Wasserpolizei Solothurn

Patrouille auf der Aare: Luftmatratze und «Bötli» müssen beschriftet sein

Pascal Studer, Leiter der Sondergruppe Schifffahrt, sagt, er habe den schönsten Beruf. Allerdings hat auch dieser Schattenseiten.

Pascal Studer, Leiter der Sondergruppe Schifffahrt, sagt, er habe den schönsten Beruf. Allerdings hat auch dieser Schattenseiten.

Unterwegs mit der Sondergruppe Schiffahrt: Die Wasserpolizei ist für die Kontrollfahrten auf der Aare bestens ausgerüstet - auch mit Filzstiften. Wieso denn das? Pascal Studer von der Kapo SO erklärt und berichtet vom «schönsten Job im Kanton».

Wenn Pascal Studer auf der Aare Patrouille fährt, darf derzeit eines nicht fehlen: eine Handvoll wasserfeste Filzstifte. Studer, der die Sondergruppe Schifffahrt der Kantonspolizei Solothurn leitet, schaut, dass auf der Aare möglichst alle Schwimmgeräte mit Adressen und Telefonnummern beschriftet sind – vom Schwimmring bis zum Gummiboot.

Vielen Leuten sei es nicht bewusst, sagt er. «Aber sobald jemand mit einer Luftmatratze unterwegs ist, fällt dies unter das Binnenschifffahrtsgesetz.» Eigentlich müsse er jeden verzeigen, der mit einer unbeschrifteten Schwimmhilfe unterwegs sei. Wirklich?

Klingt übertrieben, hat aber einen guten Grund. Herrenlos herumtreibende Schwimmkissen oder Gummiboote können schnell einmal eine grössere Suchaktion auslösen. Hat die Polizei aber eine Adresse, kann sie abklären, ob die Einsatzkräfte überhaupt ausrücken müssen.

Fast-Kollisionen mit Kursschiffen

Auf der Aare herrscht an heissen Tagen Hochbetrieb. An Wochenenden lassen sich oft Hunderte auf dem Wasser treiben. Vor allem zwischen Altreu und Solothurn – dem Brennpunkt auf den kantonalen Gewässern. Hier kommen sich Kursschiffe und Gummiboote oft in die Quere. Und das könne gefährlich werden, sagt Studer. Denn: «Die MS Rousseau beispielsweise hat einen Bremsweg von über 300 Metern.» Es habe schon einige Fast-Kollisionen gegeben.

Vom Mai bis Ende Oktober macht die Polizei mit ihrem Boot monatlich acht bis zwölf Kontrollfahrten. Die Sondergruppe Schifffahrt soll für Sicherheit und Ordnung sorgen, auf allen Gewässern des Kantons. Deshalb übten sie sogar auf dem Bellacher Weiher, sagt Studer. Falls jemand dort ertränke oder Hilfe benötige, müssten sie die Zugänge kennen und das Wasser einschätzen können.

Hightech auf dem Polizeiboot

Im Bootshaus beim Hafen Lido bereitet sich der 46-Jährige und sein Arbeitskollege, Lukas Schwegler, auf den Einsatz vor. An den Wänden hängen Seile, Netze, Rechen, auf einer Ablagefläche steht ein Notfallkoffer mit Verbandsmaterial und Sauerstoffflasche. Es gibt aber auch Hightech: Die Polizei verfügt über eine Wärmebildkamera sowie eine Unterwasserkamera, und das Polizeiboot, die MS Biber, ist ausgestattet mit GPS, Radar und einem Sonar.

Mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h geht es in Richtung Altreu. Schwegler sitzt hinter dem Steuer und Studer vorne beim Bug. Auf Höhe des Bellacherranks sichtet er in der Ferne ein Gummiboot. «Das werden wir ansteuern», sagt er und bringt sich in Stellung. Die beiden jungen Männer im Gummiboot schauen ziemlich verdutzt, als sie mitten auf der Aare von der Kantonspolizei angehalten werden.

Studer erklärt ihnen, warum sie ihr Boot anschreiben müssen, und streckt ihnen Filzstifte entgegen. Er fragt erst, welche Farbe sie möchten und sagt dann: «Eigentlich müssten wir eine Anzeige machen. Weil das aber noch kaum jemand weiss, sind wir jetzt noch gnädig.» Ohne zu zögern, beschriften die jungen Männer ihr Boot. Und dürfen dann weiterziehen. Irgendwann sei es aber vorbei mit der Prävention, sagt Studer, während das Polizeiboot wieder Fahrt aufnimmt.

Es brauche Fingerspitzengefühl. «Wir arbeiten dort, wo andere ihre Freizeit verbringen. Die Leute auf dem Wasser wollen nicht Ärger verursachen, sondern ausspannen.» Dennoch müsse er zuweilen durchgreifen. Diese Erfahrung machten etwa die Taucher, als Studer das Tauchverbot auf der Aare durchzusetzen begann.

«Prüfe lieber einmal zu viel»

Es geht nun Richtung Stadt. Vorbei an planschenden Kindern beim Campingplatz, vorbei an der Badi, vorbei an einem Fischer bei der Wengibrücke. Sonnenstrahlen glitzern auf dem Wasser, ein leichter Wind sorgt für Kühlung. «Ich habe den schönsten Job im Kanton», sagt der Polizist. Auf der Höhe des «Solheure» greift er zum Feldstecher. «Da liegt einer komisch am Boden», sagt er und gibt ein Zeichen. Schwegler steuert das Boot zur Treppe am Ritterquai. Ein Mann in Unterhosen ausgestreckt auf der untersten Treppenstufe, daneben eine Bierdose. «Alles gut?», fragt Studer. Der Mann dreht sich, schaut, lallt etwas. Seine Bekannten geben Entwarnung. Sie würden schon aufpassen.

Auf Patrouille mit der Wasserpolizei der Kapo Solothurn

Auf Patrouille mit der Wasserpolizei der Kapo Solothurn: Die Reportage von «TeleM1»

«Ich prüfe lieber einmal zu viel». So konnte er einmal eine Frau vor dem Selbstmord bewahren. Sie sass zwischen Lido und Lehman-Werft am Aareufer. An ihr Kind hatte sie bereits einen Abschiedsbrief geschrieben. Doch woher wusste er, dass sie sich umbringen wollte? «Sie hatte ihre Füsse im Wasser und trug dabei Schuhe.» Das sei ungewöhnlich gewesen. Die Frau sei so stark betrunken gewesen, sie hätte kaum noch schwimmen können.

Tragischer sind Kinderleichen

Tragischer als Suizide findet Studer jedoch, wenn er eine Kinderleiche bergen muss. Vor drei Jahren hat er nach einer elfstündigen Suchaktion den toten Körper einer Siebenjährigen gefunden. Er sei irgendwie erleichtert gewesen. «Dass wir eine Leiche suchen mussten, war ja bereits klar.» So aber konnten die Eltern Abschied nehmen. «Eine zwei Wochen alte Wasserleiche hingegen kann man nicht mehr zeigen.»

Zurück im Lido machen die Polizisten eine Pause. Aus den Boxen des Restaurants ertönt Salsa, Palmen säumen den Weg. Die Aare wirkt harmlos und ruhig. Auf dem Gummiboot treiben soeben die beiden jungen Männer vorbei.

Meistgesehen

Artboard 1