Wahlen

Parteichef: «Das C ist nicht nur ein Buchstabe»

Gerhard Pfister: «Nur die CVP bringt bürgerliche und soziale Anliegen überzeugend unter einen Hut.»

Gerhard Pfister: «Nur die CVP bringt bürgerliche und soziale Anliegen überzeugend unter einen Hut.»

Parteichef Gerhard Pfister fordert, dass die Solothurner CVP selbstbewusst in den Wahlkampf zieht.

Nicht wenige im Publikum sahen schon etwas müde aus, als Gerhard Pfister ans Rednerpult trat. Kein Wunder, hatten sie doch schon fast zwei Stunden Programm hinter sich. Das Zuhören an der Delegiertenversammlung der Solothurner CVP hatte Kraft gekostet, und im Oensinger «Rössli»-Saal hatten sich so viele Menschen eingefunden, dass es eng wurde in den Tischreihen.

Dann also Pfister. Der Präsident der CVP Schweiz war dazu auserkoren, die Parteibasis auf die kantonalen Wahlen am 12. März einzustimmen – und müde Delegierte aufzuwecken. Beides gelang ihm. Zum offiziellen Wahlauftakt hielt Pfister ein Referat, so kämpferisch wie versöhnlich. Seit neun Monaten steht der Zuger Nationalrat an der Spitze der Partei, die in den vergangenen Jahren vor allem Wahlniederlagen verzeichnete. Die Kehrtwende bei kantonalen Wahlen ist unter Pfisters Führung bisher ausgeblieben. Ob sich das im Kanton Solothurn ändern wird? Die CVP will hier ihre beiden Regierungssitze verteidigen und die 22 Mandate im Kantonsrat halten.

Pfister findet, dieses Ziel sei schon mal gut. «Ein Zuwachs beim Wähleranteil würde mich natürlich noch mehr freuen.» Die CVP müsse noch deutlicher Position beziehen, das Profil schärfen und ihre Identität hervorstreichen. «Das C im Parteinamen ist nicht nur ein Buchstabe. Es ist ein Wert.» Auf nationaler Ebene steckt die Partei mitten in einem Reformprozess. Nach einer Basisbefragung wird sich die CVP in den kommenden Monaten nun eine neue Strategie verpassen. Und zwar als «Themenpartei», wie Pfister sagt. Viele Details sind noch unklar, die angekündigte «Vision für die Schweiz» muss erst noch ausformuliert werden.

Pfister will Eigenständigkeit

Gerhard Pfister will, dass die CVP selbstbewusster für eine christdemokratische Politik einsteht. Die Schweiz stehe auf Pfeilern wie Freiheit, Frieden und Menschenrechte. Als Partei brauche man derweil Antworten auf die Sorgen der Menschen, sagte Pfister.

Den Solothurner Christdemokraten empfahl der Parteichef, im Wahlkampf eigenständig aufzutreten – ein sanfter Seitenhieb gegen die Fraktionsgemeinschaft mit GLP, BDP und EVP? Pfister ging nicht näher darauf ein, wünschte sich dafür eine «Politik der dargebotenen Hand»: «Nur die CVP bringt bürgerliche und soziale Anliegen überzeugend unter einen Hut.»

Fast alle Bisherigen bleiben

Pfister appellierte an die Kandidierenden, das direkte Gespräch mit möglichst vielen Wählern zu suchen, vor Ort präsent zu sein. «Das ist so wichtig wie noch nie.» Tatsächlich ist die Partei vordergründig gut aufgestellt: 21 der 22 bisherigen Kantonsräte treten wieder an, die beiden Regierungsräte Roland Heim und Roland Fürst dürften ihre Wiederwahl auf sicher haben. Das mag gut sein im Sinne der Kontinuität. Gleichzeitig sinken für neue Kandidaten jedoch die Wahlchancen. Gerade sie stehen vor der Frage, ob es sich überhaupt lohnt, Zeit und Energie in den Wahlkampf zu stecken.

Dessen ist sich auch Sandra Kolly bewusst. Die Kantonalpräsidentin forderte einen engagierten Wahlkampf. «Wir müssen die CVP-Politik mit einfachen und verständlichen Worten erklären», sagte sie. Die CVP-Politik, das heisst laut Kolly: «Möglichst tiefe Steuern» und «bessere Rahmenbedingungen für KMU», ebenso «sichere und gerechte Renten» und «mehr Polizeipräsenz an neuralgischen Orten». Die CVP will Kolly als staatstragende Kraft der Mitte positionieren. «Wir sind die Einzigen, die sich wirklich für eine funktionierende Gesellschaft starkmachen.»

Gut aufgestellt ist die CVP in den Augen von Kolly auch deshalb, weil sie auf eine hervorragend organisierte Nachwuchsorganisation zählen könne. «Jeder fünfte der 71 CVP-Kantonsratskandidaten ist ein Junger», betonte Simon Grünig, Präsident der Jungen CVP. Derweil kann die CVP 60+ immerhin zwei Kandidaten ins Rennen schicken.

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