Personalausschreibung
Es gibt definitiv keinen «Mister Pandemie» für den Kanton Solothurn – eine andere Stelle wird aber besetzt

Die Ausschreibung neuer Stellen im Departement des Innern (DDI) von Regierungsrätin Susanne Schaffner Ende April lösten auch einen Vorstoss im Kantonsrat aus. Doch die Suppe wird nicht so heiss gegessen: Einen «Mister Pandemie» gibts nicht, aber mit Philipp Kummli immerhin einen Kommunikationschef im DDI.

Urs Mathys
Drucken
Teilen
Ihre Personalrekrutierung warf Fragen auf: Susanne Schaffner (SP).

Ihre Personalrekrutierung warf Fragen auf: Susanne Schaffner (SP).

Thomas Ulrich

Im Zuge der Bewältigung der Coronapandemie-Folgen wurden Ende April für das Departement des Innern ein Stabschef Pandemie und ein Kommunikationschef gesucht – beide Jobs gemäss Inserat mit beachtlichen Kompetenzen- und Aufgabengebieten ausgestattet. Die vollmundigen Ausschreibungen lösten auch bei der FDP-Fraktion des Kantonsrates Stirnrunzeln aus.

Deren in einer Interpellation im Parlament eingebrachten Fragen gipfeln in den Bedenken, «wie weit das Amt für Gesundheit respektive das Departement des Innern eine unnötige Parallelstruktur zum (bestehenden) kantonalen Führungsstab aufbaut und ob es nicht zielführender wäre, Kommunikation und Stabsarbeit des Regierungsrates weiterhin übergeordnet und aus einer Hand sicherzustellen».

Mit einem beim Gesundheitsamt angesiedelten Fachstab Pandemie würden keine Parallelstrukturen geschaffen, werden diese Bedenken nun von der Regierung in ihrer schriftlichen Antwort auf die FDP-Interpellation beschwichtigt: So könnten die «vorübergehend anfallenden operativen und kommunikativen Aufgaben sowie die Koordination mit den Regelstrukturen» wahrgenommen und Synergien geschaffen sowie Fachwissen gebündelt werden. «Schlüsselpersonen im Fachstab Pandemie sind der Kantonsarzt und der Chef Gesundheitsamt», schreibt die Regierung und: «Die Strukturen des Fachstabs sind flexibel und vorübergehend. Sie können rasch wieder auf das Niveau zurückgefahren werden, das für die üblichen Massnahmen zur Pandemiebekämpfung (nicht nur in Bezug auf Covid-19) erforderlich ist.»

Philipp Kummli als Chef Kommunikation bestimmt

Immerhin eine der beiden ausgeschriebenen Stellen wird nun tatsächlich wie vorgesehen besetzt, wie Schaffners Departementssekretär Heinrich Schwarz auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt: Philipp Kummli, unter anderem früherer Radiomoderator und aktuell Mitarbeiter im Departement von Verteidigungsministerin Viola Amherd, wird das Amt als Chef Kommunikation im DDI am kommenden 1. September antreten.

Kummlis Job ist mit 80 Prozent dotiert und soll gemäss Antwort der Regierung «die 50 Stellenprozente der bisherigen Ressourcen ersetzen». Angesichts der hohen Bedeutung der Kommunikation und wegen des gestiegenen Informationsbedarfes sei diese Aufstockung nötig.

Die Schaffung dieser Stelle Chef Kommunikation im DDI bedeute keine Abkehr von der bisherigen Informationspraxis, in welcher der Staatskanzlei eine zentrale Rolle zukommt, hält der Regierungsrat fest. Die Kommunikationsstrategie der Regierung halte grundsätzlich am bisherigen dualen System – mit dezentraler Kommunikation aus den Departementen und zentraler Kommunikation aus der Staatskanzlei mit deren 270 Stellenprozent – fest, wird betont.

Nichts geworden ist aus dem zweiten – vermeintlichen – Superjob des «Stabschefs Pandemie»: Dieser hätte gemäss Stelleninserat «den Fachstab Pandemie operativ in der aktuellen Pandemie, bei deren Aufarbeitung sowie zur Vorsorge künftiger Ereignisse führen» sollen. Diese Aufgabe wird mittlerweile bloss noch als «Leiter Führungsunterstützung» umschrieben, der unabhängig vom Fachstab Pandemie auch die Leitung der Abteilung Pandemievorsorge und -bewältigung zu betreuen hat. Bernhard Schütz wird diesen Job per 1. Oktober antreten und mit dem Fachstab Pandemie dem Chef des Gesundheitsamtes, Peter Eberhard, unterstellt sein (wir berichteten).

Schütz bringe «eine breite Erfahrung in der Führung, im Gesundheitswesen und in der kantonalen Verwaltung mit und hat den Fachstab Pandemie bisher teilzeitlich auf Mandatsbasis in der Pandemiebekämpfung unterstützt», führt Gesundheitsamtchef Eberhard dazu aus.

Massiver – meist befristeter – Stellenausbau nötig

Generell will die FDP-Fraktion in ihrer Interpellation wissen, wie viele zusätzliche Stellenprozente im Departement des Innern/Gesundheitsamt seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 aufgebaut worden sind. Dazu schreibt die Regierung, dass das betroffene Globalbudget Gesundheitsamt Ende 2020 um 37,7 Pensen überschritten worden sei. Dabei habe es sich grösstenteils um befristete Stellen im Bereich des Contact-Tracing gehandelt. Im Zusammenhang mit zusätzlichen operativen Aufgaben rund um Impfen, Testen, Veranstaltungen und Covid-19-Zertifikat hätten die Pensen ab Januar bis Mitte 2021 bis auf 54 Pensen erhöht werden müssen – «ausschliesslich durch befristete Anstellungen», wie betont wird.

Und die Regierung macht auch gleich klar, dass angesichts der anhaltenden Pandemiedauer sicher «auch 2022 zusätzliche befristete Ressourcen benötigt» würden.

Aktuelle Nachrichten