Papierfabrik
«Ersticken und ertrinken im Verkehr» – Pläne der Migros und Post zum «Emmepark» kommen nicht bei allen gut an

Die frühere Papierfabrik Utzenstorf soll als kantonaler Arbeitsschwerpunkt umgenutzt werden. Die Areal-Eigentümerin Migros Aare will hier das Online-Versandunternehmen Digitec Galaxus und ein regionales Post-Paketzentrum ansiedeln. Beide funktionieren nur mit einer hohen Anzahl an LKW- und PW-Fahrten.

Gundi Klemm
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In Utzenstorf entstehen viele neue Arbeitsplätze, das bringt aber auch mehr Verkehr mit sich.

In Utzenstorf entstehen viele neue Arbeitsplätze, das bringt aber auch mehr Verkehr mit sich.

zvg

Insgesamt 380 Interessierte aus der näheren Region hatten sich für die beiden Informationsveranstaltungen zur Arealentwicklung «Emmepark», wie sich das von früheren Anlagen und Altlasten fast geräumte Gelände der ehemaligen Papierfabrik nennt, angemeldet.

Seit der zweiten öffentlichen Veranstaltung am 28. Januar 2020 hatte sich bezüglich des Umfangs der Bauplanung im Gelände an der Emme nicht viel verändert. Digitec Galaxus, bisher mit Standort im aargauischen Wohlen, will für seine sprunghaft wachsende Distribution hier ein Betriebsgebäude mit einer Länge von 370, einer Höhe von 22, und einer Breite von 22 Metern errichten und 450 Arbeitsplätze schaffen.

Verbunden durch eine Passerelle sollen die Waren in das daneben geplante Postpaketzentrum gelangen, das Arbeitsplätze für 80 bis 110 Mitarbeitende anbietet. Das Baugesuch fürs Paketzentrum wird Anfang September publiziert.

Utzenstorfs Gemeindepräsident Beat Singer, der anschliessend auch die Fragerunde moderierte, betonte den «Wert der Betriebsansiedlungen für die gesamte Region» und: dass Projektteam und Gemeinde seit letztem Jahr nicht tatenlos geblieben wären. Der Gemeinderat stehe dem Projekt in der Etappe 1 positiv gegenüber.

Der Durchgangsverlehr in den Gemeinden gibt zu reden

Überarbeitet wurde aber seither der im Baugesuch geforderte Umweltverträglichkeitsbericht (UVB), denn der Druck aus der Bevölkerung, private Einsprachen und insbesondere die bis vors Bundesgericht gelangenden Einsprachen der von erheblichem Durchgangsverkehr betroffenen Gemeinden Wiler und Gerlafingen, hatten eine Anpassung erzwungen.

Bisher ging man von einer Verteilung der erwartet 980 täglichen Fahrten, davon 300 mit LKW, zu 80 Prozent Richtung Autobahnauffahrt Kriegstetten/Gerlafingen und zu 20 Prozent zur Autobahnauffahrt Kirchberg aus. Die Zunahme betrage gerechnet auf 24 Stunden gegenüber dem heutigen Verkehr 5 bis 6 Prozent, erläuterte Migros-Projektleiter Philipp Schütz. Zudem habe die Post, wie Ulrich Hurni als Leiter Postlogistik ergänzte, Lenkungsmöglichkeiten für ihr tagtägliches Verkehrsaufkommen.

Das neue UVB-Konzept zielt nun aber auf eine ausgewogenere Verteilung des Verkehrs mit 50:50 Prozent in beide Richtungen hin. Zudem sollen etliche Massnahmen im Strassennetz wie «Flüsterbelag», sichere Querungen für Fussgänger und die Begrenzung auf Tempo 40 auf den benutzten Gemeinde- und Kantonsstrassen in Utzenstorf 2024 fertiggestellt sein.

Gespräche mit den beiden involvierten Gemeinden Wiler und Gerlafingen sowie den Kantonalen Planungsämtern in Bern und Solothurn hätten stattgefunden, so Singer. Man wolle doch gemeinsam einen vernünftigen Weg finden. Mit der Standortgemeinde soll ein Infrastrukturvertrag abgeschlossen werden; darin einbezogen ist die Kontrollmöglichkeit der durch den «Emmepark» verursachten Fahrtenanzahl.

Sorgfälltige Verkehrsplanung gefordert

Natürlich kämen die neuen Arbeitsplätze den Gemeinden der Region zugute. Gerechnet wird laut Geschäftsführer Florian Teuteberg (Digitec Galaxus) mit einer jährlichen Lohnsumme allein seines Unternehmens von über 30 Mio. Franken. Auch das örtliche und regionale Gewerbe würde durch die Ansiedlungen, die auch ökologisch aufgewertet werden sollen, profitieren.

Doch die Überlegungen der Fragesteller kreisten vor allem um die Verkehrsanbindung des abseits liegenden «Emmeparks». Die plötzlich vermehrten Fahrten durch Utzenstorf zur Autobahnauffahrt Süd seien eine Zumutung, stellte ein Einheimischer fest. Warum bevorzugte die Planung zur Ansiedlung nicht nah an der Autobahn gelegene Freiflächen? Wie sieht es mit Umfahrungen aus, die andernorts bekanntlich Jahrzehnte bis zur Realisierung benötigten? Um Kulturlandverlust bei einem Autobahndirektanschluss zu vermeiden, böte sich eine Souterrain- oder eine Tunnellösung wie etwa in der Grenchner Witi an, regte ein Teilnehmender an.

Besorgnis äusserten etliche Anwesende auch vor der Verkehrsentwicklung, verursacht durch künftige Betriebsniederlassungen in den vorgesehenen Erweiterungsphasen. Die Autoflut mache Sorgen.

«Ihr müsst das Thema jetzt schon in den Blick nehmen. Sonst ersticken und ertrinken wir im Verkehr»,

hiess es in einer Wortmeldung. «Wir arbeiten intensiv an der Verkehrsproblematik», bekräftigte Projektleiter Schütz, dessen Antworten das Publikum nur zum Teil befriedigten. Ein Einbezug des öffentlichen Verkehrs sei bereits angedacht, schloss Gemeindepräsident Beat Singer die Fragerunde.

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