«Der Einbruch der Passagierzahlen im vergangenen Jahr ist massiv. Da gibt es nichts zu beschönigen.» Thomas Erne, Geschäftsführer der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft (BSG), zeigt sich transparent und nennt auf Anfrage die genauen Zahlen, die tatsächlich nicht schön aussehen.

Ob auf der Aare oder auf dem Bieler-, Murten- und Neuenburgersee, die Zahl der Fahrgäste ist gegenüber dem Vorjahr massiv eingebrochen. Insgesamt resultierte ein Minus von fast einem Viertel. Erne nimmt die Entwicklung auch deshalb nicht auf die leichte Schulter, weil sich die Zahlen selbst gegenüber 2011 überall verringerten.
«Wir sind extrem wetterabhängig»

Trotzdem versucht der «oberste Kapitän» der Bielersee- und Aareflotte, die schlechte Saison stichhaltig zu begründen. «Im ersten Halbjahr und teilweise im Herbst herrschte schlechtes Wetter.»

Zudem habe man während zehn Tagen im Frühling wegen Hochwasser die Aare nicht befahren können. «Die Schifffahrt ist mit einem Faktor eins zu zehn extrem wetterabhängig», erläutert Erne.

Zusätzliches Wetterpech sorgte im Herbst für rückläufige Frequenzen. An den wichtigen Wochenenden mit den Winzerfesten in den Bielersee-Gemeinden habe es oft geregnet. Selbst das Eidgenössische Turnfest im Juni lieferte kaum Impulse für die Schifffahrtsgesellschaft. An den beiden Wochenenden haben orkanartige Stürme das Fest massiv gestört.

Negativer Basiseffekt

Das Wetter allein lässt den Rückgang aber nicht erklären. Dazu blickt Roland Erne zurück auf die Saison 2012. «Das Vergleichsjahr war für die Bielersee-Gesellschaft ein absolutes Rekordjahr.

Wir haben so viele Passagiere transportiert wie nie mehr seit 2001.» Angesichts dieses aussergewöhnlichen Jahres 2012 und dem damit verbundenen negativen Basiseffekt sei ein Rückgang erwartet worden.

Ein Vergleich über die vergangenen acht Jahre bestätigt diesen Befund ansatzweise. Demnach lag die Zahl der Fahrgäste auf der Aare-Schifffahrt 2013 «nur» acht Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt und insgesamt betrug das Minus zehn Prozent - also weit entfernt von der Entwicklung im kurzfristigen Jahresvergleich.

«Rousseau», UBS und Jubiläum

Für den Boom im Vergleichsjahr 2012 haben drei «Ereignisse» gesorgt. Das neue Schiff «Rousseau» lockte viele zusätzliche Reisende an, wie Thomas Erne erklärt. Das 48 Meter lange Schiff ist für 300 Passagiere zugelassen und verkehrt primär auf der Aare zwischen Solothurn und Biel.

Für viel Betrieb war zudem eine Aktion der Grossbank UBS zuständig. «Jeder vierte bis fünfte Reisende war 2012 mit einem UBS-Gutschein unterwegs», heisst es im Geschäftsbericht der BSG. Und nicht zuletzt feierte das Unternehmen im Rekordjahr sein 125-Jahr-Jubiläum mit zahlreichen Sonderaktionen.

Wie der Rückgang der Fahrgäste auf der BSG-Flotte die Erfolgsrechnung beeinflussen wird, gibt die Gesellschaft noch nicht bekannt. Zuerst müsse das Ergebnis vom Verwaltungsrat abgesegnet werden, sagt Erne. Die Abschlusszahlen 2013 werden an der Generalversammlung vom 16. Juni kommuniziert.

2012 resultierte bei einem Gesamtertrag von 5,9 Millionen Franken ein Betriebsgewinn von 0,7 Millionen Franken und ein Jahresgewinn von 174 000 Franken. Erne zeigt sich zuversichtlich, dass die schlechte Saison finanziell verkraftet werden kann und keine roten Zahlen geschrieben werden.

Tariferhöhung für 2014

Die Schifffahrt ist kein günstiges Vergnügen. So muss beispielsweise ein Erwachsener - ohne Generalabonnement oder Halbtax - für eine einfache Aarefahrt von Solothurn nach Biel 58 Franken auf den Tisch blättern.

Das sind zwei Franken mehr als 2013. «Die Preiserhöhung von 3,5 Prozent erfolgt im Rahmen der offiziellen Tariferhöhungen im Öffentlichen Verkehr», sagt Erne. Das sei zwar im Vergleich zum gewöhnlichen ÖV teuer, aber das Schifffahren sei anders gelagert und gehöre zu einem touristischen Angebot wie Bergbahnen. Zudem sei die BSG verpflichtet, den Betrieb eigenwirtschaftlich, also ohne Beiträge der beiden Kantone Bern und Solothurn zu führen.