Persönlich
Wer kann da von wem lernen?

Balz Bruder
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Angela Merkel krebste zurück.

Angela Merkel krebste zurück.

Clemens Bilan / EPA

Es hat sich irgendwie so eingebürgert. Wenn ganz wichtige Gremien ganz wichtige Entscheidungen zu fällen haben, tun sie dies nicht tagsüber, sondern in der Nacht. Es tönt dann dramatischer: «Um 2.45 Uhr in der Früh einigten sich die Spitzen von ...» ist etwas anderes als «Um halb vier nachmittags konnten sich die Spitzen von darauf verständigen, dass ...»

Das kam mir jüngst in den Sinn, als die Bundeskanzlerin, die ich hoch schätze, mitten in der Nacht verkündete, sie habe sich mit den Ministerpräsidenten besprochen und für Ostern einen Lockdown verhängt. Nun, der Beschluss hatte nicht lange Bestand. Nur einen Tag später nahm sie ihn zurück und bat um Verzeihung. Was für ein Eingeständnis für fehlende Vorabklärungen über die Durchführbarkeit der neuerlichen öffentlichen Schockstarre. Was für ein Reputationsschaden für die Regierung, die es einfach nicht auf die Reihe kriegt.

Was an der ganzen Sache etwas Sorge macht: In unserem nördlichen Nachbarland pochen die Länder nun auf mehr Mitsprache und Entscheidungsgewalt. Ein Blick in den Süden würde lehren, dass mehr Föderalismus in der Krise nicht unbedingt hilft. Allerdings ist Bayern fast doppelt so gross wie die Schweiz. Da erscheint etwas mehr Ellenbogenfreiheit wohl tatsächlich einigermassen sinnvoll, oder?