Die CVP verliert einen Sitz im Nationalrat. Was ist schiefgelaufen?

Sandra Kolly: Wir haben den Sitz vor vier Jahren sehr knapp gewonnen und ihn nun leider nicht halten können. Ein Grund war wohl die fehlende Mobilisierung der Wählerschaft. Offenbar konnten wir diese mit unseren Themen wie Beziehungen zu Europa oder Altersvorsorge zu wenig berühren und ansprechen.

Erstmals seit 2007 hat die Solothurner CVP nur noch einen Sitz im Nationalrat. Eine schmerzliche Niederlage?

Sicher, das tut weh. Alles andere wäre gelogen.

Nehmen Sie als Parteipräsidentin den Sitzverlust auch persönlich und denken Sie über einen Rücktritt nach?

Niemand verliert gerne, aber ein Rücktritt ist kein Thema. Wir müssen jetzt über die Bücher sowie die Resultate insgesamt und in den einzelnen Gemeinden genau analysieren.

Sehen Sie schon einen Ansatzpunkt?

Nein, es ist zu früh. Auffallend ist, dass wir das Rennen insbesondere in den Städten verloren haben. Das gab letztlich den Ausschlag für den Sitzverlust.

Hat die CVP den Wahlkampf falsch angepackt?

Ich glaube, wir haben einen guten und engagierten Wahlkampf geführt. Wie erwähnt haben unsere Themen die Wählerschaft wohl weniger berührt, als wenn man sich auf Asylbewerber konzentriert. Mit unserer lösungsorientierten Politik konnten wir offenbar weniger punkten.

Die CVP Mitte legt starken Start hin. Wie Sandra Kolly die Lage einschätzt.

Die CVP Mitte legte einen starken Start hin - bevor sich die Lage dann änderte. So schätzte Sandra Kolly das Ganze ein.

Im Gegensatz zu vor vier Jahren war Pirmin Bischof nicht mehr auf der Nationalratsliste als Zugpferd. Hat er gefehlt?

Das war sicher auch ein Punkt. Es ist nicht der einzige Grund, aber er hat gefehlt. Vor vier Jahren holte Pirmin Bischof alleine 24 000 Stimmen.

Sie gingen mit den Parteien GLP, BDP und EVP Listenverbindungen ein. Offenbar haben diese zu wenig gefruchtet?

Die Mitte-Parteien müssen enger zusammenarbeiten. Da es in der Mitte immer mehr Parteien gibt, besteht die Gefahr der Verzettelung. Vielleicht braucht es künftig eine noch engere Zusammenarbeit, um die Stimmen zu bündeln und damit die politische Mitte zu stärken. Mit dem Sitzverlust wird jetzt die politische Mitte eindeutig geschwächt.

Auffallend ist der unterschiedliche Erfolg der beiden Stammlisten. Jene mit dem Bisherigen Stefan Müller-Altermatt erhielt 20 000 Stimmen mehr als jene mit dem bisherigen Urs Schläfli. Was ist der Grund?

Das ist mir ein echtes Rätsel. Auf beiden Listen kandidierten je ein Bisheriger und mehrere Kantonsräte. So krass hätte ich den Unterschied nie erwartet. Ich bin ratlos.

Abgewählt wurde Urs Schläfli. Nicht sehr überraschend?

Urs Schläfli war eher der stille Schaffer im Hintergrund und weniger in den Medien präsent. Aber seine Abwahl war nicht voraussehbar. Wie gesagt, für mich waren die beiden Listen sehr ausgewogen.

Konnte sich Urs Schläfli zu wenig in den Vordergrund stellen?

Ich will ihm nicht die Schuld geben. Er bekam aber zu spüren, dass manchmal eine gewisse Bescheidenheit auch falsch sein kann. Gerade im Amt als Nationalrat ist es wichtig, über die geleistete Arbeit auch zu kommunizieren.

Wiegt die Wahl im ersten Wahlgang von Pirmin Bischof in den Ständerat den Sitzverlust auf?

Es ist sehr erfreulich, dass er die Wahl mit diesem glänzenden Resultat schaffte. Es kann die Enttäuschung über den Nationalratssitzverlust etwas dämpfen, aber nicht aufwiegen.

Wen wird die CVP im zweiten Ständerats-Wahlgang unterstützen?

Das werden wir in den nächsten Tagen diskutieren. Dazu kann ich jetzt keine Aussage machen.