Umzugsverzögerung
Parkett im Neubau Bürgerspital muss ersetzt werden – das Problem liegt aber nicht direkt beim Holzboden

Eigentlich wäre geplant gewesen, den Neubau des Bürgerspitals im September 2020 in Betrieb zu nehmen. Da aber Probleme auftraten, wurde der Umzug auf Anfang 2021 verschoben. Der Kantonsbaumeister Guido Keune tritt wilden Gerüchten über die Baumängel am Bürgerspital-Neubau entgegen.

Balz Bruder
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Das Problem am Parkettboden ist nicht das Parkett, sondern der Unterlagsboden, auf dem es verlegt ist.

Das Problem am Parkettboden ist nicht das Parkett, sondern der Unterlagsboden, auf dem es verlegt ist.

Hanspeter Bärtschi

Die gute Nachricht Anfang August war diese: «Das Haus 1 des Neubaus Bürgerspital Solothurn konnte trotz Coronapandemie innerhalb des zeitlichen und finanziellen Rahmens fertiggestellt werden», teilte die Staatskanzlei mit. Die schlechte Nachricht folgte auf dem Fuss: «Im Zuge der zahlreichen Abnahmen und Kontrollen stellte sich heraus, dass sich die Bodenbeläge in den Patientenzimmern teilweise von den Unterlagsböden zu lösen beginnen. Ein einwandfreier Spitalbetrieb ist deshalb derzeit leider noch nicht vollständig gewährleistet.»

Die Folge davon: «Nach sorgfältiger Abwägung der Situation und der möglichen Risiken haben das Hochbauamt des Kantons Solothurn und die Solothurner Spitäler AG (soH) entschieden, sämtliche Bodenbeläge in den Patientenzimmern zu ersetzen. Dieser Entscheid wurde insbesondere aus Qualitätsgründen, allfälligen Auswirkungen einer späteren Sanierung unter laufendem Betrieb, aber auch aus haftungsrechtlichen Gründen getroffen.»

Und das braucht Zeit: Der Umzug in den Neubau und in die 155 Patientenzimmer kann nicht wie geplant Ende August beziehungsweise Anfang September 2020, sondern voraussichtlich erst Anfang 2021 stattfinden.

«Grosse Bauvorhaben sind häufig Prototypen»

Seit der Kanton die Hiobsbotschaft überbracht hat, überschlagen sich die Gerüchte darüber, was im Neubau alles schiefgelaufen sein soll. Da ist von qualitätsschädlichem Zeitdruck auf der Baustelle, mangelhafter Bauleitung, konkursiten Unterakkordanten und sonstigem Pfusch zu hören. Anschuldigungen, denen Kantonsbaumeister Georg Keune entschieden entgegentritt: «Grosse Bauvorhaben sind häufig Prototypen, dies gilt insbesondere, wenn es sich um eine spezifische Nutzung wie ein Akutspital handelt. Bei solch komplexen Bauvorhaben kann trotz aller Professionalität der Planenden und der Ausführenden Unvorhergesehenes passieren.»

Just dies passierte bei den Böden in den Patientenzimmern. Mit mangelnder Sorgfalt oder Zeitdruck habe das nichts zu tun, betont Keune. Was war es dann? Die Schadensursachen wurden laut Keune durch entsprechende Experten geklärt. Analysiert wurden insbesondere die Unterlagsböden, das Parkett und die Verlegearbeiten.

Erkenntnis eins: Die Qualität des gelieferten Parketts wurde als sehr gut beurteilt. Daran kann es demnach nicht liegen.

Erkenntnis zwei: Die untersuchten Proben des Unterlagsbodens haben ergeben, dass es bei der Verarbeitung des Materials partiell zu einer Entmischung der grösseren Gesteinskörner und der Feinstoffe gekommen ist.

Erkenntnis drei: Damit das Parkett verlegt werden kann, muss der Unterlagsboden vorbereitet werden. Das heisst: Die nach dem Austrocknen entstandene weiche oberste Schicht muss vor dem Einbringen des Parketts vollständig abgeschliffen werden. Partiell wurde diese nicht vollständig entfernt, sodass der Haftverbund zwischen Parkett und Unterlagsboden nicht lückenlos erfolgen konnte.

Hätte man also doch gescheiter auf den schon vor dem Bau umstrittenen Parkettboden in den Patientenzimmern verzichtet? Keune sagt: «Es trifft zu, dass im Vorfeld die Materialisierung des Bodenbelages diskutiert wurde.» Die Baukommission habe sich aber schon 2017 für Parkett entschieden.

«Gespräche über die Kostenübernahme führen»

Wie geht es nun weiter? Sobald die Massnahmen zur Sanierung geklärt seien und sich die Unternehmungen sowie die Experten über die Sanierungsmethode geeinigt hätten, würden die Kosten für die Sanierung der Bodenbeläge vom vierten bis siebten Obergeschoss durch den Generalplaner berechnet, führt Keune aus.

In der Folge werde das Hochbauamt

die notwendigen Gespräche mit den verantwortlichen Unternehmungen beziehungsweise Versicherungen über die Kostenübernahme führen.

Den betroffenen Firmen steht nach Aussage des Kantonsbaumeisters grundsätzlich das Recht auf Verbesserung zu. Und dieses werde von den Unternehmungen auch in Anspruch genommen.

Die Sache mit der Eigentumsübertragung

Vor knapp vier Jahren hat der Kantonsrat nach einer denkwürdigen Debatte beschlossen, dass das Eigentum an den Spitalbauten Anfang 2017 an die soH übergeht. Dies mit Ausnahme des Bürgerspital-Neubaus (Haus 1) im Jahr 2020 sowie von Haus 2 und der übrigen Liegenschaften im Jahr 2023. Was passiert nun, wenn der Neubau von Haus 1 bis Ende Jahr nicht bezogen sein wird? Kantonsbaumeister Keune sagt dazu: «Kommt es zu einer Verzögerung der Eigentumsübertragung, hätte dies einen Einfluss auf den Beginn des Baurechts beziehungsweise das Ende des heutigen Mietvertrages. Gleichzeitig verzögern sich die Effekte auf die Erfolgsrechnungen von Kanton und soH. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung, so Keune, könne jedoch weiterhin im «alten» Bürgerspital sichergestellt werden. «Diese Infrastruktur wird erst rückgebaut, wenn der Neubau bezogen ist.» (bbr.)