Persönlich
Torsch(l)usspanik

Noëlle Karpf
Noëlle Karpf
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Kennen Sie das? Man geht durchs Leben und verwendet ein Wort. Bis man merkt: Es stimmt so gar nicht. Als Kind sprach ich etwa vom «Geheimlis». Bis ich feststellte, dass statt des «L» ein «N» hineingehört. Mittlerweile habe ich diesen Schlag verkraftet. Man sagt halt Geheimnis. Es heisst ja auch nicht «Finsterlis» oder «Wildlis».

Deutlich länger gebraucht habe ich, bis ich gerafft habe, dass die «Torschusspanik» nur in meinem Vokabular existiert. Obwohl ich «meine Variante» schon noch sinnvoll finde: Die Stürmerin oder der Stürmer sprintet in den Sechzehner, wird dann vom nackten Grauen gepackt und pfeffert den Ball panisch ins Aus.

Aber eben: Es heisst Torschlusspanik – mit «L». Das Bild der Person, die im Mittelalter kurz vor Einbruch der Dunkelheit total gestresst aufs Stadttor zurennt, weil sie, wenn sie den Torschluss verpasst, draussen nächtigen muss, leuchtet ja schon noch ein.

Immerhin: Als ich das letzte Mal Google benutzt habe, um zu überprüfen, ob es richtig ist, wenn ich in meiner Kolumne erkläre, dass es Torschluss heisst, habe ich festgestellt, dass ich nicht alleine bin mit meiner Verwirrung, auch andere kennen diese. Kein Grund für irgendwelche Panik. Drum mach ich aus dieser Schwäche auch kein Geheimnis. Und schon gar kein Geheimlis.

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