Besitzerwechsel

Papieri Balsthal gehört wieder zur indischen Saber-Gruppe

Trotz mehrmaligem Besitzerwechsel ist die traditionsreiche Balsthaler Papierfabrik dank der Konzentration auf Spezialpapiere bislang gut unterwegs.

Trotz mehrmaligem Besitzerwechsel ist die traditionsreiche Balsthaler Papierfabrik dank der Konzentration auf Spezialpapiere bislang gut unterwegs.

Erneut ist es bei der Papierfabrik Balsthal – der heutigen Swiss Quality Paper AG – zu einem Besitzerwechsel gekommen. Das traditionsreiche Unternehmen gehört wieder zur indischen Papiergruppe Saber.

Die 1883 gegründete Papierfabrik Balsthal – die heutige Swiss Quality Paper AG – bleibt in Bewegung: Erneut haben die Besitzer der Fabrik gewechselt. Das Unternehmen gehört wieder zur indischen Papiergruppe Saber, wie Recherchen dieser Zeitung zeigen. Zur Erinnerung: Erst im Herbst 2012 wurde die Papierfabrik von den beiden deutschen Investoren Christian Krämer und Norbert Schröder respektive ihrer Krämer&Schröder Investment GmbH mit Sitz in Aachen übernommen. Verkäuferin war die indische Saber-Gruppe, welche ihrerseits das Werk 2009 kaufte.

Wie erst jetzt öffentlich wird, hat die indische Industriellenfamilie Soin auf Anfang August 2014 die Mehrheit der Gesellschaftsanteile der deutschen Investmentgesellschaft übernommen. Und damit gehört Swiss Quality Paper wieder zu Saber.

So wurde die Belegschaft damals mit einem Schreiben informiert. Der Wechsel überrascht, haben doch die beiden deutschen Investoren Krämer und Schröder im Frühling 2013 gegenüber dieser Zeitung erklärt: «Wir engagieren uns langfristig. Wir sind keine Heuschrecken.» Über die Gründe, welche zur Rückübernahme geführt haben, sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärt Thomas Bichler, Geschäftsführer der Papierfabrik. Auf die operative Tätigkeit habe der erneute Besitzerwechsel aber keinen Einfluss.

Schwarze Zahlen seit drei Jahren

Nach der schwierigen Phase 2011, eine Papiermaschine wurde stillgelegt und fast 50 Arbeitsplätze wurden gestrichen, habe sich das Unternehmen nachhaltig stabilisiert, sagt Bichler. Krämer und Schröder seien massgeblich an der erfolgreichen Restrukturierung des Unternehmens beteiligt gewesen. So habe man in den Jahren 2012, 2013 und 2014 jeweils «echte schwarze Zahlen» geschrieben. Im vergangenen Geschäftsjahr sei ein Umsatz von 36,3 Mio. Franken erwirtschaftet worden. Das entspreche einem Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die von Krämer und Schröder eingeleitete Fokussierung auf technische Spezialpapiere habe sich bewährt und werde auch künftig fortgesetzt, erklärt Bichler weiter. Produziert werden heute in Balsthal mit 80 Prozent fast ausschliesslich solche Papiere. Der Grossteil davon sind sogenannte Masking Tapes. Auf dieses Rohpapier bringen Klebebandhersteller Leim oder Latex auf.  Ferner werden spezielle Papiere für die Anwendung in Zigarettenfiltern hergestellt. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf die Herstellung von verschiedenen Krepp-Papieren. Den Exportanteil beziffert Bichler auf 93 Prozent, Hauptmarkt sei der Euroraum.

Lohnkürzung wegen Euro

Deshalb wirke sich der nach der Aufgabe der Wechselkursuntergrenze erstarkte Franken massiv auf die Geschäftstätigkeit aus, sagt Bichler. Die Auftragslage sei zwar nach wie vor gut, aber der starke Franken beeinflusse den Umsatz und damit auch die Ertragsseite. «Wir hatten für 2015 einen Umsatz von 38 Millionen Franken budgetiert. Nach dem Kurssturz ist das aber nicht mehr erreichbar.» Deshalb habe man verschiedene Massnahmen in Angriff genommen.

So müssten ab April sämtliche Angestellten während sechs Monaten eine Lohnkürzung von zehn Prozent hinnehmen. «Diese schwierige Massnahme haben wir mit der Personalkommission ausgehandelt und die Sozialpartner wurden entsprechend informiert.» Beim Papierpersonalverband und bei der Unia weiss man aber offiziell nichts von der Massnahme, wie es dort auf Nachfrage heisst. Bichler sagt, er habe an der letzten Sitzung der Paritätischen Kommission – diese ist im GAV zwischen dem Arbeitgeberverband Schweizerischer Papierindustrieller und den Arbeitnehmerverbänden institutionalisiert – darüber informiert. Im Übrigen habe die gesamte Belegschaft die entsprechende Änderungskündigung unterzeichnet. Ziel sei natürlich, die Lohnkürzung so rasch wie möglich wieder aufzuheben.

Weitere Investitionen geplant

Auch sei es gelungen, die Verkaufspreise für einzelne Produkte anzuheben, um den Währungsverlust zum Teil kompensieren zu können. Und die schon vor dem Frankenschock ins Auge gefassten Investitionen zur weiteren Modernisierung der Papiermaschine sollen realisiert werden. Nur dadurch sei es möglich, die Herstellungskosten zu senken. Die Maschine laufe im Vierschichtbetrieb praktisch während des ganzen Jahres. Die Produktionskapazität liege bei rund 26 000 Jahrestonnen Spezialpapiere. 2014 seien 22 000 Tonnen produziert worden.

«Ein Abbau von Arbeitsplätzen ist überhaupt nicht geplant, weil die Auftragslage, wie gesagt, gut ist», versichert Bichler. Das wäre jetzt ein falscher Zeitpunkt. Der Personalbestand sei seit 2013 von 63 auf 66 leicht aufgestockt worden.

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