Persönlich
Silvios Hymnen-Boykott

Betet freie Schweizer, betet. Der religiöse Touch der Landeshymne passt nicht allen in den Kram.

Urs Moser
Urs Moser
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Schweizer Fans fiebern mit der Nati mit.

Schweizer Fans fiebern mit der Nati mit.

Toto Marti/Freshfocus

Mein alter Freund Silvio hat manchmal schräge Ideen. Er halte nichts von den Kontroversen um die Fussball-WM in Katar, hat er mir erzählt. Boykottaufrufe und all das: scheinheilig. Aber ja, bei den Spielen der Schweizer Nati werde auch er die ersten zehn Minuten der Übertragung boykottieren.

Was denn das nun soll, fragte ich, das ergebe doch keinen Sinn. Doch, wegen der Nationalhymne, sagte Silvio. Er mit seinen italienischen Vorfahren sei Schweizer und Patriot durch und durch, aber mit der Religion habe er es gar nicht. Eine Hymne, die ihn zum Beten im Morgenrot auffordert, da müsse endlich eine andere her.

Das sei doch mehr Folklore, versuchte ich zu beschwichtigen. Entscheidend sei doch, dass die Verfassung unseres Landes ihm, Silvio, das Recht garantiert, nach Belieben einen anderen als den christlichen oder auch gar keinen Gott anzubeten. ­Glaubensfreiheit, weisch Silvio.

Da fängts doch an, putzte mich mein Freund ab. Mit einer Garantie im Namen Gottes des Allmächtigen könne er als Agnostiker nicht viel anfangen, es müsse auch gleich eine neue Verfassung her.

Was soll ich sagen, Silvio verblüfft mich immer wieder. Mal schauen, vielleicht schalte ich den Fernseher doch auch zehn Minuten später ein.