch ab Beute gemacht zu haben und erhielten am Obergericht eine Strafmilderung von fast zwei Jahren.

Im Mai 2016 wurden in Oberdorf die Schwester des ehemaligen peruanischen Staatspräsidenten und deren erwachsene Tochter überfallen und gefesselt. Die beiden peruanischen Einbrecher, 35 und 37 Jahre alt, hofften beim Überfall auf einen Koffer mit über einer halben Million Franken. Nachdem die Frau und Tochter gefesselt wurden, haben die Einbrecher das Haus durchsucht. Währenddessen gelang es den beiden Opfern, sich ins Freie zu begeben und die Nachbarschaft zu alarmieren. Mindestens einer der Täter führte eine Faustfeuerwaffe mit sich. Wie sich später herausstellt, handelte es sich bei der Waffe um eine schwarz lackierte Spielzeugpistole. Mehrere Hundert Franken und eine Halskette im Wert von 20'000 Franken konnten die Einbrecher beim Überfall stehlen und flüchteten danach.

Im August 2018 wurden sie wegen gefährlichem Raub, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung zu 6,5 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Die Beute wird nun aber von den Tätern abgestritten. Die beiden Peruaner wollen nur eine Verurteilung wegen versuchtem Raub und damit auch eine tiefere Gefängnisstrafe.

Staatsanwalt Raphael Stüdi sieht das aber anders. Er kann sich schlichtweg nicht vorstellen, dass die beiden Opfer dies hätten erfinden sollen und geltend gemacht haben, es seien ihnen wenige hundert Franken gestohlen worden, wenn das nicht der Fall gewesen ist. Die beiden Frauen sind überwältigt worden, sind geschlagen und bedroht worden. Man hat sie geknebelt, die eine Frau wurde auch noch gewürgt. Von dem her sei eigentlich klar, dass es ein besonders schlimmer Raub sei und entsprechend scharf bestraft werden müsste.

Der Würgeangriff ist ziemlich umstritten, da die Geschichte vom Opfer mehrmals anders geschildert worden ist. Für die Oberrichter wird die gesamte Tat als weniger gravierend eingeschätzt als von den Amtsrichtern. Sie verurteilen die beiden Peruaner zwar wegen Raub, senkten aber die Gefängnisstrafe um fast zwei Jahre auf 4 Jahre und 7 Monate beziehungsweise 4 Jahre und 8 Monate.

Nach dem Überfall 2016 nahmen die Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft Solothurn umfangreiche Ermittlungen auf. Mit Unterstützung durch die Bundeskriminalpolizei sowie durch Behörden in Deutschland, Frankreich und Italien konnten die Strafverfolgungsbehörden zwei Tatverdächtige ausfindig machen und international zur Verhaftung ausschreiben.

Einer der Tatverdächtigen wurde in Deutschland festgenommen und an die Schweizer Behörden überstellt. Der andere Mann wurde in Italien festgenommen und befand sich zu der Zeit dort in Haft.

Seit dem Überfall litt die Mutter unter derart schweren psychischen Problemen, dass sie sich vom Prozess 2018 ärztlich dispensieren liess. Die Frau sei beim Überfall geschlagen und gewürgt worden, wofür niemand der Angeklagten geradestehen wollte. Ansonsten waren sie aber grundsätzlich geständig. Allfällige Lügen im Verfahren entschuldigten sie mit der Sorge um ihre Familien in Lima. Die Tochter, anders als ihre Mutter, sei seit dem Überfall nicht in psychologischer Behandlung. Das Bild von ihrer Mutter am Boden mit einer Pistole im Gesicht, werde sie aber trotzdem ein Leben lang nicht vergessen. 

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